Vor 57 Jahren heiratet er seine Frau. Es ist Liebe auf den ersten Blick. Beide sind jung. Sie schaffen es, „aus ganz wenig“ ein bescheidenes, doch schönes Leben aufzubauen. Gemeinsam schicken sie Sohn und Tochter auf einen guten Lebensweg. Sie leben vor, wie wichtig es ist, füreinander da zu sein, sich hilfsbereit zur Seite zu stehen. Sich immer aufeinander verlassen zu können. Niemals habe der eine den anderen fallen gelassen. Hand in Hand seien sie durch die Zeit gegangen und haben es geschafft, sich ihre Liebe zueinander zu bewahren, erzählt der alte Mann. 57 Jahre lang.
Sie versprechen sich, den anderen auf keinen Fall allein zu lassen, sollte einer gehen müssen.
Die Frau wird krank. Ein Krankenhausaufenthalt ist erforderlich.
Der alte Mann wird gezwungen, sein Versprechen zu brechen. Er lässt seine Frau auf dem Sterbebett allein. Die Frau ruft immer wieder nach ihm, erzählt eine Schwester im Krankenhaus. Doch er darf nicht zu ihr. Die Coronabestimmungen untersagen ihm, das Krankenhaus zu betreten. Am Telefon sagt der Arzt, dass es nicht gut um seine Frau stehe. Er müsse sich auf das Schlimmste gefasst machen.
„Das Schlimmste“ für den alten Mann war nicht, dass sie sterben muss; das Schlimmste für ihn war, dass er sie nicht begleiten durfte. Das hatte er ihr doch versprochen!
„Der Mann weinte und konnte nicht mehr aufhören,“ erinnert sich Annette.
Am Tag der Beisetzung ist er ganz ruhig und schweigsam. Der alte Mann erscheint gefasst und entschlossen.
Zwei Tage später ruft der Bestatter bei Annette an. Der alte Mann hatte sich erhängt. Der alte Mann hieß Wolfgang. Er wurde 82 Jahre alt.
reitschuster.de/post/der-alte-mann/
Sie versprechen sich, den anderen auf keinen Fall allein zu lassen, sollte einer gehen müssen.
Die Frau wird krank. Ein Krankenhausaufenthalt ist erforderlich.
Der alte Mann wird gezwungen, sein Versprechen zu brechen. Er lässt seine Frau auf dem Sterbebett allein. Die Frau ruft immer wieder nach ihm, erzählt eine Schwester im Krankenhaus. Doch er darf nicht zu ihr. Die Coronabestimmungen untersagen ihm, das Krankenhaus zu betreten. Am Telefon sagt der Arzt, dass es nicht gut um seine Frau stehe. Er müsse sich auf das Schlimmste gefasst machen.
„Das Schlimmste“ für den alten Mann war nicht, dass sie sterben muss; das Schlimmste für ihn war, dass er sie nicht begleiten durfte. Das hatte er ihr doch versprochen!
„Der Mann weinte und konnte nicht mehr aufhören,“ erinnert sich Annette.
Am Tag der Beisetzung ist er ganz ruhig und schweigsam. Der alte Mann erscheint gefasst und entschlossen.
Zwei Tage später ruft der Bestatter bei Annette an. Der alte Mann hatte sich erhängt. Der alte Mann hieß Wolfgang. Er wurde 82 Jahre alt.
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