Gold & Gesellschaft: Gläubiger oder Real-Vermögensbesitzer
In meinem Bericht vom letzten Donnerstag habe ich unter dem Titel Ausstieg aus dem Sozialstaat über das Schneeball-System unserer nach dem Generationen-Vertrag arbeitenden Renten-Versicherung berichtet. Dieses System gibt heute Gelder für Rentner aus, die als Beiträge von den Arbeitenden erbracht werden müssen.
Das System funktioniert im Prinzip nur solange wie das Verhältnis zwischen Arbeitenden und Rentnern im Lot ist. Jedoch hat sich schon seit Ende der 60er-Jahre abgezeichnet, dass die Arithmetik, die diesem System zugrunde liegt, zukünftig nicht mehr stimmen wird.
Erstes Problem: Das längere Leben der Rentner-Generation
Zweites Problem: Durch absinkende Geburten-Zahlen verschiebt sich das Verhältnis Rentner zu Arbeitenden zu Lasten der Arbeitenden
Drittes Problem: Von der Arbeitsfähigen fallen eine immer größer werdende Anzahl von potentiellen Zahlern aus, da sie nur noch von dem Sozial-Staat leben
Ein Leser meiner Berichte teilte zwar meine Meinung bezüglich der in dem Bericht beschriebenen Symptome. Er sieht die Ursache der heutigen Problematik aber wo anders: Die Ursache der Verschuldung sind nicht die Hartz IV Empfänger oder Rentner, sondern die Monopolisten (Multimilliardärs-Familen), die soviel Kapital angehäuft haben, dass die Zinserträge exponentiell ins Unermessliche wachsen.
Und weiter wird argumentiert: Damit die Zinsen der Geldvermögen bedient werden können, die bekanntlich exponentiell zunehmen, muss der Staat bzw Staatsbürger oder Unternehmer sich um diesen Betrag verschulden. Das heißt, dass der Staat bzw die Personen, die dem Staat gehören (Anleihebesitzer) über die Zinserträge reicher und reicher werden und der Arbeit leistenden Bevölkerung entzogen werden, da der Zins nie kreiert wurde.
Bevor ich auf diese Aussage eingehe, müssen wir uns im Klaren sein was Geldvermögen überhaupt ist und welche Auswirkungen dieses auf die Schuldner hat. Erst einmal müssen wir feststellen, dass jedem Besitzer von Geldvermögen (Gläubiger) ein Schuldner gegenübersteht, der sich verpflichtet hat, seine Leistung in Form von Zins-Zahlungen und einer zukünftigen Rückzahlung zu erbringen. Ein Gläubiger kann also nur existieren, wenn es einen Schuldner in gleicher Höhe gibt.
Das ist ein fundamental anderes Konzept, als wenn man Vermögens-Gegenstände wie beispielsweise Land und Gold besitzt. In diesem Fall ist man zwar auch ein Besitzer eines Vermögens, aber nicht von der Leistungsfähigkeit bzw Willigkeit des Schuldners abhängig, seine vereinbarten Zahlungen zu leisten.
Land und Gold können nicht pleitegehen, der Schuldner jedoch schon.
Einer der Vermögen besitzt, wird sich nur dann für das Geldvermögen entscheiden, wenn er sich einen Vorteil gegenüber dem Real-Vermögen erwartet. Dieser Vorteil ist die Zins-Zahlung. Die Entrichtung eines Zinses ist also diejenige Komponente im Schuldner/Gläubiger-Verhältnis, welche die Verschuldung überhaupt möglich macht.
Unser Papiergeld-System reflektiert nicht mehr als dieses Verhältnis zwischen Schuldner und Gläubiger. Mit der Zins-Zahlung ist das Risiko der Ausleihung beispielsweise durch einen Bankrott des Schuldners plus ein Aufgeld zu entrichten. Ohne entsprechend hohes Aufgeld hätte Papier-Geld keinen Wert, weil keiner unter diesen Bedingungen Gläubiger sein möchte.
Betrachtet man die heutigen großen Gläubiger, dann sind darunter sicherlich eine Reihe von Familien mit einem milliardenschweren Vermögen. Allerdings sind die größten Gläubiger immer noch die Bürger selbst. Ihr Vermögen liegt in
· Lebensversicherungen: Damit werden zum großen Teil Staatsanleihen gekauft
· Pensionsfonds: Damit werden Staatsanleihen, Unternehmensanleihen und Hypotheken gekauft
· Geldvermögen: Hiermit werden Commercial Papers für kurzfristige Unternehmens-Finanzierungen und kurzfristige Staatsanleihen, aber zum Teil auch langfristige Anlagen finanziert
Die Milliardärs-Familien häufen dagegen eher Ländereien, Firmenanteile und andere Real-Vermögen an. Sie sind also nicht Ursache der Zins-Belastungen für den Staat, die Unternehmen und die Privat-Haushalte. Das sind wir nämlich im Wesentlichen selbst.
