Gesamtwirtschaftliches Umfeld
Abschied von Amerika ? trägt der Titel des Anlagekommentars der Schweizer Privatbank Wegelin & Co vom 24. August. Hierin wird die sogenannte Amtshilfe, die die Schweiz den USA wegen 4.450 Kundennamen der Großbank UBS geleistet hat, scharf kritisiert. Im Rahmen dieser Amtshilfe, begründet auf einen Verdacht auf Steuerhinterziehung, werden nun von der UBS die Kundendaten der amerikanischen Steuerbehörde UBS übermittelt. Aber lassen wir den Kommentator sprechen:
Verlierer gibt es aber selbstverständlich ebenfalls. Das sind die betroffenen Personen, die als mutmaßliche Steuerbetrüger nun die Verfolgung gewärtigen müssen, und denen „man“ bis vor relativ kurzer Zeit versprochen hatte, dass just dies nicht eintreffen würde. … die schweizerische Regierung, welche noch vor wenigen Monaten von „Granit“ gesprochen hatte, auf welchen ausländische Behörden beißen würden, wenn das schweizerische Bankgeheimnis – beispielsweise durch Fischzüge, worum es sich zweifelsohne bei einem Amtshilfebegehren gegen mehrere tausend Kunden handelt – angegriffen würde. „Man“ hatte versprochen, geduldet, Standfestigkeit gemimt – und ist nun umgefallen. Unter dem Schein eines Erfolgs verbirgt sich der Misserfolg eines Treuebruchs.
Auch mit den sogenannten Moral-Aposteln, die jegliche staatliche Eingriffe immer dann für begründet ansehen, wenn etwas angeblich zu Lasten des Staates (verallgemeinert als dem Volk) geschieht, wird in diesem Bericht abgerechnet:
Treue: Kann man davon sprechen, wenn es um so etwas Schändliches wie Steuerhinterziehung oder gar Steuerbetrug geht? Geschieht ihnen doch recht, diesen halbseidenen Reichen, dass sie nun vor den Richter gezerrt werden können! Dies, die gerade auch in schweizerischen Medien mehrfach geäußerte Position der Moralapostel. Es ist, und das wäre die zweite bemerkenswerte Beobachtung, erstaunlich, wie selbstverständlich jene, die „das Gute“ zu vertreten vorgeben, sich vorschnell auf die Seite der Obrigkeit und ihrer finanziellen Bedürfnisse schlagen.
Die folgende Passage des Kommentars ist dann Balsam für die Seelen der westdeutschen Gutmenschen, die in den USA sowieso die Inkarnation allen Böses auf der Welt erblicken. Die Frage ist nur, auf welche Seite man sich hier schlagen will: Auf die Seite der Steuerbehörde IRS oder doch die vermeintlichen Steuerhinterzieher ? Aber in Deutschland haben wir ja Peer Steinbrück; da muss man sich diese schwierige moralische Frage nicht stellen.
Auf die Gefahr hin, wieder einmal gewisse Wirtschaftsethiker aufs Blut zu reizen, sei an dieser Stelle nur ganz kurz angedeutet, welcher Steuerbehörde beziehungsweise welcher Art von Staat sie zudienen: einem Land, das über die letzten 60 Jahre unbestreitbar zu den weltweit aggressivsten Nationen gehört hat. Die USA haben mit Abstand am meisten kriegerische Handlungen, einmal mit, meistens ohne UNO Mandat vom Zaun gerissen. Kriegsvölkerrecht wurde verletzt, geheime Gefängnisse unterhalten, fragwürdige Regimes werden gestützt, ein absurder Krieg gegen Drogen geführt mit gravierenden Auswirkungen im Ausland (Kolumbien, Afghanistan) und im Inland (nach glaubwürdigen Quellen reichen die Tentakel der Drogenmafia bis weit in politische Kreise hinein). In geradezu atemberaubender Doppelmoral unterhalten die USA Offshore-Oasen riesigen Ausmaßes in Florida, Delaware und andere Teilstaaten. Die Moralapostel stellen sich auf die Seite einer Nation, die immer noch die Todesstrafe kennt und extensiv ausübt, die über ein Rechtssystem verfügt, in welchem sich Anwälte am Unheil ihrer Klienten bereichern können. Haftpflichtprozesse enden oft in Urteilen mit exorbitanten Ansprüchen, was die Geschäftsausübung namentlich für mittelständische Unternehmungen enorm risikoreich macht.
