Außenpoltik:
Je länger sich der Handelskrieg zwischen den Vereinigten Staaten gegen China hinzieht, desto mehr verlieren die Amerikaner den Einfluss auf den asiatischen Markt. Das liegt vor allem daran, dass die Außenpolitik der aktuellen Regierung auf mehreren Gleisen fährt. Sie versuchen den Frieden zwischen Südkorea und Nordkorea zu vermitteln und andererseits China mit den Japan/USA-Handelsabkommen zu schwächen. Jedoch scheinen die Amerikaner in dieser Hinsicht den Japan/Korea Konflikt falsch eingeschätzt zu haben.
Die Kolonialherrschaft Japans in Korea ist für viele Nord- und Südkoreaner ein tief sitzender Schmerz und der Konflikt zwischen Japan und Südkorea scheint mit der Kündigung des Geheimdienstabkommen und der gegenseitigen Streichung als bevorzugte Handelspartner sich immer weiter zu verschärfen. Obwohl die Nordkoreaner eine bessere Beziehung zu China haben, darf man die gemeinsame Abneigung Südkoreas und Chinas gegenüber der ehemaligen Kolonialherrschaft Japan nicht missachten. Dadurch das die Vereinigten Staaten in diesen Fall nicht als Vermittler auftreten möchten, um keines der beiden Nationen zu verärgern, haben sie nach meiner Einschätzung ein schwächeres Standing allein in Asien, vor allem wenn sie den nächsten Schritt im Handelskrieg überschreiten möchten.
Zudem ist es fraglich, ob die "unabhängige" Feds den Leitzins nochmal drücken möchten, um den vorsätzlich herbeigeführten Handelskrieg zu unterstützen, sodass Mr. Trump im nächsten Jahr eine höhere Wahrscheinlichkeit bekommt, die Wahl zu gewinnen. Wenn der Leitzins nicht gesenkt werden sollte, könnte dies vielleicht sogar dazu führen, dass die Wirtschaft in den Vereinigten Staaten sich langfristig positiv stabilisiert. Eine kleine Anpassung wird jedoch nach meiner Einschätzung vermutlich kommen, aber nie in dem Maße, wie der Präsident es vermutlich haben möchte.
Trotz den Protesten in Hong Kong ist es für China schon alleine aufgrund des politischen Systems einfacher die Währungspolitik durchzusetzen und den Handelskrieg auszusitzen.
Weiterhin sieht es in Europa auch so aus, als wären die meisten Staaten (sogar Mr. Johnson) und auch viele amerikanische Unternehmen (Lobby) gegen einen erweiterten Handelskrieg gegen China, weil es die Wirtschaft und den politischen Einfluss auf einzelner Sektoren belastet.
Zu Wirecard:
Der Kurs ist nach meiner Auffassung im Moment noch im Toleranzbereich (130-150 Euro).
Obwohl es viele neue Partnerschaften gibt, spiegelt sich diese natürlich noch nicht in der Bilanz bzw. im Aktienkurs wider. Das liegt daran, dass Wirecard ein umstrittenes Unternehmen ist und in den letzten Jahren nicht das Vorzeigeunternehmen war, welches mit genügend Transparenz geglänzt hat, was man auch in der HV mehrfach angemerkt hat. Obwohl EY die Vorwürfe der FT überprüft und der Vorfall sich nicht als so groß herausgestellt hat, bin ich, wie bestimmt auch viele andere Anleger auch noch weiterhin skeptisch.
Man sollte bei der Bewertung der Vorkommnisse auf jeden Fall zwischen Insiderhandel und schlechter Bilanzierung unterscheiden können. Auch wenn das BaFin wegen Insiderhandel ermittelt, hat Herr Dr. Braun auch bestätigt, dass seitens des Unternehmens in der Bilanzierung Fehler gab. Zwar sind diese nicht signifikant genug, aber Fehler sind halt Fehler und bei einem so starken aufstrebenden Unternehmen entsteht selbstverständlich ein Imageschaden, was sich dann im Aktienkurs widerspiegelt.
Positive Nachrichten wie die aus Indien oder weitere Partnerschaften helfen zwar kurzfristig den Kurs zu steigern, aber wie wir alle gesehen haben, fehlt die Konstanz aufgrund des o.g. Imageschadens.
Der Vertrauensverlust kostet Zeit und Geld und es gibt keine allgemeine Formel, wann sich diese erholen wird.
LV und Shortseller können zwar kurzfristig den Kurs drücken, aber sobald das Vertrauen in das Unternehmen wieder hergestellt ist, wird es auch für sie in diesem Geschäft schwierig ohne ein erhebliches Risiko einzugehen.
Die Frage, ob sich die Aktie für einen lohnt, muss jeder für sich selbst wissen. Wenn es so einfach und schnell wäre Geld zu verdienen, dann würde es sicherlich jeder machen.
Bis zu den nächsten Quartalszahlen werden wir hoffentlich mehr wissen, ob
1. der Handelskrieg in Asien/Amerika verschärft hat,
2. die Briten mit oder ohne Abkommen aus der EU gegangen sind (oder sie es noch weiter hinauszögern),
3. und wie stark der amerikanische Leitzins gesenkt wurde,
4. eine abschließende Stellungnahme von FT kam,
(Die Untersuchung der "unabhängigen" Kanzlei sollte ja in einigen Wochen, Stand. ca. 31.07.19 beendet sein)
5. der Deal mit Softbank (neben der Unterzeichnung) zu weiteren "größeren" Partnerschaften geführt hat und ob
6. sich unsere Geduld in der nächsten Zeit ausbezahlt gemacht hat oder man noch mind. 2-3 Quartale warten muss.
Ich setze auf jeden Fall weiter auf Wirecard, weil ich genügend Vertrauen in das Unternehmen habe sehe.
Auf jeden Fall möchte ich mich als stiller Leser für die vielen kritischen Beiträge bedanken, da sie mir einen realistischen Einblick auf die weitere Entwicklung gegeben hat.