Vorab: Ich hatte schon mal hier erwähnt, dass ich viele Jahre bei einer Prüfungsgesellschaft der Volksbanken als Prüfer gearbeitet habe.
Nun zu meine Anmerkungen zur kurfr. Absage der Berichtsveröffentlichung bei WDI:
Zwischen einer normalen Anschlussprüfung und einer Sonderprüfung gibt es einen himmelweiten Unterschied, sowohl in der Prüfungsstrategie und gerade auch bei der Berichtsausfertigung. Im normalen Jahresabschlussprüfungsgeschäft gibt es sehr viele standardisierte Abläufe und Hilfsmittel, prüfungsinterne Unterlagen aus Vorjahresprüfungen, bis hin zu den Erfahrungen über die Funktionsfähigkeit des internen Kontrollsystems, die im Rahmen der Prüfung bei den einzelnen Mandanten verwertet werden u.a.m.
Verkürzt gesagt ist das normale Prüfungsgeschäft auch ziemlich normiert und standardisiert. Das bedeutet auch, dass viele Sachverhalte nur plausibilisiert werden. Ferner gibt es i.d.R. auch einem mehrjährigen Prüfungsplan. Man hat verschiedene Prüfungsfelder die jährlich zu prüfen sind und andere die im mehrjährigen Turnus angeschaut werden. Hieraus werden dann die jährlichen Prüfungshandlungen abgeleitet.
Bei einer Sonderprüfung in einem herkömmlichen Unternehmen ist die Prüfungsplanung schon eine ganz andere Geschichte. Man hat einen Prüfungsauftrag, den es vielleicht so (wie bei WDI) noch gar nicht gegeben hat. Dementsprechend ist es nicht so einfach, ein angemessenes Prüfungskonzept zu entwickeln und deshalb auch zeitaufwendig, denn es soll ja effektiv sein. Wie schon gesagt, es gibt dafür ja keine "Mustervorlagen". Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, das insbesondere auch die Berichtsausfertigung -das sind ja nicht nur verbale Darstellungen, OHNE Textbausteine- sondern auch Tabellen, Grafiken etc., die ebenfalls sinnvoll gestaltet werden müssen- ist eine beachtliche Herausforderung und zeitlich nicht so einfach zu planen.
Nochmals schwieriger stelle ich mir das bei einem voll digitalisierten Unternehmen mit fast unzähligen Geschäftsvorfällen in recht unterschiedlichen Geschäftsfeldern wie bei WDI vor.
Das sind nur einige Gedanken von mir die darauf abzielen, so ein Prüfungsprojekt, dessen Kosten und evtl. damit verbundene zeitliche Verzögerungen besser einordnen zu können.