Harter Tobak für einen Kommentar einer Bank.
Dieser Teil des Kommentars diente jedoch nur als Einleitung für Maßnahmen, die die Obama-Administration im Rahmen ihrer Steuerpläne gegen ausländische Investoren in den USA ergreifen will. Schon jetzt gelten verschiedene Regelungen, über die sich ausländische Investoren in den USA zum Teil gar nicht bewusst sind. Stirbt beispielsweise der Investor, dann fällt das Vermögen unter die US-Erbschaftssteuer-Regelungen. Die hohen Freibeträge, die wir in Deutschland für den Ehepartner und nahe Familien-Angehörigen kennen, gibt es in den USA so nicht. Man läuft bei einem Vermögen von mehreren hunderttausenden von Dollar also Gefahr, einen großen Teil durch die Erbschaftssteuer zu verlieren. Abgesehen davon, dass das Vermögen nach dem Tod des Eigentümers erst einmal eingefroren wird. Hier kommen sicherlich noch erhebliche Anwalts- und Reisekosten auf den Erben zu.
Nun ist gerade der kontinuierliche Zustrom von Geldern der Investoren für die USA deren Achilles-Ferse. Dazu wieder der Anlagekommentar: Ihre einseitig auf Maximierung des Steuereinkommens ausgerichteten Regulierungsvorschläge gehen von einer völlig problemlosen, unangefochtenen Attraktivität der USA als Zielland für Investoren weltweit aus. Diese Annahme ist unseres Erachtens kreuzfalsch.
Nachfolgend werden dann die verschiedenen Probleme der USA diskutiert und auch darauf hingewiesen, dass US-Investoren das eigene Land zunehmens verlassen: Die Ratten verlassen den Kahn. Warren Buffet von Bill Gross, zwei Manager von riesigen Investment-Fonds haben vor kurzem vor der Anlage in Dollars im Allgemeinen und US-Staatsanleihen im Besonderen gewarnt. Jim Rogers hat schon längst die USA in Richtung Asien verlassen. Außerdem scheint er Redeverbot bei den Systems-Sendern CNBC und BLOOMBERG zu haben.
Der Bericht schließt mit folgender Empfehlung: Deshalb ist man wohl gut beraten, ganz generell den Abschied von Amerika zu vollziehen. Das schmerzt, denn die USA waren einmal die vitalste Marktwirtschaft der Welt. Aber bis auf weiteres muss es heißen: It’s time to say Goodbye.
Aktuelle Entwicklung an den Gold-Märkten
Heute ist Tag 1 nach den vier großen Versteigerungs-Wellen von US-Staatsanleihen. Ein Leser heute hat meinen gestrigen Kommentar entweder missverstanden oder ich habe mich missverständlich ausgedrückt. Es gibt sicherlich eine Reihe von Wirtschafts-Journalisten, die diese Gegebenheiten auch erfassen. Aber die Methoden sind schon sehr trickreich und verschachtelt. Welchen Chef-Redakteur möchte man mit einem solchen Bericht überzeugen. Zumal die Wirtschaftspresse gerade von denjenigen lebt, die sie im Prinzip mit einer solchen Veröffentlichung bloßstellen würden.. Seine Bitte an mich war: Pardon: Nicht nur die Finanz-Presse, sondern auch ich verstehe leider nicht, was hier passiert. Könnten Sie mir eine kurze Erklärung geben.
