Trotz der hochkomplexen Situation sind die Dinge im Grunde
genommen doch ziemlich einfach: Diejenigen, die unser System
jetzt am Ende sehen und die Notwendigkeit einer Waehrungs-
reform beschwoeren, basieren ihre Ansichten auf drei Pfeiler:
Erstens, sagen sie, sei die gegenwaertige Malaise dadurch
verursacht worden, dass die Notenbanken (insbesondere in den
USA) in der unmittelbaren Vergangenheit eine zu expansive
Geldpolitik betrieben und damit den Boom im US-Hypotheken-
markt erst verursacht haben.
Zweitens mache die gegenwaertige Rettungsstrategie der extre-
men Geldmengenausweitung die Dinge nur noch schlimmer, weil
die Menge neuen Geldes dessen Wert verringere und unweiger-
lich zu Inflation fuehre.
Aus diesen beiden Gruenden schlagen sie drittens vor, eine
neue Weltwaehrung zu kreieren, bei der die Schaffung neuen
Geldes nicht mehr gegen Kreditsicherheiten - und damit "aus
dem Nichts" - erfolgen darf, sondern nur noch gegen Edel-
metalle oder sonstige physische Rohstoffe. Man erhofft sich,
hierdurch eine Begrenzung der Moeglichkeiten zur Geld-
schoepfung zu erlangen, in denen man ja gemaess der beiden
vorangegangenen Punkte die Ursache allen Uebels sieht.
Ich bin in allen drei Punkten gegenteiliger Meinung. Ich
glaube, dass die Diagnose falsch ist und daher die Therapie
nicht nur unwirksam, sondern im Gegenteil sogar hoechst
schaedlich ist.
Erstens: Eine Kreditausweitung geht normalerweise mit einer
Wohlstandserhoehung einher, und zu ihrer Durchfuehrung ist
eine Erhoehung der Geldmenge keinesfalls zwingend notwendig.
Neue Kredite koennen auch daraus gewaehrt werden, indem das
vorhandene Geld schneller "gedreht" wird. Der niedrige Zins
mag hier folglich eine groessere Rolle gespielt haben als die
Geldmenge, doch wie haetten die Zentralbanken die investi-
tionsschwachen Wirtschaften anders auf Wachstumspfad halten
koennen als mit niedrigen Zinsen? Aber ich bin durchaus be-
reit, hier eine Mitschuld der Notenbanken zuzugestehen.
Zweitens: Inflation als Ursache von Geldmengenausweitungen zu
sehen, ist ein Irrglaube. Zwar sind bisher alle Hyperinfla-
tionen von extremen Geldmengenausweitungen begleitet worden,
doch hieraus auf eine Kausalitaet zu schliessen, ist falsch.
Die grossen Inflationen der Geschichte sind aus einer meist
kriegverursachten Mangelwirtschaft entstanden. Man hat ver-
sucht, den Mangel an Guetern durch Waehrungsemissionen zu
beheben. So etwas kann natuerlich nicht gut gehen und ero-
diert das System. Doch ein Guetermangel oder eine Mangelwirt-
schaft ist in den Industrielaendern nirgendwo zu sehen. Aus
diesem Grunde wird es auch keine Inflation geben.
Drittens: Damit fallen auch alle Gruende fuer eine Waehrungs-
reform weg. Warum sollte man so etwas machen? Die Preise sind
in allen Industrielaendern so stabil wie fast nie zuvor in
unserer Geschichte. Unsere Waehrungen sind intakt. Wir leiden
an einer Ueberspekulation, doch man brennt nicht das Haus ab,
um einem Hasardeur habhaft zu werden.
Man male sich lieber einmal die Konsequenzen einer neuen roh-
stoffgedeckten Waehrung aus. Damit wuerde die Regentschaft
ueber die Weltfinanzen von den entwickelten Laendern zu den
Rohstofflieferanten wandern. Und sollte so eine Waehrung
funktionieren, muessten sich alle Demokratien weltweit einem
Rohstoffdiktat unterwerfen. Verbunden waere damit der Ver-
zicht auf eine autonome heimische Politik und eine Kettung
des Welthandels an starre Mechanismen der Rohstofffoerderung
und Rohstoffverteilung. Ich denke, dass die Befuerworter die-
ses Vorschlages nicht einmal im Ansatz ueber die irrwitzigen
Konsequenzen ihrer Idee nachgedacht haben.