Selbst Millionen-Vermögen müssen nicht für einen besonders hohen Reichtum stehen. Beispielsweise für Freiberufler und andere Selbständige, die selbst für ihre Rente sorgen müssen. Wollen die eine monatliche Rentenzahlung von EUR 3.000 ansparen, dann besitzen sie kurz vor Eintritt des Rentenfalls bereits ein Vermögen um die EUR 750.000.
Die Zinszahlungen des Staates sind die Zinserträge unser eigenen Geldanlagen. Oder anders herum betrachtet, gibt der Staat bereits jetzt das Geld aus, dass wir später für unsere Altersvorsorge ansparen.
Das Papier-Geldsystem arbeitet also nach dem gleichen Prinzip wie unser derzeitiges Renten-System: Die Gelder werden bereits jetzt schon konsumiert in der völlig unwahrscheinlichen Erwartung, dass Andere in der Zukunft ebenfalls Gelder in dieses System einzahlen werden (d.h. Staatanleihen kaufen).
Die kapitalgedeckte Altersversorgung ist also vom Prinzip her gar nicht besser als unser auf einem Generationen-Vertrag basierendes Renten-System: Wir erwerben Ansprüche ohne eine realistische Chance zu haben, dass diese in der Zukunft erbracht werden können.
Damit geht es zwar den heutigen Gläubigern besser, als denen im alten Rom. Diese wurden nämlich kurzerhand für vogelfrei erklärt und mussten wegen des Schuld-Titels mit ihrem Leben bezahlen. Das wäre sicherlich eine Methode unserer heutigen Politiker, wenn deren Gläubiger die Milliardärs-Familien wären. Diese sind allerdings aus Jahrhunderte langer Erfahrung klug geworden.
Aktuelle Entwicklung an den Gold-Märkten
Abu Dhabi hat heute in letzter Minute mit einer Geldspritze von $10 Mrd das marode Dubai-Finanzgeflecht vor einem Konkurs bewahrt. Gleichzeitig wurde bei der österreichischen Hypo Alpe Adria durch Verstaatlichung ein Konkurs verhindert. Das Abenteuer hat der bislang von vielen Finanz-Skandalen geplagten Bayerischen Landesbank nun bereits über drei Milliarden Euro gekostet.
Das ist zwar ein Ende mit Schrecken, den Schrecken ohne Ende dürfen jetzt allerdings die Österreicher auslöffeln. Dadurch, dass man diese Bank als systemrelevant eingestuft hat, sind weitere ein- bis zweistellige Milliarden-Beträge Finanzhilfen für den österreichischen Staat vorgezeichnet.
Bis auf den Fall Griechenland hat man nun zwei von drei Baustellen zumindest fürs Erste wieder unter Kontrolle gebracht.
Gold entwickelte sich heute früh im asiatischen Handel positiv. Dabei konnte sogar die Marke von $1.125 nach oben durchbrochen werden. Im Londoner Vormittags-Handel ging es aber wieder südwärts, so dass sich eine Fortsetzung der Entwicklung von der letzten Woche abzeichnete. Der A.M. Fix kam mit $1.120,00 (EUR 764,61) aber noch mit leicht positiven Vorzeichen im Vergleich zum Schluss-Stand vom letzten Freitag zustande. Im Vergleich der A.M. Fixe musste Gold aber weitere $20 abgeben.
Gold schwankte im Nachmittags-Handel nervös zwischen $1.120 und $1.125, ohne dass eine klare Richtung sichtbar wurde. Erst der P.M. Fix mit $1.123,75 (EUR 767,33) bestätigte die leicht positiven Vorzeichen. Der P.M. Fix war gegenüber dem Stand vom letzten Freitag damit zumindest unverändert.
Zum Ende des Handels an der New Yorker COMEX kam es zu keinen wesentlichen Verschiebungen mehr. Gold beendete den Handel mit $1.122,00 mit leicht positiven Vorzeichen.
Die heutigen Vorzeichen sind noch zu schwach, um daraus eine Trendwende herleiten zu können. Für einen Anstieg von Gold spricht die Tatsache, dass zwei Mega-Baustellen erst einmal unter Kontrolle gebracht wurden und eine weitere Drückung aus Sicht der Europäer und Asiaten nicht mehr notwendig sei. Außerdem haben die stark nachgebenden Kurse eine Reihe von spekulativen Shorts angezogen, die massiv Leerverkäufe getätigt haben. Möglicherweise haben die Gold-Kartell Banken auf diese Weise einen Teil ihrer Positionen wieder glätten können. Eine leichte Erholung bei Gold könnte diese Shorts in Panik versetzen, so dass es wieder zu einer kräftigen Gegenbewegung nordwärts käme.
Auf der anderen Seite besteht weiterhin die Gefahr, dass frisches Gold aus dem Nahen Osten die Märkte unter Druck hält. Außerdem sind die Probleme Griechenlands und damit des Euro-Raums noch nicht gelöst. Die EZB-Banken könnten ermutigt sein, sich zur Stützung ihres Währungsraums von Gold-Reserven zu trennen.
Der US-Dollar und sie Renditen der 10-jährigen Treasuries waren heute praktisch unverändert.
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