Aus der FTD vom 30.8.2004
IG Farben fordert Millionensumme von WCM
Von Nicola de Paoli, Hamburg
Auf die Beteiligungsgesellschaft WCM kommen Millionenforderungen der insolventen IG Farben zu, des Restkonzerns des einst größten Chemiekonglomerats der Welt. Die Insolvenzverwalterin prüft zudem eine Klage gegen die Schweizer Bank UBS.
"Es sind Ansprüche in der Höhe von umgerechnet knapp 17 Mio. Euro geltend gemacht worden", sagte die Insolvenzverwalterin der IG Farben in Liquidation, Angelika Amend, der FTD. Amend betonte, sie sei an einer außergerichtlichen Einigung interessiert.
Die Forderung bezieht sich auf einen Optionsvertrag aus dem Jahr 2001, wonach sich die WCM verpflichtet haben soll, der IG Farben Immobilien abzukaufen. WCM hatte die vertraglichen Verpflichtungen bereits vergangenen November zurückgewiesen. Dennoch war die WCM-Aktie unter Druck geraten, weil Anleger an der Finanzkraft des Konzerns zweifelten. Die ausbleibenden Zahlungen hatten die Insolvenz der IG Farben besiegelt.
Rückschlag für WCM
Amend war im Mai zur Insolvenzverwalterin des Restkonzerns ernannt worden. Das Unternehmen ist Rechtsnachfolger des Chemiekonzerns, der eng mit dem Nazi-Regime verflochten war. Die Forderungen dürften einen ärgerlichen Rückschlag für die Bemühungen von WCM bedeuten, seine Schulden abzubauen. Erst vor wenigen Tagen hatte der Konzern die Fusion mit den Duisburger Klöckner-Werken bekannt gegeben, um auf diese Weise Kosten zu senken. Eine WCM-Sprecherin wies die Forderungen der IG Farben am Freitag zurück: "Wir sehen keine Grundlage für die Forderungen", sagte sie. Ein verbindlicher Vertrag sei nie geschlossen worden.
Insolvenzverwalterin Amend prüft neben dem Rechtsstreit gegen die WCM auch eine Klage gegen die Schweizer Großbank UBS in den USA. "Wir prüfen das derzeit sehr intensiv." Es fehle allerdings noch das Geld für eine solche Klage. Die UBS ist schon von Aktionären der IG Farben in New York auf eine Summe in Höhe von 2 Mrd. $ verklagt worden. Eine Anhörung dazu hat bereits stattgefunden; der Prozess soll im September fortgesetzt werden.
Im Mittelpunkt des Rechtsstreits in den USA steht die Frage, ob die UBS mit der Übernahme einer früheren Tochtergesellschaft der IG Farben Vermögenswerte erhalten hat, die nicht ihr, sondern der IG Farben selbst zustanden. Auch Amend sagt nun: "Das ist ein Sachverhalt, den wir genau prüfen." Ein Ende des Insolvenzverfahrens sei noch nicht absehbar.
Hohe Schuldenlast
Das Vermögen des Restkonzerns besteht im Wesentlichen aus Immobilien, deren Wert im vergangenen Herbst mit rund 38 Mio. Euro angegeben worden war. Dieser Summe stehen allerdings hohe Schulden gegenüber. Vor allem die Opfer des einstigen Nazi-Konzerns fürchten daher, mit ihren Forderungen nach einer Entschädigung leer auszugehen. Die Entschädigungsfragen der Opfer sollen nun allerdings auf eine neue Grundlage gestellt werden.
Dazu wurde vor wenigen Wochen eine Stiftung nach US-amerikanischem Recht gegründet. Als Stiftungsmitglieder sind dem Vernehmen nach unter anderem der ehemalige Bundesinnenminister Gerhart Baum sowie der vielfach ausgezeichnete Historiker Ernst Ludwig Ehrlich gewonnen worden. Ziel der US-Stiftung sei es, für die Opfer "einen erheblichen Teil des in der Schweiz befindlichen Vermögens zu erzielen", hieß es aus stiftungsnahen Kreisen. Der Name IG Farben sei für erfolgreiche Verhandlungen in den USA zu belastet.
