Hallo zusammen,
ich habe mich gerade durch die gut letzen 30 Seiten der Diskussion gelesen und bin erschrocken, wie die Wandelanleihe von Softbank hier zum Teil eingeordnet wird. Ein Kommentar, der mir besonders in Erinnerung geblieben ist war der eines Foristen, der die absolut seltsame These aufstellte, dass die entsprechenden Wandlungsschwellen von 130 und insbesondere 230 Softbank dazu anreizen würde, keine Kurse über EUR 230 zu erreichen (so eine Aussage grenzt ja an Marktmanipulation).
Was ist eine Wandelanleihe? Im Prinzip eine Mischform aus Eigen+Fremdkapital, da beide Merkmale zum Teil erfüllt sind. Auf der einen Seite zahlt man einen Kupon (der jedoch im Vergleich zu einer plain-vanille Anleihe niedriger ist, da das Wandlungsrecht einen intrinsichen Wert besitzt und die Differenz aus Anleihen-Kupon und Wandlungsanleihen-Kupon darstellt). Der Kupon ist somit das klassische Fremdkapital Element mit Rückkauf der Anleihe zum Nennwert.
Das Wandlungsrecht stellt eigentlich (vereinfacht gesagt) eine European-Call Option (ausführbar nur zu einem festen Zeitpunkt) dar. Hier im Falle von WDI/Softbank die Option, das Softbank in 2024/25 einen Teil der Anleihe in neue Aktien (die bestehende Aktionäre verwässert) wandeln / "Callen" kann. Der Preis steht bei EUR 130 und EUR 230. Somit wird Softbank natürlich nur wandeln, wenn der Wert der WDI Aktie bei einem Preis darüber steht. Steht die Aktie z.B. bei EUR 250, würde Softbank einen direkten Gewinn i.H. der Differenz von EUR 20 pro Aktie einfahren. Warum sollte somit ein Interesse vorhanden sein, Kurse über 230 zu verhindern (=> blödsinnig).
Das heißt je höher der Kurs, desto höher der Direkte Gewinn für Softbank zum Wandlungszeitpunkt => Interessen beider Partner sind aligned.
So, nun die Frage: Warum begebe ich das ganze überhaupt? Klingt ja nach win-loose für Softbank, da ja auf der einen Seite die Absicherung (ich muss nicht wandeln, kassiere den vollen Kupon und lasse mir das Ding zurück zahlen) besteht, ich durch das Wandlungsrecht zu einem festen Preis am Upside beteiligt werden kann.
Hier sind allerdings zwei Komponenten Wichtig: Eine reine Anleihe begünstigt keine Kooperation, da der Anleihe-Inhaber nicht am Upside des Unternehmens partizipieren kann. Auf der anderen Seite, gebe ich als inhaber einer Wandelanleihe auch Potential auf: WDI hätte auch jetzt mit Softbank eine Kapitalerhöhung zum (nur als Beispiel) aktuellen Durchschnittskurs von c. 150 machen können. Alerdings verzichtet Softbank hier (als Teil der Wandelanleihe) bewusst auf einen Teil des potenziellen Upside, nämlich die Differenz von 150 und dem Call Preis von 230 => somit partizipiert man mit diesem Teil der Anleihe nicht an den ersten 50% Kurssteigerung.
Die Entscheidung (meine persönliche Meinung und Interpretation unabhängig der veröffentlichen Statements von Management und co) diese Art der Finanzierung zu wählen ist mMn auch zum Teil den Short-Attacken und der doch nicht zu 100% lückenlos geklärten Vorwürfe zurückzuführen. Man möchte sich von Seiten Softbanks schlichtweg nach unten absichern (acuh weil man ja nicht weiß, inwiefern in Zukunft solche Attacken auch mal berechtigt sein könnten). Gleichzeitig verzichtet man für diese Absicherung auch auf einen kleinen Teil des Upside Potential. Daher sehe ich in der Art und Weise lediglich eine Nachvollziehbare Form der Risikominimierung für Softbank, was uns am Ende des Tages auch einen guten Batzen an Geld spart, da man entsprechende Call Optionen hat anstatt den Betrag bereits jetzt als Eigenkapital einzubringen.
Keine Handlungsempfehlung, halte selbst auch eine kleine Position in WDI.
LG,
Zutu