Deswegen stand am Dienstagabend in der Sitzung von Fraktion und Landesvorstand auch nicht zur Debatte, sich mit der AfD abzusprechen. Vielmehr wollte die CDU-Truppe sich zusammenraufen. Man tagte im Bernhard-Vogel-Saal. Der Ehrenvorsitzende Vogel, 87, war auch da. Die CDU-Leute diskutierten über die Szenarien, die sie sich vorstellen konnten. Auch darüber, dass die AfD im dritten Wahlgang Kemmerich wählen könnte, obwohl auch ihr eigener Kandidat zur Wahl stand.
Das schien „abwegig“, sagt einer, ein anderer: „absurd“. Dennoch sprachen die CDU-Leute darüber. Und nicht nur nebenbei. Der Fraktionsvorsitzende Mike Mohring sagt, er habe jeden Einzelnen gefragt, ob er damit umgehen könne, wenn die AfD mit ihnen zusammen Kemmerich zum Ministerpräsidenten wählen würde. Mohring erinnert sich, dass jeder ja gesagt habe. Sein Generalsekretär bestätigt das. Allerdings hätten die meisten im gleichen Atemzug bezweifelt, dass es überhaupt zu einem dritten Wahlgang komme.
Man einigte sich auf folgendes Vorgehen: Im ersten Wahlgang gibt es keine Unterstützung für den linken und den rechten Kandidaten. Die CDU-Abgeordneten enthalten sich. Im zweiten Wahlgang ebenso. Wenn im dritten Wahlgang Kemmerich zur Wahl steht, dann wird der gewählt. Wenn – die CDU-Leute waren nicht sicher, ob Kemmerich am Ende wirklich antreten würde. Ob er nicht spontan zurückziehen würde.
Nach dem Ende der Sitzung posaunten mehrere Landtagsabgeordnete auf Twitter stolz hinaus, dass man sich „mit einstimmigem Ergebnis“ auf eine „Strategie“ geeinigt habe. Das klang nach einem ausgeklügelten Plan. Nur: Warum sollte man sich diese Mühe machen, wenn man annahm, dass Kemmerich eh nicht Ministerpräsident würde?
www.faz.net/aktuell/politik/inland/...-finte-16624241-p2.html
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Die Wahl erfolgte. Im Nachhinein kann man nicht hingehen und das Abstimmungsergebnis einer Partei nicht akzeptieren.