Liebe Forenteilnehmer,
Vorab: Bitte seid vorsichtig mit dem Kauf/Nachkauf.
Nachfolgendes Szenario ist m.E am wahrscheinlichsten:
Der COO (M.) und Braun + einige Mitwisser (wer genau vom Vorstand und aus den anderen Unternehmensebenen ist natürlich nur Vermutung) werden das Asiengeschäft (ganz oder weitestgehend) erfunden haben. Das Deutschland/Europageschäft wird (ganz oder zum allergrößten Teil) real sein. (Sonst hättten sich die Kunden längst beschwert bzw. dementiert und es wäre herausgekommen)
Dazu haben sie sich ein System/Konstrukt von Briefkastenfirmen aufgebauen lassen/bzw. genutzt. (Da der COO auch in den Berichten von McCrum als Kontaktperson in Asien genannt wurde, wird dieser vermutlich eine zentrale Rolle eingenommen haben). Die entsprechenden Buchungen wurden auf oberster Ebene gefaked. (Genauer Personenkreis natürlich nur Spekulation, COO+CEO+Leiter REWE wussten es auf jeden Fall)
Es hat sich niemand beschwert, da die Betreiber (diese werden sehr gut vernetzt sein) des Scheinfirmenkonstruktes, inkl. der für etwaige Fälschungen verantwortlichen Personen, eine "attraktive" Vergütung (direkt oder indirekt) von Wirecard erhalten haben und die Händler nicht existent sind.
Im anderen Forum hatte jemand die Ergebnisse seiner Recherche aus einer Compliancedatenbank zum Thema "Citadelle" und Firmenkonstrukt zum Besten gegeben. Ergebnis: Kein zu vermutendes reales Geschäft + Verbindungen zu Personen, die mit Betrug in anderen Sachverhalten in Verbindung gebracht werden. In diesem Zusammenhang tauchte auch eine Übernahme in Südafrika auf, die wohl ebenfalls untersuchungswürdig.
Zudem gibt es in der Bilanz auffällig wenig Information zum Asiengeschäft.
Viele der Übernahmen (Bsp. Indien) werden fingiert (kein reales Geschäft) oder überteuert gewesen sein, um den (fingierten) Cashabfluss aus der Bilanz zu rechtfertigen. Reales Geschäft wird, sofern überhaupt vorhanden, vergleichsweise klein bzw. minimal sein.
Zur Rolle von Braun:
Es ist m.E unmöglich, dass Braun nichts wusste. Der wusste alles oder nahezu alles.
Er hat das Unternehmen aufgebaut (15 Jahre und länger) und damit das scheinbar so ertragreiche Asiengeschäft. D.h. Treffen und Verträge mit TPA, für Übernahmen in Asien, Besuch von Endkunden usw. Habt ihr Braun je zu Besuch bei einem TPA oder einem großen Endkunden gesehen, irgendeinen Bericht gelesen oder sonst irgendetwas greifbares aus dem Asiengeschäft? (außer Koorperation Visa VAE und irgendeine Teekooperation)
Mit der Erfindung des Asiengeschäfts hat er sich 900 Mio von Softbank erschlichen, Kreditgeber (ggf. hängen die mit Geldwäsche auch noch mit drin) angelogen, auf jeder HV, seitdem es das Asiengeschäft gibt, die Aktionäre angelogen und bei jedem Interview, und insbesondere bei allen Zahlen, gelogen und betrogen.
Der Mann ist größenwahnsinnig geworden und krank. Ich kann aber nachvollziehen, wie man da reinrutschen kann, zumal es ja auch reales, aber deutlich weniger rentables Geschäft gibt. Der wollte alles! Und es ging nicht schnell genug! Daher auch die Vison 2025.
Er hat sich (inbesondere intern) aufgeführt wie "Gott" (war zu lesen) und konnte damit kritischen Nachfragen besser ausweichen und blenden.
Dazu hat die Bande (die kennen sich ewig) von zusätzlichen Boni (Schaut mal in die Bilanzen) profitiert. Hinzu kommen die beliehenen Aktien von der DB und ggf. noch weitere Kapitalentnahmen (sei es bei Übernahmen o.ä.)
