mache ich mal weiter...
Diese Sache mit der angeblich von Braun bestimmten "Auffüllung" des Geschäfts sei derzeit der Schlüsseldiskurs in Stadelheim...
Deshalb bin ich da so penetrant...
Die Flüsterpost ging von der FT zu Bellenhaus, dann sagten Zeugen entsprechend aus, später im Gericht aber nicht mehr, möglicherweise auch deshalb nicht, weil sie inzwischen bemerkt haben, dass ihr ursprünglicher Impuls, sich mit möglichst passenden Aussagen selbst aus der Verantwortung zu stehlen (oder "gegen die eigenen Schuldgefühle zu sprechen/schreiben", wie es Leogrande formulierte), sich nicht mehr halten ließ, seit die Verteidigung konterte...
Deshalb zu Bellenhaus
Die Verteidigung stellte die Darstellung des Kronzeugen Oliver Bellenhaus grundsätzlich infrage und argumentierte, seine Beschreibung des angeblichen Mechanismus der Umsatzfälschung sei sachlich falsch. Im Zentrum der Kritik steht insbesondere seine Behauptung, bei Wirecard habe es quartalsweise Zielvorgaben gegeben, die vom Vorstand – insbesondere Markus Braun – ausgegeben worden seien und deren Differenz zu den tatsächlichen Ergebnissen anschließend durch zusätzliche Umsätze aus dem Drittpartnergeschäft aufgefüllt worden sei.
Nach Auffassung der Verteidigung sei dieses Modell durch Dokumente aus dem Unternehmen widerlegt. Demnach habe es keine quartalsweisen Umsatzvorgaben dieser Art gegeben, sondern lediglich eine jährliche Prognose auf Basis eines konzernweiten Budgetprozesses, der im Vorjahr begann und vom Controlling organisiert wurde. Diese Jahresplanung sei von Vorstand und Aufsichtsrat beschlossen worden und habe sich auf das erwartete EBITDA bezogen. Anpassungen der Prognose seien erst im Laufe des Jahres anhand der tatsächlich erzielten Ergebnisse erfolgt.
Die Verteidigung führte zudem an, dass E-Mail-Unterlagen aus den Jahren 2018 und 2019 belegten, dass Bellenhaus selbst aktiv an der Budget- und Quartalsplanung des Drittpartnergeschäfts beteiligt gewesen sei. In diesen Nachrichten habe er Entwürfe für Budget- und Quartalsplanungen an das Controlling und andere Führungskräfte geschickt sowie Änderungen und Prognosen diskutiert. Daraus folge nach Ansicht der Verteidigung, dass seine Aussage, er habe keine Planungszahlen geliefert und lediglich nachträglich vorgegebene Differenzen ausgleichen sollen, nicht zutreffe. Vielmehr hätten er und andere Verantwortliche selbst detaillierte Planungen für das TPA-Geschäft erstellt und in den regulären Budgetprozess eingebracht.
Aus Sicht der Verteidigung sei damit die zentrale Behauptung des Zeugen über den angeblichen Modus operandi der Fälschungen widerlegt. Die vorgelegten Unterlagen sollten zeigen, dass die von Bellenhaus beschriebene Praxis eines nachträglichen Auffüllens von Differenzen zu vorgegebenen Quartalszielen nicht dem tatsächlichen Ablauf im Unternehmen entsprochen habe.