Gold & Gesellschaft: Der Euro-Betrug
Der Stern des Euros befindet sich weiter im Sinkflug – nun fällt auch DER SPIEGEL über die gemeinsame Währung her. Unter dem Titel Kultur des Tricksens fällt man ein vernichtendes Urteil: Der Euro ist unter Beschuss wie nie zuvor, er ist angreifbar geworden, weil sich die Versprechen, auf denen er gegründet wurde, als Lügen erwiesen. Um die Gemeinschaftswährung zukunftssicher zu machen, müssen die grundlegenden Konstruktionsfehler beseitigt werden.
Wie kann bei einem grundlegenden Konstruktionsfehler und einem auf Lügen basiertem Versprechen dieses System noch zukunftssicher gestaltet werden – das klingt nach einem Widerspruch in sich.
Ist es auch. Auch wenn sich das Autoren-Team am Schluss des Berichtes darauf versteift hat, eine Lösung für die Rettung der Gemeinschafts-Währung gefunden zu haben. Die Passagen wirken im Zusammenhang mit dem vorher gesagten nicht als überzeugendes Argument für den Euro.
Aber zurück zu dem SPIEGEL-Bericht: Dieser ist nicht deshalb so interessant, weil dort neue Informationen dargestellt werden. Denn ein Großteil der Argumente und Beweggründe wurde die letzten Tage, Wochen und Monate bereits an dieser Stelle vorgestellt. Wichtig ist, dass sich nun auch einer der intellektuellen Presse-Meinungsführer dieser Argumentation anschließt.
Im Einzelnen umfasst dies folgende Punkte:
1. Die Bösen sitzen nicht in den Zentralen der Hedge-Fonds und Investment-Banken. Nein, es sind die Politiker in den Regierungskanzleien in Athen, Madrid, Berlin oder Brüssel, die den Euro dazu genutzt haben, mit Tricks und Fälschungen jahrelang auf Kosten anderer zu leben. Oder absichtsvoll wegzuschauen.
2. Der Euro ist nach seiner Einführung von der Stabilitäts-Verpflichtung und einer Verpflichtung zur soliden Finanzpolitik augenblicklich zu einer Schuldengemeinschaft mutiert. Der SPIEGEL sagt, dass der Euro auf nichts anderes gegründet sei, als auf Lügen.
3. Die EZB-Politik des Ankaufs aller Arten von Staatspapieren machte ein intra-Euro Carry Trade Geschäft zu einer lukrativen Anlageform insbesondere für die französischen und deutschen Banken. Diese kauften griechische Staatspapiere mit einer Realverzinsung von fünf bis sechs Prozent und ließen sie von der EZB mit einem Zinssatz von ein Prozent monetarisieren. Den Zinsgewinn, so dachten die Banken, könnten sie für ihre Boni und Aktionäre risikolos einstreichen. Dieser todsichere Deal zum Gelddrucken wird nun zur Bedrohung insbesondere für die französischen Banken.
4. Der Druck auf die europäischen Regierungen, Griechenland unter die Arme zu greifen, kommt nicht von den Politikern selbst, sondern von den Banken, die sich mit diesen Carry Trade Geschäften verzockt haben.
5. Der Aktionismus von Joe Ackermann von der Deutschen Bank war rein darauf begründet, die offene Flanke seines Konzerns durch staatliche Garantien abzusichern. Soviel Intelligenz hatten die deutschen Politiker schon, dieses Ansinnen zu durchschauen und abzulehnen.
6. Ein Rettungspaket aus Krediten und Garantien für Griechenland schlummert in den Schreibtisch-Schubladen der EU-Länder. Das Abrufen dieser Hilfezahlungen wäre für die Bundesregierung wohl der GAU gewesen. Nicht dass damit die No-Bailout-Klausel des Artikels 125 des Vertrages über die Arbeitsweise der EU ad absurdum geführt würde. Nein, Deutschland würde damit in einer Schicksalsgemeinschaft zum ewigen Zahlmeister der anderen Staaten.
7. Selbst das Argument, dass die Aufgabe der Deutschen Mark der Preis des damaligen französischen Präsidenten Mitterand für die deutsche Wiedervereinigung war, findet sich in dem SPIEGEL-Bericht wieder. Ich hatte in meinem Bericht vom 11. September 2009 darüber berichtet (Wiedervereinigung_kostete_Deutschen_die_D-Mark)
Niemand soll behaupten, man hätte ihn nicht vorher gewarnt.
