Goldgräberstimmung in der deutschen Filmbranche
Seit der Premiere des auch in 3D produzierten Films „Avatar“ in den
Kinos herrscht in der gesamten Filmindustrie eine neue Aufbruchstim-
mung. Die bereits seit Anfang der 50er Jahre des letzten Jahrhunderts
verwendete 3D-Technik vermittelt dem Zuschauer durch die Generie-
rung räumlicher Tiefe das Gefühl, sich mitten im Geschehen des Films
zu befinden. Vor allem in Kombination mit gemischten Real- und Com-
putergrafik-Effekten erscheinen 3D gedrehte Filme einen echten Mehr-
wert für den Konsumenten darzustellen. Dies lässt sich zumindest aus
den weltweit gestiegenen Umsätzen der Kinobranche im zurücklie-
genden Jahr 2009 schließen. Auch die deutschen Kinos verzeichne-
ten einen Anstieg um 13,1% auf 146,3 Mio. Kinogänger im Jahr
2009, was zu einem Umsatzsprung um 22,8% auf ca. 976,1 Mio.
Euro führte. Diese für die Branche erfreulichen Zahlen gehen zu
einem großen Teil auf die neue 3D Technik und ein immer breiteres
Angebot an Filmen zurück. Vor allem einheimische Produktionen
scheinen dabei immer mehr an Beliebtheit zu gewinnen und erzielten
laut Filmförderungsanstalt (FFA) in 2009 einen Rekordwert beim
Marktanteil in Deutschland von 27,4%.
In der Öffentlichkeit jedoch rückt vor allem die 3D Technik in den
Fokus und mit ihr zumeist die großen international tätigen Unterneh-
men wie DreamWorks Animation, dem Produzenten der Kino-Hits
Shrek und Transformers, Walt Disney (Fluch der Karibik) oder der Be-
treiber von ca. 400 Multiplex-Kinos Imax. Dabei gibt es auch in
Deutschland einige Unternehmen, welche sich zu den Gewinnern des
3D Trends und der gestiegenen Zuschauerzahlen in den Kinos zählen
dürfen.
Cinemaxx AG – Rosige Aussichten nach gelungener Sanierung
Ganz vorne dabei stehen die Betreiber von Kinos in Deutschland.
Einer der Platzhirsche in dieser Branche in Deutschland ist die vom
österreichischen Medienmogul Dr. Kloiber kontrollierte Kinokette Ci-
nemaxx AG (ISIN:
DE0005085708). Die Gesellschaft betreibt in
Deutschland und Dänemark 31 Filmtheater, wobei die überwiegende
Anzahl darunter so genannte Mutliplex-Kinos sind. Der Vorteil der Ci-
nemaxx AG liegt dabei darin, dass die Kette bereits früh die Investi-
tionen in die 3D Technik gewagt hatte, und Ende 2009 bereits 62
Kinosäle auf diese Technik umgerüstet waren. Aufgrund des Booms
rund um mit dieser Technik produzierte Filme erscheint die Gesell-
schaft hier genau die richtige Entscheidung getroffen zu haben.
Dabei profitiert die Gesellschaft nicht nur aufgrund der gestiegenen
Zuschauerzahlen, welche im ersten Halbjahr 2009 trotz der Abgabe
von neun Filmtheatern gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 1,0%
gesteigert werden konnte, sondern auch von den Mehrerlösen, wel-
che durch die Preisaufschläge bei 3D Filme fälligen werden. Kostet
zum Beispiel ein Kinoticket für die 2D Vortsellung von Avatar im
Schnitt ca. 10 Euro, so werden für die 3D Version schon ca. 13 Euro
fällig. Die Mehrkosten für 3D Filme (Höhere Leihgebühren, 3D Brille,
etc.) werden von Brancheninsidern auf ca.1,50 Euro geschätzt,
womit netto ca. die Hälfte des Mehrerlöses bei Cinemaxx hängen
bleiben sollte. Dieser Betrag fließt nun überproportional in den Ge-
winn der Gesellschaft ein, da die relevanten Kosten von Kinobetrei-
bern wie Miete für die Gebäude und Personal relativ fix sind und
somit nicht mit dem Umsatz ansteigen. Diese Skalierbarkeit des Ge-
schäftsmodells wurde zum Beispiel bei den Zahlen des Wettbewer-
bers Kinepolis (ISIN: BE0003722361) für das Geschäftsjahr 2009
deutlich: Während der Umsatz nur um 6,6% gegenüber dem Vorjahr
anstieg, so stieg der Gewinn im gleichen Zeitraum um 34% an.
Bei der Cinemaxx AG kommt ferner hinzu, dass sich die Gesellschaft
nach einer zweijährigen Phase der Restrukturierung, in der viele Film-
theater, welche nicht die gewünschte Profitabilität aufgewiesen
haben, abgegeben wurden, gerade wieder in die Gewinnzone vor-
gearbeitet hat. So wurde im ersten Halbjahr 2009 bei einem Umsatz
on 85,8 Mio. Euro ein Periodenüberschuss von 0,2 Mio. Euro er-
zielt. Dieser wäre jedoch bei 1 Mio. Euro gelegen, hätte man nicht
noch für einen Vergleich über eine Rechtsstreitigkeit mit der Ufa
800.000 Euro aufwenden müssen. Aufgrund der positiven Entwick-
lung im gesamten Kinomarkt rechnen wir für die Cinemaxx AG mit
einem klar positiven Jahresergebnis für 2009. Und der positive Trend
dürfte sich auch im laufenden Geschäftsjahr 2010 fortsetzen. Den
von Cinemaxx veröffentlichten Zahlen zu den Besuchern der TOP 5
Filmen zufolge stiegen die Besucherzahlen in den ersten acht Wochen
in dieser Kategorie um 9,96% auf 1,61 Mio. gegenüber dem Vor-
jahreszeitraum. Aufgrund des hohen Anteils an Besuchern in Höhe
von 44%, welche einen 3D Film angeschaut haben, dürfte der Um-
satz bisher um ca. 15-20% über dem Umsatz des Vorjahres liegen.
Dies sollte dann aufgrund der Skalierbarkeit des Geschäftsmodells
auch zu einem signifikanten Gewinnschub im laufenden Jahr führen.
An ein solch positives Szenario glaubt wohl auch Dr. Kloiber, über
die Dr. Kloiber Vermögensverwaltungsgesellschaft mbH & Co. Betei-
ligungs KG regelmäßig Aktien der Gesellschaft erwirbt und nun
schon in Besitz von ca. 70% der Gesellschaftsanteile ist. Auch das
Kinoprogramm in 2010 und der hohe 3D Anteil spricht für ein wei-
tere positive Entwicklung bei der Cinemaxx AG. Die Anleger sehen
dies ähnlich und haben den Kurs in der Spitze bereits auf über 3,50
Euro getrieben. Nach einer Konsolidierung steht dieser nun wieder
bei 3,00 Euro, womit das Unternehmen mit einem Börsenwert von
ca. 68 Mio. Euro nicht mehr ganz billig erscheint.