Meine Antwort war die Folgende: Mit SOMA kauft die FED einen Teil der Treasuries für "eigene" Zwecke auf. D.h. sie erzeugt neues Geld, um die $1,2 Mrd zu kaufen. Das ist eine klare und direkte Monetarisierung von Staatsschulden. Die Primary Dealer Banken sind verpflichtet, bei der Versteigerung für Treasuries zu bieten. Der hohe Umfang des Angebots dient jedoch dazu, möglichst hohe Preise (d.h. niedrige Realrenditen) für die Treasuries zu erzielen. Die Primary Dealer Banken haben selbst für die Treasuries keine Verwendung und die New York FED wird wohl einen Großteil im Rahmen ihrer permanent Open Market Operations (POMO) zurückkaufen. Auch wieder mit frisch geschaffenem Geld. Das ist der zweite Schritt der Monetarisierung. Nun kommen noch (habe ich in meinem Bericht nicht erwähnt) die "indirect Bidders" hinzu. Dahinter verbergen sich ausländische Zentralbanken, die wiederum mit frisch geschaffenem Geld (diesmals Euro, Yen, sFr) Teile der Treasuries aufkaufen. Das ist der dritte Schritt der Monetarisierung. Nun floaten die restlichen Treasuries an den Bond-Märkten herum. Dort kauft die FED zeitweise im Rahmen von Quantitative Easing (QE) Treasuries an. Auch wieder mit frisch gedrucktem Geld. Das ist der vierte Schritt der Monetarisierung. Wahrscheinlich kaufen nur noch wenige "wirkliche" Investoren mit ihrem eigenen Geld diese Anleihen. Der Rest ist de facto frisch gedrucktes FALSCHGELD.
Zurück zum heutigen Geschehen an den Gold-Märkten. Gold startete den Handel heute früh an den asiatischen Märkten mit leicht positiven Vorzeichen um die Marke von $950. Diese Entwicklung setzte sich auch im Londoner Vormittags-Handel fort (Anmerkung: Sorry, dass ich hier fast jeden Tag dieselbe Formulierung verwende. Aber so stellt sich die Situation dar). Der A.M. Fix kam etwas über der Marke von $950 mit $950,75 (EUR 661,90) um $7 höher als vor 24 Stunden zustande.
Im Vorfeld des Handels zum Nachmittag konnte Gold leicht zulegen, verzeichnete aber seinen starken Anstieg erst nach Beginn des Handels an der COMEX. Gold stieg schnell über $960. Ron Paul, republikanischer Kongressabgeordneter und Vertreter der wirtschaftswissenschaftlichen Thesen der österreichischen Schule der Nationalökonomie, will eine Initiative durch den Kongress bringen, dass die FED einem Audit (was ist der deutsche Begriff dafür: eine intensive Prüfung ?) unterzogen wird. Ron verspricht sich davon, dass die Machenschaften der Manipulatoren damit zum Vorschein kommen. Dementsprechend werden von interessierter Seite Geschäftsordnungs-Tricks angewandt, um die Initiative ins Leere laufen zu lassen. Jeder der sich Anhörungen vor dem Kongress beispielsweise über www.cnbc.com angesehen hat, wo Ron Paul der Fragesteller an Ben Bernanke und andere Politiker war, wird mir zustimmen, dass Ron eher lange Monologe führt, als die zu Befragenden unter Druck zu setzen. Dadurch ist seine begrenzte Zeit schnell abgelaufen und er hat im Prinzip nichts erreicht.
Nun hat Barney Frank, Chairman des House Financial Service Committee in einem Townhill Meeting (wie übersetzt man das nun eigentlich ? Ich arbeite schon zu lange für eine englischsprachige Firma) angemerkt, dass die Initiative von Ron Paul zum Audit der FED im Oktober 2009 vom Kongress verabschiedet werden wird. Nun ist Barney Frank kein Außenseiter wie Ron Paul und zugleich auch Vertreter der regierenden demokratischen Partei. Es ist interessant zu beobachten, ob die WALL STREET als größter Lobbyist in Washington dieses Thema noch erden kann. Allein die Geschäfte der FED, mit denen US-Gold trotz fehlender Zustimmung des Kongresses in die Märkte gepumpt wurde, können ein Erdbeben großer Stärke in Washington auslösen. Eines verstehen die Politiker besser als die Banker: Den Schuldigen auf der anderen Seite zu identifizieren.
Nach dem Anstieg auf über $960 setzte wieder eine leichte Drückungs-Welle ein, die Gold einige Dollar nach unten bewegte. Der P.M. Fix kam mit $955,50 (EUR 665,30) zustande. Das sind immerhin fast $13 mehr als gestern. Zum Schluss des Handels an der COMEX konnte sich Gold wieder auf $957,00 befestigen.
Der letzte Kurs um 23:15 Uhr MEZ kam im Access Handel mit $955,60 zustande.
Treasuries und US-Dollar haben sich kaum verändert.
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"Selten war mehr als ein Zehntel der Bevölkerung an dem beteiligt, was man Geschichte zu nennen pflegt!" (Samhaber)