Die Mitglieder der SPIEGEL-Redaktion sind höchsten jour nalistischen Standards verpflichtet. Sie berichten unabhängig von politischen, wirtschaftlichen, weltanschaulichen, religiösen und privaten Interessen sorgfältig und wahrhaftig. Die obersten Prinzipien für die Arbeit an den Texten müssen Aufrichtigkeit und Verständlichkeit sein. Alles andere, zum Beispiel Spannung oder Unterhaltsamkeit, ist ebenfalls wichtig, darf aber nicht zulasten von Aufrichtigkeit und Verständlichkeit gehen.Im Jahr 1949 haben sich die Redakteurinnen und Redakteure des SPIEGEL auf Grundregeln des Journalismus verpflichtet: das SPIEGEL-Statut. Es hat sich als stabiles Fundament bewährt, auf dem das Nachrichten-Magazin seinen Ruf als Qualitätsmedium gründen konnte. Feste Regelwerke beinhalten allerdings das Risiko, dass sie im Laufe der Zeit ihren Sinn verlieren, wenn ihr Geist nicht täglich gelebt wird.Der Fall Relotius hat gezeigt, dass die SPIEGEL-Redaktion dem, was das SPIEGEL-Statut postuliert, nicht gerecht geworden ist.Die Erarbeitung der SPIEGEL-Standards ist deshalb eine zeit gemäße Rück besinnung auf die Grundsätze, nach denen die SPIEGEL-Redaktion arbeitet. In einer Zeit, in der die Wahrhaftigkeit der Medien in Zweifel gezogen wird, ist das wichtig, um den Qualitäts journalismus zu verteidigen.