Aktuelle Entwicklung an den Gold-Märkten
Warum sehen wir diese Woche einen verstärkten Druck auf den Goldpreis, wurde ich gefragt. Weil die US-Treasury diese Woche eine rekordverdächtige Menge von insgesamt $210 Milliarden an Staatsanleihen am Markt platzieren will. Davon sind allein $74 Milliarden länger laufende Treasury Notes, darunter die für das langfristige Zinsniveau als Benchmark dienenden 10-jährigen und 30-jährigen Notes. In den letzten Tagen sind die Realzinsen der 10-jährigen Treasury Notes auf 3,7 Prozent und höher gestiegen. Das ist eine Entwicklung, welche die US-Regierung auf alle Fälle verhindern muss.
Die heutige Methode der Drückung aller in Konkurrenz zu den geldigen Treasuries stehenden Assets lautete (wieder einmal) Drückung an den Devisen-Märkten. Das Währungs-Paar Dollar/Euro erscheint dafür nicht besonders geeignet, weil die EZB mit dem Euro derzeit schon genug Probleme hat. Da kann man nicht dem US-Dollar wegen einer riesigen Treasury-Auktion noch zur Hilfe eilen, ohne dass die Spannungen sich weiter verschärfen.
Also hat man sich auf das Währungs-Paar US-Dollar/Yen eingeschossen. Wenn man sich die heutige Entwicklung an den Devisen-Märkten anschaut, dann steigt der US-Dollar gegen alle anderen Währungen um bis zu 0,8 Prozent. Bloß gegenüber dem Yen fällt der US-Dollar um 0,7 Prozent.
Das Währungs-Paar Euro/Yen ist dadurch heute um 1,3 Prozent gefallen. Noch am Freitag ist der Euro gegenüber dem Yen um 1,7 Prozent gestiegen. Zur Erinnerung: Am Freitag haussierten die Asset-Märkte bis auf Gold, das wegen der Arbeitsmarktzahlen durch das Gold-Kartell unter Kontrolle gehalten wurde.
Der heutige starke Anstieg des Yen löste einen Rückgang von Platin um $23, von Palladium um $15 und von Silber um 33 Cent aus. Gold gab um $10 nach.
Ein Narr, wer diesen Zusammenhang nicht sieht. Und es ist wohl offensichtlich, warum diese kleine kontrollierte Deflation der Assets herbeigeführt wird: Man will die Treasury-Käufer bei der Stange halten.
Gold folgte dem heutigen Tag der Entwicklung des Devisen-Marktes, insbesondere des Verhältnisses vom Euro zum Yen: Starker Yen gleich schwache Asset-Preise und schwacher Yen gleich starke Asset-Preise.
Der Druck begann sich gestern Abend schon im späten Access Handel aufzubauen. Der asiatische Markt tendierte ebenfalls leichter. Mit dem beginnenden Londoner Vormittags-Handel verstärkte sich die Abwärtsentwicklung beim Gold. Zum A.M. Fix stand das gelbe Metall bereits bei $1.120,00 (EUR 824,32) um $14 niedriger als noch vor 24 Stunden.
Kurz nach dieser Marke ging es weiter bergab in Richtung von $1.115. Das war auch die Marke, mit der Gold im New Yorker COMEX-Handel startete. Die Anfangsdrückung dort drückte Gold noch auf unter $1.110. Diese Marke hielt jedoch und zum P.M. Fix stand Gold wieder bei $1.115,75 (EUR 821,43).
Eine Stunde nach Schluss des Londoner Handels konnte sich auch Gold mit den wieder nachgebenden Devisen-Kursen stabilisieren. Mit $1.122,10 zum COMEX-Schluss stand Gold nur noch drei Dollar niedriger als gestern zur gleichen Zeit.
Der US-Dollarindex hat seine anfänglichen Gewinne, die ihn auf über 80,8 Punkte hochgetrieben haben, wieder zum großen Teil abgegeben. Es verblieb ein magerer Tagesgewinn von 0,1 Punkten. Die Treasury-Renditen blieben erwartungsgemäß stabil.
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