Rom (Reuters) - Der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi hat am Sonntag den Posten des Außenministers übernommen, nachdem der bisherige Amtsinhaber Renato Ruggiero angesichts des Streits über die Euro-Einführung zurückgetreten war. Berlusconi sagte nach seiner Vereidigung durch Präsident Carlo Azeglio Ciampi in Rom, die Politik seiner Regierung werde eindeutig pro-europäisch sein. Der als strikter Euro-Befürworter geltende Ruggiero war am Samstag zurückgetreten, nachdem er mit euro-skeptischen Ministern in Konflikt geraten war. Ruggiero war seit Juni Außenminister in der Mitte-Rechts-Regierung.
Berlusconi sagte, er werde für eine absehbare Zeit die beiden Ämter bekleiden. Aus Regierungskreisen war zuvor verlautet, Berlusconi werde möglicherweise mehrere Monate Interim-Außenminister bleiben. "Die Politik dieser Regierung wird überzeugend und an sich pro-europäisch sein", sagte Berlusconi. Er fügte hinzu: "Europa ist für uns ein Ideal, ein Ziel, ein Wunsch und eine Notwendigkeit, weil Europa uns länger als ein halbes Jahrhundert Sicherheit, Wohlstand, Demokratie und Frieden gegeben hat." Berlusconi sagte, es werde so schnell wie möglich eine Debatte des Parlaments wegen des von ihm als "Notfall" bezeichneten Vorgangs geben.
Die Opposition hatte zuvor eine außerordentliche Sitzung des Parlaments gefordert. Die Opposition kritisierte die Entscheidung Berlusconis, beide Ämter auszuüben. "In einer Zeit, in der mit der Einführung des Euro Geschichte gemacht wird, stellt diese Regierung mit ihren Entscheidungen Italien an den Rand Europas", sagte der Chef der größten Oppositionspartei, der Demokratischen Linken, Piero Fassino.
Angesichts des Streits über die Einführung des Euro hatte Berlusconi am Freitag erklärt, er selbst bestimme die Außenpolitik Italiens, Ruggiero sei ein Technokrat. Nach dessen Rücktritt am Samstag dankte der Regierungschef Ruggiero jedoch für dessen Beitrag zum internationalen Ansehen Italiens.
Ruggiero hatte einigen Kabinettskollegen nach der Einführung des Euro-Bargeldes am 1. Januar vorgeworfen, die gemeinsame Währung der Euro-Zone schlechtzureden. "Die Meinungsverschiedenheiten sind nicht nur bezeichnend, sie sind sehr bezeichnend", sagte Ruggiero in einem Zeitungsinterview.
Reform-Minister Umberto Bossi von der rechtsgerichteten Liga Nord hatte den ehemaligen Chef der Welthandelsorganisation und Diplomaten Ruggiero als Vertreter von "Bürokraten und Tyrannen" bezeichnet. Ihm sei der Euro "so egal wie sonst etwas", sagte Bossi. Wie dieser äußerten sich auch Wirtschaftsminister Giulio Tremonti und Verteidigungsminister Antonio Martino abfällig über den Euro.
Ruggiero gehört keiner der Regierungsparteien an. Er hatte sich in der Vergangenheit für einen klaren pro-europäischen Kurs eingesetzt. Er galt als Minister, der Berlusconis Regierung nach dem Wahlsieg im Mai zu größerer internationaler Glaubwürdigkeit verholfen hat.
Bundesaußenminister Joschka Fischer teilte am Sonntag mit, er habe Ruggiero am Telefon sein "großes Bedauern" über dessen Rücktritt zum Ausdruck gebracht. Fischer würdigte Ruggiero als überzeugten Europäer und guten Freund Deutschlands. Auch der französische Außenminister Hubert Vedrine sagte, er bedauere zutiefst den Rücktritt Ruggieros: "Er genoss einen ausgezeichneten Ruf in ganz Europa."
Die Regierung Berlusconi steuerte in den vergangenen sechs Monaten einen zunehmend euroskeptischen Kurs. So zog sich Italien aus einem gemeinsamen Rüstungsprojekt zurück, versuchte den europäischen Haftbefehl zu blockieren und verzögerte die Schaffung zahlreicher EU-Institutionen, um für Italien größere Zugeständnisse zu erreichen.