Ein Kennzeichen früherer Blasen war, dass die Marktkapitalisierungen der wichtigen Aktien eines Landes oder Sektors schwindelerregende Höhen erreichten. Nur zu gut erinnern wir uns an Preise von 120 Euro die vor gut 10 Jahren für eine Aktie der Deutschen Telekom bezahlt wurden. Heute zahlt man nicht mal ein Zehntel dieses Spitzenpreises, der anschließend nie mehr erreicht wurde.
Um die Frage zu beantworten, ob die Edelmetalle bzw. der Gold- und Silbersektor sich in einer Blase befinden, macht es also Sinn einen Blick auf die Marktkapitalisierungen der wichtigsten Unternehmen des Sektors zu werfen. Der Befund, der sich dabei einstellt, ist deutlich und er ist ein weiteres Indiz dafür, dass die Edelmetalle noch einiges vor sich haben, wenn es auch hier zu einer Entwicklung mit Blasencharakter kommen soll.
Esso teurer als 16 Gold- und Silberminen
Die 16 wichtigsten Aktien des Gold- und Silbersektors werden im Amex Gold Bugs Index mit dem Kürzel HUI zusammengefasst. Sie kommen auf eine Marktkapitalisierung von gut 200 Mrd. US Dollar. Das klingt im ersten Moment nach sehr viel, ist aber im Grunde herzlich wenig, wenn man berücksichtigt, dass allein der Ölmulti Exxon (Esso) eine Marktkapitalisierung aufweist, die um 50% höher ist.
Auch die im S&P 500 Index, dem Index der 500 größten US Unternehmen, zusammengefassten Aktien kommen auf eine deutlich höhere Marktkapitalisierung als die Gold- und Silberminen. Bezogen auf die Aktienkapitalisierung der US Wirtschaft macht der Goldsektor gerade mal 2% aus, während der Pharmasektor auf stolze 20% kommt. Doch niemand käme aktuell auf die Idee von einer Pharmablase zu sprechen, während es Mode ist von einer Goldblase zu reden.
Das letzte Totschlagargument, das immer wieder herhalten muss, wenn es darum geht die Behauptung einer Blasenbildung im Gold argumentativ zu rechtfertigen ist die explodierende Nachfrage nach physischem Gold und Silber. Hier sind die Zuwachsraten wirklich eindrucksvoll.
Es werden deutlich mehr Münzen und Barren gekauft
Zu den fünf größten Anbietern physischen Gold und Silbers zählt die Münze Österreich. Für sie war 2009 ein absolutes Rekordjahr. Die Österreicher setzten 1,6 Mio. Unzen Gold, hauptsächlich den bekannten Philharmoniker, ab. Verglichen mit den Verkaufszahlen von 2007, als lediglich 137.000 Stück ausgeprägt wurden, ergibt sich tatsächlich eine gewaltige Steigerung. Der gesamte Goldabsatz erhöhte sich in nur zwei Jahren von 277.600 auf 2.083.000 Unzen Gold.
Es ist davon auszugehen, dass die Nachfrage auch in 2010 sehr hoch bleiben wird, denn besonders im Frühjahr als die Griechenlandkrise den Euro belastete wurden in nur zwei Wochen knapp 250.000 Unzen Gold verkauft, also nur geringfügig weniger als 2007 in einem ganzen Jahr und deutlich mehr als im 1. Quartal 2010. Dass in jenen Wochen ein gewisser Kaufrausch mit Torschlusspanik eingesetzt hatte, soll gar nicht bestritten werden, ansonsten hätten Münz- und Edelmetallhändler wie proaurum nicht Sonderschichten fahren und teilweise Münzen und Barren in ihren Internetshops als ausverkauft ausweisen müssen.
Also doch eine Blase?
Nein, denn die extrem hohen Verkäufe relativieren sich schnell wenn man die Zahlen mit jenen aus früheren Zeiten vergleicht. Weil proaurum und die Münze Österreich noch nicht so lange am Markt sind, bietet es sich an die aktuellen Verkaufszahlen der Rand Refinery mit jenen aus den 70er Jahren zu vergleichen. Die Südafrikaner prägen den berühmten Krügerrand aus, der noch immer als die bekannteste Goldmünze der Welt gelten kann. Wir reden hier also nicht über die Verkaufszahlen einer kleinen unbedeutenden Münze, sondern operieren mit den Zahlen des Weltmarktführers.
Für das laufende Jahr erwartet die Rand Refinery einen Absatz von 1 Mio. Krügerrands. Das ist der höchste Absatz von Goldmünzen seit 26 Jahren und somit auch für die Südafrikaner ganz sicher ein Grund zur Freude. Doch verglichen mit den 70er Jahren als die südafrikanische Münze jährlich zwischen 2 und 6 Mio. Unzen ausprägte immer noch eine vergleichsweise bescheidene Zahl.
Das gleiche Bild bietet sich uns, wenn wir die aktuellen Verkaufszahlen der US Mint mit früheren Jahren vergleichen. Auch hier liegen die aktuellen Verkäufe deutlich über jenen der Vorjahre, doch insgesamt liegen die Zahlen für das Jahr 2010 nur geringfügig über dem langjährigen Mittelwert. Mit anderen Worten: Die Neigung der US Amerikaner zum Goldkauf ist momentan bestenfalls Durchschnitt, aber noch lange nicht Spitze.
So kann man problemlos jederzeit nachkaufen! Der Preis, in USD, ist ja hoch! Wenn der Euro wieder fällt.......
Hätten wir den Wechselkurs vom Mai, ca. 1:1,2, wäre der Goldpreis auf 1160,-- Euro!
Das ist doch das, wogegen wir uns absichern! Gegen den Werverlust......

