Zur Info, aus der heutigen Börsenzeitung:
Leicht kann man die Sensation im 57 Textseiten starken EZB-Monatsbericht März übersehen. Sie findet sich "versteckt" im gewöhnlich langweiligen, weil vornehmlich bekannte Daten beschreibenden ersten Kapitel "Wirtschaftliche Entwicklungen im Euro-Währungsgebiet" unter der episch langen Zwischenzeile: "Von der ersten Säule ausgehende Risiken für die Preisstabilität sind inzwischen ausgewogener". Da präsentiert die junge Zentralbank erstmals Resultate ihrer internen, differenzierten Analyse der Geldmengenentwicklung seit Beginn der Währungsunion - ganz bescheiden ohne viel Aufhebens.
Bislang hatte sie sich darauf beschränkt, der Öffentlichkeit schlicht den Abstand zwischen dem Geldmengenzuwachs und dem von ihr vorgegebenen Referenzwert von 4,5 % mitzuteilen und zugleich als Indiz für zu- oder abnehmende Inflationsrisiken zu werten. Die Abweichung der Geldmenge M 3 von diesem Wert zu beobachten ist der Kern der Säule eins ihres geldpolitischen Analysekonzepts. In Säule zwei versucht sie, mithilfe einer Vielzahl anderer Wirtschaftsindikatoren zu einer allgemeinen Inflationsbeurteilung zu gelangen.
Preislücke gelüftet
Obwohl die Euro-Bank der Säule eins wegen der vorausschauenden Qualität von M 3 als Inflationsindikator herausragende Bedeutung zugewiesen hat, gewährte sie der Öffentlichkeit bisher wenig Einblicke in ihre umfassenden internen Analysen der Geldmengenentwicklung. Im dunklen blieb so, wie stark das Wachstum der Geldmenge M 3 durch Sonderfaktoren und Basiseffekte über- bzw. unterzeichnet ist.
Für Außenstehende war dies ein Ärgernis, da man die Risikobewertung der EZB allenfalls als plausibel hinnehmen, nicht jedoch halbwegs nachvollziehen konnte. Das weckte bei Kritikern der Notenbank Zweifel an der Indikatorqualität von M 3 im neu geschaffenen Währungsraum. Das Geldmengenaggregat M3, das EZB-Chefvolkswirt Otmar Issing früher einmal als "Biest" wegen zeitweiliger Unberechenbarkeit bezeichnet hatte, wurde mitunter schon für tot oder zum "ungeliebten Kind" der EBZ erklärt.
Doch nun hat die EZB endlich den Vorhang geöffnet und Licht ins Dunkel gelassen. Sie bezifferte erstmals, worauf manche Experten seit längerem gewartet haben, die so genannte Preislücke, die sich seit Beginn der Währungsunion bis heute entwickelt hat, mit etwa 2 %. Diese Preislücke ist im Hinblick auf die Erklärung der künftigen Inflation viel aussagekräftiger als der jeweilige aktuelle M 3-Abstand vom Referenzwert. Sie zeigt die Liquidität in der Wirtschaft an, die sich in der Vergangenheit aufgebaut hat und die noch nicht durch Preissteigerungen oder durch Wachstum aufgezehrt ist. Sie signalisiert der Zentralbank dasjenige Geldangebot, das künftig das Preisniveau steigen lassen wird.
Somit deutet die von der EZB jetzt "enthüllte" Preislücke von 2 % eigentlich auf Inflationsgefahren hin und eröffnet nicht gerade Spielraum für die von vielen Marktteilnehmern zurzeit gewünschte Zinssenkung. Doch die EZB-Experten im Eurotower haben zugleich überzeugend nachgewiesen, dass einige Sonderfaktoren das Wachstum von M 3 seit Anfang 1999 überzeichnet haben. Deshalb signalisiert die Preislücke kaum Inflationsrisiken, zumal sich das M 3-Wachstum in den nächsten Monaten weiter verlangsamen dürfte.
Die Aussagekraft der Preislücke ist sicherlich wegen der Verzerrungen derzeit eingeschränkt. Deshalb muss man im Grunde die Sonderfaktoren herausrechnen, also die Lücke von ihrer Verzerrungen befreien. Doch so weit ist die EZB bei ihrer Enthüllung noch nicht gegangen. Im Dezember-Monatsbericht hatte sie erstmals, wenn auch nur in drei Sätzen vorsichtig erkennen lassen, dass sie tiefere Einblicke in ihre Geldmengenanalyse zu gewähren bereit sein könnte. Jetzt, drei Monate später, hat sie es immerhin schon auf vier längere Absätze mit wichtigen neuen Informationen gebracht. Man darf also hoffen, dass die EZB auf diesem Weg voranschreitet und alle drei Monate stets mehr preisgibt - auf dass Märkte und Medien noch besser das Biest M 3 und die EZB-Geldpolitik verstehen lernen.
Mutiger Transparenzschritt
Eine Zentralbank muss häufig genug Kritik einstecken, weil sie die Zinsen entweder gar nicht, zu früh oder zu spät ändert, weil sie ein angeblich falsches Konzept beherzigt oder selbiges missachtet. Der EZB aber gebührt jetzt viel Lob dafür, dass sie ungeachtet der komplizierten M3-Materie einen mutigen Schritt zu mehr Transparenz unternommen hat. Bravo und Weiter so.
