DJ INTERVIEW/Kontron wird für 2010 wohl keine Dividende zahlen
09:39
Von Matthias Karpstein
DOW JONES NEWSWIRES
MÜNCHEN (Dow Jones)--Die Aktionäre der Kontron AG müssen wegen
einer hohen Risikovorsorge in Malaysia wohl auf eine Dividende für das
laufende Jahr verzichten. Es ist eher wahrscheinlich, dass wir keine Dividende
für das Gesamtjahr zahlen werden, sagte Kontron-Vorstandsvorsitzender
Ulrich Gehrmann zu Dow Jones Newswires. Kontron hatte am Dienstagmorgen einen
Nettoverlust von 30 Mio EUR für das zweite Quartal mitgeteilt. Um die
Risikovorsorge von 34 Mio EUR bereinigt lag das operative Ergebnis vor Zinsen
und Steuern (EBIT) bei 8 Mio EUR.
Das TecDAX-Unternehmen mit Sitz in Eching bei München hatte Anfang Juli
erklärt, für ausstehende Forderungen gegen Kunden in Malaysia, Taiwan
und Hongkong 34 Mio EUR Risikovorsorge gebildet zu haben. Die ausstehenden
Forderungen wurden im abgeschlossenen zweiten Quartal in der Kontron-Bilanz
vollständig wertberichtigt.
Die Prognose für das Jahr 2010 bestätigte Gehrmann, allerdings
klammert er dabei die Risikovorsorge von 34 Mio EUR aus. Unsere Guidance ist
unverändert, sagte er. Der Kontron-Vorstand erwartete bisher für das
Gesamtjahr 2010 eine EBIT-Marge von rund 7. Der Umsatz soll 475 Mio EUR
erreichen und das EBIT zwischen 30 Mio und 35 Mio EUR liegen.
Mit der Wertberichtigung von 34 Mio EUR hat sich das Kontron-Management auf
die maximalen Ausfälle samt Kosten für Wirtschaftsprüfer und
Rechtsanwälte eingestellt. Allerdings hofft man in Eching noch, zumindest
einen Teil dieser Summe wiederzusehen. Sollte aber die volle Belastung von 34
Mio EUR entstehen, dann würde das EBIT mit Sicherheit aufgezehrt,
erklärte Gehrmann im Interview. Dann wäre wohl ein Jahresverlust die
Folge, nachdem das vergangene Jahr mit einem Nettogewinn von rund 22 Mio EUR
abgeschlossen wurde.
Trotz der Probleme in Malaysia hält Gehrmann an seiner Strategie fest,
die Produktion weiter nach Asien zu verlagern. Wir müssen weiter in Asien
produzieren, um dort mitspielen zu können, sagte er. Im laufenden Jahr
will er 70 der Kontron-Produktion in Asien haben, 80 sind sein nächstes
Ziel.
Für die weitere Restrukturierung des Unternehmens rechnet Gehrmann im
zweiten Halbjahr mit Kosten von 4 Mio bis 6 Mio EUR. Sein größtes
Problem - neben der Aufklärungsarbeit in Malaysia - ist derzeit die
Knappheit der benötigten Bauteile. Teilweise beträgt die Lieferzeit
bis zu 50 Wochen, erklärt er. Nachdem Kontron bereits im ersten Quartal
Aufträge über 8 Mio EUR wegen dieses Problems nicht bedienen konnte,
stieg dieser Anteil nun auf 11 Mio EUR.
Da die Bauteile knapp sind, werden sie im Einkauf für Kontron auch
teurer. Gehrmann geht davon aus, dass die Bauteile-Knappheit noch mindestens
bis Ende des laufenden Jahres anhält, möglicherweise auch
darüber hinaus. Dann wäre laut Gehrmann die Prognose einer EBIT-Marge
von 12 bei einem Umsatz von 550 Mio bis 570 Mio EUR im kommenden Jahr, an der
er derzeit noch festhält, in Gefahr. Die Knappheit der Bauteile kostet
uns pro Quartal rund 1 Mio bis 2 Mio EUR unseres EBITs. Wenn das anhält,
ist eine Marge von 12 im nächsten Jahr nicht machbar, denn das nimmt uns
zu viel Gewinn weg, sagte der Vorstandsvorsitzende.
Webseite: de.kontron.com
-Von Matthias Karpstein, Dow Jones Newswires,
+49 89 55214030, matthias.karpstein@dowjones.com
DJG/mak/brb
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