23. März 2006, 21:21 Uhr
GEA will Großanlagenbau abstoßen
Der Bochumer Maschinen- und Anlagenbauer GEA will sich vollständig aus dem Großanlagenbau verabschieden. "Der Anlagenbau gehört nicht mehr zu unserem Kerngeschäft", sagte GEA-Chef Jürg Oleas in Düsseldorf.
Damit stellte er in Frage, ob sein Konzern noch "der richtige Aktionär dafür" sei. Eine endgültige Entscheidung müsse der Vorstand aber noch treffen, Gespräche mit Interessenten gäbe es noch nicht.
Die Anfang 2005 noch defizitäre Anlagenbau-Sparte hat in der zweiten Jahreshälfte wieder Gewinn gemacht - für Oleas eine Voraussetzung für einen Verkauf. Zu der Sparte, die gut ein Viertel zum Konzernumsatz von 4,5 Mrd. Euro beiträgt, gehören die Anlagenbauer Lurgi, Lurgi Lentjes, Lurgi Bischoff und Zimmer. "Im dritten und vierten Quartal waren alle vier Unternehmen positiv", teilte GEA mit. Zudem ist der Auftragseingang im Vergleich zu 2004 um 22 Prozent auf gut 1,5 Mrd. Euro gestiegen.
"Rosinenpicken" soll verhindert werden
Ob der Bochumer Konzern alle vier Unternehmen im Paket oder auch einzelne verkaufen würde, ließ Finanzchef Hartmut Eberlein offen. Ein Rosinenpicken, bei dem sich ein Käufer nur die profitablen Geschäfte heraussucht und der Rest bei GEA hängen bleibt, wolle man aber verhindern.
Die Profitabilität der drei Kernsegmente, die zusammen aus mehreren Hundert Unternehmen bestehen und Maschinen für Energie-, Lebensmittel- und Kühltechnik bauen, will Oleas 2006 überproportional steigern. Wachsen will GEA zudem durch Zukäufe. Nach der Übernahme des Würzburger Brauerei-Ausrüsters Huppmann Anfang März sucht Oleas daher gezielt weiter nach Herstellern für Abfüllanlagen und Verpackungsmaschinen. Auch eine Übernahme der Abfüller KHS oder Krones hatte GEA erwogen.
Unter den vier weltgrößten Anbietern von Getränkeabfüllanlagen ist KHS der einzige, der noch nicht Teil eines großen Konzerns ist. Technologisch bleibt KHS - im Besitz des Finanzinvestors WCM - aber deutlich hinter Krones zurück.
Der bayerische Weltmarktführer, der mehrheitlich der Familie Kronseder gehört, "ist zurzeit aber nicht käuflich", hieß es aus GEA-Kreisen. 2005 hatte Krones seinen Umsatz um zwölf Prozent auf 1,7 Mrd. Euro erhöht. Wegen des gestiegenen Preisdrucks in der Branche legte der Gewinn vor Steuern aber nur um zwei Prozent auf 63 Mio. Euro zu. Im laufenden Jahr will Krones Umsatz und Ergebnis weiter steigern.
Geringere Anfälligkeit als Gruppe
Eine Übernahme von Krones stünde nach Angaben von Oleas zudem im Widerspruch zu seiner GEA-Strategie. "Wir wollen große Abhängigkeiten vermeiden und kein Klumpen- oder Branchenrisiko eingehen", stellte er klar. Kein Einzelgeschäft dürfe innerhalb einer Sparte zu dominant werden. "Als Gruppe sind wir nicht so anfällig und können auch die Stahlpreise oder regionale Krisen besser wegstecken."
Die dezentrale Struktur und die große Entscheidungsfreiheit der rund 300 Tochterfirmen sieht Oleas als großen Vorteil. "In diesem Krieg mit den Konkurrenten da draußen können die Geschäftsführer vor Ort viel besser selbst entscheiden als wir in der Zentrale." Auf ein Akquisitionsvolumen für 2006 wollte sich Oleas nicht festlegen. "Sollten wir wider Erwarten keine Zukäufe finden, würden wir eigene Aktien zurückkaufen", kündigte er an.
Beim Ausblick bleibt der Konzern vage. "Wir werden beim Umsatz zulegen und den Gewinn überproportional steigern", sagte Oleas. 2005 hatte der Konzern mit einem Umsatz von 4,5 Mrd. Euro operativ 209 Mio. Euro vor Steuern verdient und damit einen Nettoüberschuss von 95 Mio. Euro erwirtschaftet. Einmalige Belastungen durch den Verkauf der Konzerntochter Dynamit Nobel Kunststoffe von 159 Mio. Euro rissen den Konzern aber mit 64 Mio. Euro in die roten Zahlen. Dennoch will GEA erstmals seit 2002 wieder eine Dividende von 0,10 Euro je Aktie zahlen. Die im MDax notierte Aktie legte um 3,6 Prozent auf 15,02 Euro zu.
© Financial Times Deutschland
Quelle: www.wissen.de/wde/generator/wissen/...ichten/ftd/UB/59478.html