Der Geldregen der Visa-Europe-Transaktion war schon seit längerem absehbar: Im November 2015 hatte Visa angekündigt, sein vor Jahren abgespaltenes Europageschäft zurückkaufen zu wollen. Den Erlös teilten sich mehrere verkaufende Banken aus ganz Europa, darunter auch Wirecard. Bis zu 21,2 Milliarden Euro plante Visa insgesamt für den Zukauf ein, davon 16,5 Milliarden Euro in bar und in Aktien sowie bis zu 4,7 Milliarden Euro an zusätzlichen Earn-outs, abhängig vom Erreichen definierter Vertragsziele. Gemessen am Gesamtvolumen ist der Anteil Wirecards an der Milliardentransaktion damit noch recht bescheiden.
Mit dem Closing der Transaktion am 21. Juni dieses Jahres hat Wirecard nun Sicherheit über seinen erreichten Anteil: CFO Burkhard Ley verbucht einen Ertrag von 91,7 Millionen Euro. Ende 2015 war Wirecard auf Grundlage von Berechnungen durch Visa Europe noch von einem Gegenwert von insgesamt 80,4 Millionen Euro ohne Earn-Out-Komponenten ausgegangen.
Der nun verbuchte Erlös setzt sich aus mehreren Bestandteilen zusammen: Auf der einen Seite erhält Wirecard eine Barzahlung in Höhe von 71,8 Millionen Euro. Hinzu kommen Vorzugsaktien im Wert von 14 Millionen Euro (Nennwert 25,6 Millionen Euro), die das Unternehmen in „Class A Common Stock“ von Visa Inc. wandeln kann. Darüber hinaus gibt es eine nachträgliche Barzahlung über 5,7 Millionen Euro, die in drei Jahren fällig wird.
Die Anzahl der Vorzugsaktien kann sich dem Halbjahresbericht zufolge abhängig vom Eintreten bestimmter Faktoren noch verändern, welche Faktoren dies sind wurde nicht näher definiert. Zudem sind die Papiere noch mit einer Veräußerungssperre belegt. Wegen der fehlenden Handelbarkeit sind die Vorzugsaktien mit einem Abschlag auf die Visa A Shares versehen.
[...] Das Unternehmen war in der Vergangenheit auch wegen seiner Zukäufe in die Kritik geraten: Wirecard werde dadurch zu komplex, zudem seien die Bewertungen für die zugekauften Firmen hoch, monierten Kritiker. Umstritten war insbesondere der bislang größte Zukauf von Wirecard in Asien, die Übernahme der indischen Great Indian Retail Group für einen Kaufpreis von 230 Millionen Euro, der sich mit Earn-out-Zahlungen auf bis zu 340 Millionen Euro erhöhen kann. Das Management verteidigte den Deal mit den Wachstumsperspektiven in Indien.
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