Leicht kann man die Sensation im 57 Textseiten starken EZB-Monatsbericht März übersehen. Sie findet sich "versteckt" im gewöhnlich langweiligen, weil vornehmlich bekannte Daten beschreibenden ersten Kapitel "Wirtschaftliche Entwicklungen im Euro-Währungsgebiet" unter der episch langen Zwischenzeile: "Von der ersten Säule ausgehende Risiken für die Preisstabilität sind inzwischen ausgewogener". Da präsentiert die junge Zentralbank erstmals Resultate ihrer internen, differenzierten Analyse der Geldmengenentwicklung seit Beginn der Währungsunion - ganz bescheiden ohne viel Aufhebens.
Bislang hatte sie sich darauf beschränkt, der Öffentlichkeit schlicht den Abstand zwischen dem Geldmengenzuwachs und dem von ihr vorgegebenen Referenzwert von 4,5 % mitzuteilen und zugleich als Indiz für zu- oder abnehmende Inflationsrisiken zu werten. Die Abweichung der Geldmenge M 3 von diesem Wert zu beobachten ist der Kern der Säule eins ihres geldpolitischen Analysekonzepts. In Säule zwei versucht sie, mithilfe einer Vielzahl anderer Wirtschaftsindikatoren zu einer allgemeinen Inflationsbeurteilung zu gelangen.
Preislücke gelüftet
Obwohl die Euro-Bank der Säule eins wegen der vorausschauenden Qualität von M 3 als Inflationsindikator herausragende Bedeutung zugewiesen hat, gewährte sie der Öffentlichkeit bisher wenig Einblicke in ihre umfassenden internen Analysen der Geldmengenentwicklung. Im dunklen blieb so, wie stark das Wachstum der Geldmenge M 3 durch Sonderfaktoren und Basiseffekte über- bzw. unterzeichnet ist.
Für Außenstehende war dies ein Ärgernis, da man die Risikobewertung der EZB allenfalls als plausibel hinnehmen, nicht jedoch halbwegs nachvollziehen konnte. Das weckte bei Kritikern der Notenbank Zweifel an der Indikatorqualität von M 3 im neu geschaffenen Währungsraum. Das Geldmengenaggregat M3, das EZB-Chefvolkswirt Otmar Issing früher einmal als "Biest" wegen zeitweiliger Unberechenbarkeit bezeichnet hatte, wurde mitunter schon für tot oder zum "ungeliebten Kind" der EBZ erklärt.
Doch nun hat die EZB endlich den Vorhang geöffnet und Licht ins Dunkel gelassen. Sie bezifferte erstmals, worauf manche Experten seit längerem gewartet haben, die so genannte Preislücke, die sich seit Beginn der Währungsunion bis heute entwickelt hat, mit etwa 2 %. Diese Preislücke ist im Hinblick auf die Erklärung der künftigen Inflation viel aussagekräftiger als der jeweilige aktuelle M 3-Abstand vom Referenzwert. Sie zeigt die Liquidität in der Wirtschaft an, die sich in der Vergangenheit aufgebaut hat und die noch nicht durch Preissteigerungen oder durch Wachstum aufgezehrt ist. Sie signalisiert der Zentralbank dasjenige Geldangebot, das künftig das Preisniveau steigen lassen wird.
Somit deutet die von der EZB jetzt "enthüllte" Preislücke von 2 % eigentlich auf Inflationsgefahren hin und eröffnet nicht gerade Spielraum für die von vielen Marktteilnehmern zurzeit gewünschte Zinssenkung. Doch die EZB-Experten im Eurotower haben zugleich überzeugend nachgewiesen, dass einige Sonderfaktoren das Wachstum von M 3 seit Anfang 1999 überzeichnet haben. Deshalb signalisiert die Preislücke kaum Inflationsrisiken, zumal sich das M 3-Wachstum in den nächsten Monaten weiter verlangsamen dürfte.
Die Aussagekraft der Preislücke ist sicherlich wegen der Verzerrungen derzeit eingeschränkt. Deshalb muss man im Grunde die Sonderfaktoren herausrechnen, also die Lücke von ihrer Verzerrungen befreien. Doch so weit ist die EZB bei ihrer Enthüllung noch nicht gegangen. Im Dezember-Monatsbericht hatte sie erstmals, wenn auch nur in drei Sätzen vorsichtig erkennen lassen, dass sie tiefere Einblicke in ihre Geldmengenanalyse zu gewähren bereit sein könnte. Jetzt, drei Monate später, hat sie es immerhin schon auf vier längere Absätze mit wichtigen neuen Informationen gebracht. Man darf also hoffen, dass die EZB auf diesem Weg voranschreitet und alle drei Monate stets mehr preisgibt - auf dass Märkte und Medien noch besser das Biest M 3 und die EZB-Geldpolitik verstehen lernen.
Mutiger Transparenzschritt
Eine Zentralbank muss häufig genug Kritik einstecken, weil sie die Zinsen entweder gar nicht, zu früh oder zu spät ändert, weil sie ein angeblich falsches Konzept beherzigt oder selbiges missachtet. Der EZB aber gebührt jetzt viel Lob dafür, dass sie ungeachtet der komplizierten M3-Materie einen mutigen Schritt zu mehr Transparenz unternommen hat. Bravo und Weiter so.