Biotrade, wie kommst Du drauf, dass andere deutsche Unternehmensskandale nicht mehr im Fokus sind? Erst heute kam wieder etwas zum Dieselskandal und der ist fast fünf Jahre her (www.faz.net/2.1690/...soll-eingestellt-werden-16778083.html). Zu Cum-Ex gibt es zig aktuelle Treffer bei google und der Betrug wurde vor über zehn Jahren begangen. Welche Politiker sollen denn dabei gewesen sein, dass die FT darüber nicht schreibt (gib doch mal bei google „ft.com cum ex“ ein)? Ich will nur sagen: negative Berichte und das Breitschlagen von Skandalen in der Presse ist jetzt kein Privileg von Wirecard – das passiert bei jedem Unternehmen.
Kosto, danke für die Zusammenstellung. Du darfst jederzeit intervenieren und ich freue mich über jede Korrektur, ich liege oft genug daneben. Also erst mal bin ich gerne gewillt zu glauben, dass da alles ohne Betrug abgelaufen ist. Ja, ich kenne die Auszüge aus dem KPMG Bericht (einige Passagen weiter unten), die keine Anhaltspunkte für Round Tripping gebracht haben, und ich glaube auch gerne, dass die Akquisition insgesamt für Wirecard eine gute Entscheidung war, weil es die Startbasis für das starke Asien-Geschäft Wirecards war.
Trotzdem denke ich, dass man die gesamten Begleitumstände dieser Akquisition als eher außergewöhnlich bezeichnen darf (ich zähle die Gründe nicht noch mal auf). Und mehr habe ich heute morgen auch nicht gemacht; nicht vergessen, die Diskussion startete mit dem Thema ob Wirecard Angriffsfläche bietet und ich habe meine Sichtweise dazu erläutert und GI Retail war einer von ca. einem Dutzend Punkten. Es ging mir nicht darum, diese Akquisition gezielt in Frage zu stellen. Mit dem Kauf des Citi Geschäfts hat WDI bewiesen, dass so etwas auch "normal" funktioniert.
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„Der Abschlussprüfer konnte den wirtschaftlich Berechtigten des Fund 1 nicht identifizieren. Durch die Hintergrundrecherchen von KPMG konnte der wirtschaftlich Berechtigte des Fund 1 ebenfalls nicht ermittelt werden. Somit ist der Vorwurf, dass Fund 1 ein Mittelsmann ist, nicht abschließend zu klären. Da die Kenntnis des wirtschaftlich Berechtigten von wesentlicher Bedeutung für die Frage ist, wer von dem Kaufpreis profitiert hat, sind darüber hinausgehende Untersuchungshandlungen zum jetzigen Zeitpunkt, solange die Identität nicht geklärt ist, nicht sinnvoll.“
„Ein ehemaliges Vorstandsmitglied hat KPMG mitgeteilt, dass im Rahmen der Legal Due Diligence die Frage nach dem wirtschaftlichen Berechtigten des Fund 1 nicht gestellt wurde.“
„(...) dass der Kaufpreis von dem Fund 1 an das Unternehmen 9 zum Zeitpunkt des Signing Dates nicht bekannt war“
Quelle: www.wirecard.com/uploads/Bericht_Sonderpruefung_KPMG.pdf