Der Preis eines Anlageguts ist für gewöhnlich das Kriterium an dem festgemacht wird, ob eine Blase vorliegt oder nicht. Mit Blick auf die stark gestiegenen Edelmetallpreise der vergangenen acht bis zwölf Wochen fühlen sich deshalb viele berechtigt zu warnen. Besonders extrem mutet im Moment der Silberchart an. Der Kursverlauf erinnert hier eher an eine Mondrakete als an eine gesunde Entwicklung.
Die Situation als kurzfristig überhitzt zu bezeichnen ist deshalb vollkommen berechtigt und auch viele überzeugte Goldbugs wünschen sich deshalb eine gesunde Korrektur. Der Unterschied in den verschiedenen Sichtweisen besteht also darin wie diese Korrektur gesehen wird. Für die notorischen Mahner zeigt sie an, dass die Goldblase geplatzt ist, während sie für die Goldbugs nur eine vorübergehende Schwäche ist. Eine Schwäche, die man unbedingt zum Nachkaufen nutzen sollte.
Der Preis ist nicht das einzige Kriterium
Soweit die unterschiedlichen Positionen, die gegensätzlicher kaum sein könnten. Der Preis als einziges Kriterium um zu entscheiden, ob eine Blase vorliegt oder nicht, offenbart damit große Schwächen. Wir sind also aufgerufen nach weiteren Kriterien Ausschau zu halten, die uns eine verlässliche Antwort auf die Frage ermöglichen, ob die Entwicklung noch angemessen ist oder ob eine Blasenbildung zu beobachten ist.
Dazu bietet es sich an einmal darauf zu schauen wie stark die Anleger bereits in Gold und Silber investiert sind, denn aus der Vergangenheit wissen wir, dass Blasen vor allem dadurch entstehen, dass die Masse auf ein Anlagegut aufmerksam wird. Es sind dann nicht nur besonders viele Menschen investiert, sondern diese zudem auch mit einem besonders hohen Anteil ihres Vermögens.
An diesem Punkt stellt sich die Situation jedoch noch sehr entspannt dar. Mit gerade einmal 0,8% ihres Vermögens sind die Anleger weltweit in Gold und Silber investiert. Natürlich gibt es zwischen den Ländern große Unterschiede, doch selbst die Anleger aus Deutschland und der Schweiz, die als besonders positiv für Gold und Silber gestimmt gelten, sind mit weniger als 2% ihres Vermögens in Edelmetallen investiert.
Masse der Anleger noch nicht in Gold und Silber investiert
Das war Ende der 70er, Anfang der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts, als die letzte Goldrallye ihren Höhepunkt erreichte, ganz anders. Damals lag der Anteil der physischen Edelmetallen und Edelmetallaktien am Gesamtvermögen bei knapp 26%. In den 30er Jahren, ebenfalls eine Zeit, in der Gold alle anderen Anlageklassen überstrahlte, lag der Anteil der Edelmetalle bei rund 20%. Von solchen Extremwerten trennen uns zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch Welten.
Damit heute wieder ähnlich hohe Prozentsätze erreicht werden, müssten die Anleger entweder noch sehr viel Gold zukaufen oder die Preise extrem stark anziehen. Man kann sogar noch einen Schritt weitergehen und behaupten, dass ähnlich hohe Prozentsätze nicht durch weitere Zukäufe, sonder nur durch einen wirklich explodierenden Goldpreis zu erreichen sind, wobei mit „wirklich explodierendem Goldpreis“ nicht die wenigen Prozentpunkte gemeint sind, die Gold und Silber in den vergangenen Wochen gestiegen sind.
Minenproduktion nicht ausreichend
Warum das so ist, zeigt ein Blick auf die aktuelle Minenproduktion. Soll der Goldanteil in den privaten Depots auf Basis der aktuellen Preise nur auf 2% des weltweit vorhandenen Vermögens steigen, so sind dazu rund 85.000 Tonnen Gold erforderlich. Eine Konstanz der aktuellen Goldförderung vorausgesetzt, was eine sehr gewagte Aussage ist, weil die Goldgehalte in den Minen tendenziell zurückgehen, sind schlappe 34 Jahre nötig um diesen Goldberg zu fördern.
Dass die Goldhausse über einen so langen Zeitraum andauern wird, das erwarten nicht einmal die überzeugtesten Goldbugs. Es ist auch nicht zu erwarten, dass am Ende der Entwicklung, wenn die Goldbegeisterung der Anleger ihren Höhepunkt erreichen wird, der Goldanteil in den internationalen Depots nur bei 2% liegen wird. Von daher sind weitere drastische Preisschübe nicht nur zu erwarten, sondern sogar sehr zu erwarten.
Wir müssen also feststellen, dass die Masse der Anleger in den Edelmetallen und den Gold- und Silberminen noch immer nur unterdurchschnittlich investiert ist. Da man Blasen mit Vorliebe in den Bereichen identifiziert, in denen man selbst nicht investiert ist, verwundert es auch nicht, wenn gerade jetzt von jenen vor einem Platzen der Goldblase gewarnt wird, die selbst nicht in Gold und Silber investiert sind.
Die Statistik von Dir kann man in jeder Weise interpretieren. Ich gebe Dir mal meine Interpretation Deiner Quelle:
- "39 % = Nein, ich habe kein Interesse an Gold. " <--- Schaf
- "21 % = Nein, ich bin ausreichend engagiert. " <--- Hier steht nicht, wieviel Prozent in Gold investiert sind, vielleicht haben die hier angesprochenen schon ausreichend Gold als Vermögensabsicherung...
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- "60 %" <-- bleiben 39% Schafe (durchaus realistisch, wie ich finde)
- "28 % = Ja, aber erst nach einer deutlichen Kurskorrektur" <--- Hier steht nicht, wieviel Prozent in Gold investiert sind, vielleicht haben die hier angesprochenen schon ausreichend Gold als Vermögensabsicherung...
- 12 % = Ja, ich werde mein Engagement erhöhen. <--- Hier steht nicht, wieviel Prozent in Gold investiert sind, vielleicht haben die hier angesprochenen schon ausreichend Gold als Vermögensabsicherung...
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- 40 % <---bleiben 40%, aber vielleicht sind die auch schon reichlich investiert, s.o.
D.h. von der Auflistung bleiben die 39% Schafe über, von den anderen 61% kann man keine Rückschlüsse ziehen, weil nicht bekannt ist, wie das Portfolio der Befragten in Sachen Gold zur Zeit aussieht. Außerdem fehlt eine sehr wichtige Zahl. Ist die Umfrage representativ? Wie viele Leser wurden gefragt und wie viele Leser der Zeitschrift haben geantwortet?
Schönen Dienstag
RedAdair