IG Farben fordert Millionensumme von WCM
Von Nicola de Paoli, Hamburg
Auf die Beteiligungsgesellschaft WCM kommen Millionenforderungen der insolventen IG Farben zu, des Restkonzerns des einst größten Chemiekonglomerats der Welt. Die Insolvenzverwalterin prüft zudem eine Klage gegen die Schweizer Bank UBS.
"Es sind Ansprüche in der Höhe von umgerechnet knapp 17 Mio. Euro geltend gemacht worden", sagte die Insolvenzverwalterin der IG Farben in Liquidation, Angelika Amend, der FTD. Amend betonte, sie sei an einer außergerichtlichen Einigung interessiert.
Die Forderung bezieht sich auf einen Optionsvertrag aus dem Jahr 2001, wonach sich die WCM verpflichtet haben soll, der IG Farben Immobilien abzukaufen. WCM hatte die vertraglichen Verpflichtungen bereits vergangenen November zurückgewiesen. Dennoch war die WCM-Aktie unter Druck geraten, weil Anleger an der Finanzkraft des Konzerns zweifelten. Die ausbleibenden Zahlungen hatten die Insolvenz der IG Farben besiegelt.
Rückschlag für WCM
Amend war im Mai zur Insolvenzverwalterin des Restkonzerns ernannt worden. Das Unternehmen ist Rechtsnachfolger des Chemiekonzerns, der eng mit dem Nazi-Regime verflochten war. Die Forderungen dürften einen ärgerlichen Rückschlag für die Bemühungen von WCM bedeuten, seine Schulden abzubauen. Erst vor wenigen Tagen hatte der Konzern die Fusion mit den Duisburger Klöckner-Werken bekannt gegeben, um auf diese Weise Kosten zu senken. Eine WCM-Sprecherin wies die Forderungen der IG Farben am Freitag zurück: "Wir sehen keine Grundlage für die Forderungen", sagte sie. Ein verbindlicher Vertrag sei nie geschlossen worden.
Insolvenzverwalterin Amend prüft neben dem Rechtsstreit gegen die WCM auch eine Klage gegen die Schweizer Großbank UBS in den USA. "Wir prüfen das derzeit sehr intensiv." Es fehle allerdings noch das Geld für eine solche Klage. Die UBS ist schon von Aktionären der IG Farben in New York auf eine Summe in Höhe von 2 Mrd. $ verklagt worden. Eine Anhörung dazu hat bereits stattgefunden; der Prozess soll im September fortgesetzt werden.
Im Mittelpunkt des Rechtsstreits in den USA steht die Frage, ob die UBS mit der Übernahme einer früheren Tochtergesellschaft der IG Farben Vermögenswerte erhalten hat, die nicht ihr, sondern der IG Farben selbst zustanden. Auch Amend sagt nun: "Das ist ein Sachverhalt, den wir genau prüfen." Ein Ende des Insolvenzverfahrens sei noch nicht absehbar.
Hohe Schuldenlast
Das Vermögen des Restkonzerns besteht im Wesentlichen aus Immobilien, deren Wert im vergangenen Herbst mit rund 38 Mio. Euro angegeben worden war. Dieser Summe stehen allerdings hohe Schulden gegenüber. Vor allem die Opfer des einstigen Nazi-Konzerns fürchten daher, mit ihren Forderungen nach einer Entschädigung leer auszugehen. Die Entschädigungsfragen der Opfer sollen nun allerdings auf eine neue Grundlage gestellt werden.
Dazu wurde vor wenigen Wochen eine Stiftung nach US-amerikanischem Recht gegründet. Als Stiftungsmitglieder sind dem Vernehmen nach unter anderem der ehemalige Bundesinnenminister Gerhart Baum sowie der vielfach ausgezeichnete Historiker Ernst Ludwig Ehrlich gewonnen worden. Ziel der US-Stiftung sei es, für die Opfer "einen erheblichen Teil des in der Schweiz befindlichen Vermögens zu erzielen", hieß es aus stiftungsnahen Kreisen. Der Name IG Farben sei für erfolgreiche Verhandlungen in den USA zu belastet.
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