Sorry, meine Ausführung ist etwas lang geraten, ich versuche hier einen „Rundumschlag“ zu diversen Themen, die heute angesprochen wurden:
@dlg
#90311 :„…Im Prinzip sagt Ihr immer, dass ein LV eine Mio Aktien schmeißt, dann eine Mio Aktien kauft und dabei immer einen risikolosen Profit erzielen kann. Mit der Begründung, dass die von gerissenen Stop Losses profitieren. Oder dass LVs anderen Marktteilnehmern Angst machen könnten...Für mich ist diese Theorie nicht plausibel und trägt zur Dämonisierung/Theorienbildung bei.“
Die menschliche Entscheidungsfindung nur auf die Logik/Ratio zu reduzieren ist m.E. zu kurz gesprungen. Hierzu gibt es für Interessierte genug Literatur über die linke und rechte Gehirnhälfte des Menschen ebenso zu Emotio vs. Ratio. Die daraus abgeleitete Schlussfolgerung, dass sich alles an der Börse mit Logik erklären lassen muss, ansonsten ist es Dämonisierung/Theorienbildung, greift m.E. ebenfalls zu kurz.
Erfolgreiches Marketing(z.B. Apple) macht sich primär Emotionen zu nutze, und nicht die Logik. Man könnte diesen Vorgang(Marketing, Verkauf) auch als Beeinflussung werten, bzw. als Manipulation, wenn es gegen die Interessen der Zielgruppe gerichtet ist.
Warum sollte es an der Börse nicht auch Marktteilnehmer geben, die sich die Emotionen(z.B. (Verlust)Angst, Gier, (Un)Sicherheit) einer Zielgruppe (z.B. Kleinanleger) aus Eigeninteresse zu nutze machen? Diese schüren bzw. verstärken? Ich denke die Shortseller agieren so.
Hierzu benötigen sie u.a. viel Kapital, eine geeignete Reichweite und ein gewisses Vertrauen der Zielgruppe in das Medium bzw. Versender der Nachricht. Hier gibt es m.E. ein „Alignment“ zwischen den „etablierten“ Medien und den Shortsellern. Beide verdienen mit (relevanten) negativen Nachrichten Geld.
Hierbei verteufele ich weder die Shortseller, diese sind Marktteilnehmer die ebenfalls Risiken eingehen, noch unterstelle ich eine aktive Absprache zwischen ihnen und den Medien. Diese bedarf es m.E. gar nicht, weil es beiden Seiten nützt d.h. symbiotisch ist.
Ich sage lediglich, dass ich persönlich überzeugt bin, dass eine Beeinflussung möglich ist, und diese auch stattfindet.
Man sollte sich dies bewusst machen, und ebenso den signifikanten Unterschied zwischen einem journalistischen Beitrag und der Kommunikation eines börsennotierten Unternehmens im Hinblick auf juristische Anforderungen und Konsequenzen.
Tesla vs. Wirecard:
Tesla: SI 18.22% of float (3.2.2020, Ihor/ S3)
Wirecard: SI 20.61% of float (3.2.2020, Ihor/S3)
Wie lässt es sich mit Logik erklären, dass die Corona Problematik an Tesla abperlt bzw. der Kurs sogar noch steigt, obwohl die Abhängigkeit von China höher ist als bei WDI.? China ist signifikanter Markt für eAutos, Batterien von Tesla kommen u.a. aus China, die Produktion in der neuen Fabrik (Shanghai) wurde unterbrochen und alle Tesla Niederlassungen wurden in China geschlossen…zudem ist die Aktie massiv überkauft und auf Jahressicht ist weiterhin mit Verlusten zu rechnen.
Für mich ist das irrational und damit emotional ;-).Und auf dieser emotionalen Ebene scheint Tesla sich offensichtlich ein „Bonus“ erarbeitet zu haben, während Wirecard m.E. weiterhin mit einem „Malus“ zu kämpfen hat.
Wenn man einen Vergleich auf dieser Ebene zwischen Musk und Braun ziehen möchte: Musk nutzt bewusst auch die emotionale Ebene für seine Botschaften während Braun primär auf der rationalen Ebene argumentiert. Dadurch (be)füllen andere die emotionale Ebene.
Vereinfacht gesagt lautet offensichtlich ein „Glaubenssatz“ zu Tesla mittlerweile:
„Musk/Tesla hat es mehrfach geschafft das zu liefern, was viele Experten für unmöglich hielten. Damit schaffen sie zukünftig auch alles andere was aus heutiger Sicht noch unmöglich erscheint.“
Auf Wirecard übertragen müsste dies bzgl. der Vorwürfe wie folgt lauten: „Wirecard hat in der Vergangenheit sämtliche Vorwürfe erfolgreich entkräftet, damit werden sie auch alle zukünftigen Vorwürfe erfolgreich entkräften.“
Ich wünschte mir, der Markt würde diese Schlussfolgerung ziehen, leider scheint sich m.E. emotional eher folgendes zu verfestigt:
„Jederzeit kann es bei einem negativen Bericht signifikant nach unten gehen und selbst wenn es mal wieder nach oben geht, hält der Trend nicht lange genug an, und deshalb sollte man lieber seine Gewinne schnell realisieren“.
Ich behaupte, dass diese Wahrnehmung im Interesse der Shortseller ist, und von diesen bewusst gefördert wird.
Dabei hilft der erste Teil: „es kann jederzeit nach unten gehen“ die Aktionäre dazu zu bewegen „knappe“ SL’s zu setzen, während der zweite Teil:„der Aufwärtstrend hält nicht an, schnell Gewinne realisieren“ eine gewisse Absicherung gegen einen drohenden „Short Squeeze“ ist.
Die Verantwortung Wirecard in dieser Hinsicht robuster gegen Short-Attacken aufzustellen, sehe ich bei Vorstand, Aufsichtsrat und IR. Hier gibt es noch einiges zu tun, dennoch bin ich überzeugt, dass dies gelingen wird. Deshalb bin ich selber long und halte 2.000 WDI Aktien.