Braun hat viele Menschen um ihr hart erspartes gebracht und gehört hinter schwedische Gardinien (Arbeitslager hat mir auch gefallen;)). Der COO sowieso (Mein Tipp: Der hat aus der Perspektive von Wirecard die fake Story (mit)-begleitet und ggf. eingefädelt).
Rolle EY/KPMG: EY ist am Steuer eingeschlafen (oder hängt im Worst Case mit drin--> siehe stark gestiegene Kosten der Prüfung in der Bilanz und sie haben natürlich auch viel zu verlieren, daher Prüfung mit "großem" Gewissen). Die Bilanzen werden, seitdem es ein relevantes Asiengeschäft gibt, alle falsch testiert sein. Mein Tipp: Spätestens KPMG hat den Braten zumindest gerochen und dann war die Entdeckung nicht mehr aufzuhalten. (Mein Tipp: Eichelmann hats voher gewusst oder zumindest geahnt -->Sonderprüfung)
Rolle HF/Shortseller usw.: Die wussten alles/viel und haben mit nahezu 0 Risiko darauf gewettet. Kontakte zu entsprechenden Medien wird es geben. Also auch fragwürdige/ggf. kriminelle Strukturen. Der FT-Berichterstattung an sich muss man aber im Nachhinein Respekt zollen.
Was ist der Laden noch Wert und wie geht es weiter?
Mein Tipp: Der Wert ist die Technologie/Struktur und das Europageschäft. Die riesigen Margen sind nicht existent, maximal in der Höhe von Adyen oder noch geringer. Wie viel Ertrag das genau wäre, ist schwer zu sagen. Unter der Annahme einer Marge von Adyen vielleicht irgendetwas zwischen 50 und 100 Mio., aber auch 0 oder negativ kann ich natürlich nicht ausschließen --> zumindest lässt sich aus der Bilanz sehen, dass es nach Abzug der 1,9 Mrd. EK nicht sehr viel gewesen sein kann. (In keinem Fall nahe 500 Mio oder gescheige denn 1 Mrd. EBITDA)
Ohne diesen ganzen Fake hätte ich aber durchaus noch ein mittelständisches Unternehmen mit moderatem Gewinn (bzw. zumindest rentabel, um Wachstum zu finanzieren) und überdurchschnittlich guten Wachstumsaussichten gesehen. (und einen Übernahmekandidaten). Vielleicht mit Aktienkurs irgendwo zwischen 20 und 30 Euro.
Das wird nun aber kaum möglich sein: Abhängikeit von Kreditgebern, ggf. Kapitalerhöhung, riesige Schadensersatzforderungen usw.
Das geht nur ums nackte Überleben. Mein Tipp: Es wird schlussendlich eine Filetierung und Übernahme der interessanten UNternehmensteile geben.
Die Altaktionäre werden leer oder nahzu leer ausgehen. --> Ich würde die Aktie nicht mehr anfassen, wenn ich nicht bewusst herumzocken will.
-->Zudem: Weitere Abwanderung von Know-How aus Deutschland
Das ganze Fall ist ein Skandal und wird als nennenswerter Fall in die deutsche Wirtschaftsgeschichte eingehen.
Ich selbst habe auch für meine Verhältnisse viel Geld verloren und fürs (Börsen-)Leben gelernt (1,5 Nettojahresgehälter (bringt mich nicht um, aber dennoch bitter)) und hätte mir bis vorgestern Betrugspraktiken in diesem Ausmaß (wenn man sich überlegt, was alles, von wie vielen Beteiligten über Jahre gefaked und gelogen werden musste) bei einem DAX!-Unternehmen nicht vorstellen können. Aber wenn man genau überlegt, haben alle profitiert: Prüfungsgesellschaften, Beteiligte im Unternehmen, Briefkastenfirmenbetreiber, Alalam (nebenbei mit Personenbezug zu Deutschland) usw.
Was kann man als Aktionär rechtlich machen? Klage/Sammelklage gegen EY oder gegen Wirecard?
Ich werde zunächst einmal abwarten, wie sich die Lage weiterentwickelt und dann in Ruhe entscheiden, wobei vermutlich bei EY mehr zu holen sein wird als bei Wirecard. Einschätzungen sind gerne erwünscht.
Grüße an alle netten und empathischen Forumsteilnehmer:)