FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Deutsche Bank ist 2008 wegen der Finanzkrise erstmals
in ihrer Nachkriegsgeschichte in einem Gesamtjahr in die roten Zahlen
abgestürzt. Nach vorläufigen Daten geht der DAX-Konzern von 3,9 Milliarden Euro
Verlust aus. Allein im von der Krise besonders gebeutelten Schlussquartal seien
unter dem Strich 4,8 Milliarden Euro Miese entstanden, teilte die größte
deutsche Bank am Mittwoch in Frankfurt mit.
'Das extrem schwierige Marktumfeld hat einige Schwächen in der Bank aufgezeigt',
räumte Vorstandschef Josef Ackermann laut Mitteilung ein. 'Wir sind über das
Ergebnis im vierten Quartal, das zu einem Verlust im Gesamtjahr geführt hat,
sehr enttäuscht.' Die Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers Mitte
September hatte die Lage an den Märkten nochmals zugespitzt. Kurz zuvor hatte
sich Ackermann optimistisch gezeigt, dass der Anfang vom Ende der seit Sommer
2007 tobenden Krise gekommen sei.
AKTIE WIRD ABGESTRAFT
Der Markt reagierte entsetzt, die Aktien der Deutschen Bank wurden abgestraft.
Zuletzt lagen sie mit einem Minus von knapp zehn Prozent auf 21,90 Euro am
DAX-Ende. 'Die Eckdaten sind eine herbe Enttäuschung, der Fehlbetrag ist
deutlich höher ausgefallen als erwartet', sagte Analyst Sebastian Reuter vom
Bankhaus Hauck & Aufhäuser. Auch Händler zeigten sich enttäuscht. 'Kein Wunder,
dass sie ihren Postbank-Deal runderneuern mussten. Die schlimmsten Gerüchte der
vergangenen Woche haben sich bewahrheitet', sagte ein Börsianer.
Ein weiterer Marktteilnehmer sagte: 'Es ist unglaublich, wie lange hier gute
Miene zum bösen Spiel gemacht wurde. Das Vertrauen dürfte nun gänzlich weg sein.
Am Markt hat ja eigentlich schon jeder mit schlechten Zahlen gerechnet, aber
zuvor immer wieder die Gemüter zu kühlen, grenzt fast an Frechheit.' Ackermann
erklärte, die Bank habe eine Reihe von Maßnahmen beschlossen, um die
eingeräumten Schwächen zu beheben. 'Die Umsetzung dieser Maßnahmen ist bereits
im Gange', sagte er. Risikopositionen bei Krediten und Kreditzusagen wurden von
11,9 Milliarden Euro zum Ende des dritten Quartals auf unter 1 Milliarde Euro
zum Jahresende 2008 verringert.
NEUE BEDINGUNGEN ZU POSTBANK-KAUF
Zudem hatte die Deutsche Bank, die jahrelang ihre Haupterträge im
schwankungsanfälligen Investmentbanking machte, zuletzt wiederholt verdeutlicht,
sie wolle ihre Geschäft mit Privat- und Firmenkunden ausbauen. Dazu beitragen
soll auch die Beteiligung an der Postbank. Noch am Mittwoch wird mit einer
Entscheidung über neue Bedingungen für das Übernahmepaket gerechnet: Erwartet
wird laut Kreisen, dass die Deutsche Post vorübergehend bei der Deutschen Bank
einsteigt und so den Verkauf ihrer Tochter Postbank absichert.
Im Jahr 2007 hatte die Deutsche Bank trotz erster Auswirkungen der Krise an den
internationalen Finanzmärkten noch den Rekordüberschuss von 6,5 Milliarden Euro
erzielt. In einem Brief an die Mitarbeiter hatte sich Ackermann im vergangenen
November zuversichtlich gezeigt, das Institut habe das Potenzial, 'langfristig
die Rekordergebnisse des Jahres 2007 wieder zu erreichen und auch zu
übertreffen'. Am Mittwoch betonte der Konzernchef, die Kapitalstärke ermögliche
es, den 'extrem schwierigen Marktbedingungen Stand zu halten und die notwendigen
Schritte zum Risikoabbau zu ergreifen'. Zum Jahresende 2008 betrug die
Kernkapitalquote den Angaben zufolge zehn Prozent. Dies entspricht der Zielgröße
der Bank und ist im Vergleich zu Mitbewerbern noch relativ gut.
ABSCHLAG BEI DER DIVIDENDE
Für die Dividende habe das Institut 50 Cent je Aktie zurückgelegt. Sollte dies
am Ende die Höhe der Ausschüttung sein, würde das für die Aktionäre einen
deutlichen Abschlag bedeuten: Für 2007 hatten sie noch 4,50 Euro je Aktie
erhalten. Endgültige Zahlen für das vierte Quartal und das Gesamtjahr 2008 will
die Deutsche Bank wie geplant am 5. Februar veröffentlichen.
Zum Jahresauftakt 2008 war der deutsche Branchenprimus erstmals seit fünf Jahren
in die Verlustzone gerutscht. Im dritten Quartal 2008 bewahrten die Entschärfung
der Bilanzregeln für kriselnde Wertpapiere sowie Sondereffekte wie eine
Steuergutschrift die Deutsche Bank vor einem erneuten Absturz in die roten
Zahlen. Von Juli bis Ende September blieben dem Konzern 845 Millionen Euro an
Wertberichtigungen erspart, weil die EU-Kommission es den Banken erlaubte,
bestimmte Wertpapiere, für die es wegen der Krise derzeit keinen Markt gibt,
nicht mehr zu aktuellen Marktpreisen zu bewerten. Am Mittwoch rechnete die
Deutsche Bank vor, hätte die Bank ihre verbrieften Verbindlichkeiten zum
aktuellen Marktwert bilanziert, wären im Gesamtjahr 2008 zusätzliche Gewinne vor
Steuern von mehr als 5,5 Milliarden Euro angefallen./sb/jb
http://news.onvista.de/...E_RANGE=today&NEWS_LANG=de&ID_NEWS=94355294 Vor dem 04.04. zittert die Landeshauptstadt!