Fusion von Konzern-Holding und Klöckner-Werken in der Diskussion - Weitere Firmenverkäufe
Von Norbert Schwaldt
Berlin - Der Frankfurter Beteiligungskonzern WCM plant eine Fusion mit dem Duisburger Maschinenbauer Klöckner-Werke. In zwei bis drei Monaten solle klar sein, welche von drei Optionen in dem angekündigten Konzernumbau umgesetzt werde, sagte WCM-Vorstandschef Roland Flach am Freitag der Berliner Morgenpost zur geplanten Restrukturierung. Neben der Fusion der WCM auf die Klöckner-Holding sei auch umgekehrt die Fusion von Klöckner auf die WCM oder aber der Zusammenschluss in einer neuen Gesellschaft möglich.
Es gebe noch keine Präferenzen, maßgeblich seien auch steuerliche Aspekte. "2004 ist das Jahr, in dem wir die Strukturveränderungen einleiten und 2005 wird es an die Umsetzung gehen", sagte Flach. "Insgesamt wird es eine klare Trennung der Kerngeschäftsfelder Wohnimmobilien und Industrie geben". Die nicht zum Kerngeschäft gehörenden Unternehmen würden in einem dritten Bereich gebündelt. Der Aufsichtsrat werde am 1. September informiert, es werde aber keine Beschlüsse geben.
Bei dem auf der Hauptversammlung Anfang Juni angekündigten Komplettumbau der Gruppe gehe es um die Vereinfachung der Konzernstruktur, hieß es bei WCM, deren größte Assets neben den Klöckner-Werken noch 31 000 Wohnungen sind. Nach dem Verkauf der für Kredite über 600 Mio. Euro verpfändeten Beteiligung am Bonner Immobilien-Konzern IVG und der Vermarktung eines Commerzbank-Aktienpakets von rund fünf Prozent wird die Gruppe weiter verschlangt. "Unsere Investoren sagen uns immer wieder, dass die Organisationsstruktur der WCM zu komplex ist", sagte eine Firmensprecherin.
Der WCM-Konzern hält an den börsennotierten Klöckner-Werken 78 Prozent der Anteile. Die wichtigste Klöckner-Tochter KHS Maschinen- und Anlagenbau AG (Dortmund) sieht sich weltweit in der Spitzengruppe als Anbieter von Abfüll- und Verpackungsanlagen für die Getränkeindustrie. Die KHS-Firmen setzten mit 3300 Mitarbeitern im vergangenen Jahr 675 Mio. Euro um. Anfang Juni wurde der Verkauf der Klöckner-Töchter Desma, Remak und Hänsel angekündigt.
Sollte es zur Fusion des Konzerns und der Tochter Klöckner-Werke kommen, könnten die übrigen Anteilseigner auf ein Übernahmeangebot hoffen. Dies werde ebenfalls diskutiert, hieß es.
Zu den aktuellen Verkäufen gehört die Abgabe der restlichen 15 Prozent Anteile am Berliner Immobilienunternehmen Gehag (21 000 Wohnungen) an die HSH Nordbank sowie die Abgabe von Gewerbeimmobilien. Zum Verkauf stehen 57 Prozent der Maternus-Kliniken. Ende des ersten Quartals betrug die Verschuldung des WCM-Konzerns nur noch 1,2 Mrd. Euro, nachdem 2003 eine Milliarde Euro Schulden abgebaut werden konnte.
Die Familie Ehlerding hält derzeit 23,4 Prozent der WCM-Aktien. Um Milliarden-Schulden zu tilgen, hatten Karl Ehlerding und seine Angehörigen ihren Anteil von 46 Prozent reduzieren müssen. Die Aktien wurden von den Gläubigerbanken am Aktienmarkt platziert. Der WCM-Kurs kletterte gestern bis zum Schluss um rund sechs Prozent auf 1,10 Euro. n.s.
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