Was würden Sie jetzt kaufen?


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Was würden Sie jetzt kaufen?

 
30.09.01 15:49
Was würden Sie jetzt kaufen?

Der Manager des Pioneer Fund, John A. Carey, sieht in einigen Branchen schon Einstiegskurse - Interview

WELT am SONNTAG: Sie sind seit 1986 Manager des Pioneer Fund und haben schon viele Krisen erlebt. Die Aktienmärkte haben diese weggesteckt. Wie ist es dieses Mal? Hat dieser Anschlag die Welt verändert?
John A. Carey: Ich weiß es nicht. Wir sind in der Mitte der Krise, wir haben es noch nicht überstanden. Es könnte weitere terroristische Akte geben und militärische Aktionen. Das könnte die Wirtschaft treffen.

WamS: Was empfehlen Sie den Anlegern nun?

Carey: Sie sollten unbedingt bei ihren langfristigen Plänen bleiben. Das ist in dieser Situation zwar nicht so einfach. Über ein paar Jahre gesehen bringt es aber am meisten.

WamS: Halten sich die Anleger an Ihre Empfehlung oder haben sie schon Anteile am Pioneer Fund zurückgegeben?

Carey: Bis jetzt hat keiner verkauft.

WamS: Sie müssen also keine Aktien auf den Markt werfen, weil Sie Anleger auszahlen müssen?

Carey: Wir haben keinerlei Verkaufsdruck. Das ist gut, denn wir halten traditionell im Fonds kaum Bargeld. Allerdings haben wir auch den Crash 1987 gut überstanden. Damals sind die Kurse an einem Tag um 22 Prozent gefallen. Es war entsetzlich. Ich war damals zu 99,5 Prozent investiert, genauso wie heute. Und ich dachte: Was mache ich, wenn die Anleger beginnen, ihre Anteile zurückzugeben. Dann muss ich bei diesen schlechten Kursen verkaufen.

WamS: Sie haben einige Aktien, die unter der Krise gelitten haben. Werden Sie vieles umschichten?

Carey: Gelitten haben die Aktien von Versicherungen, Brokern, Fluglinien und konsumnahen Unternehmen. Wir haben aber im Fonds keine großen Beträge in Fluglinien. Nur eine: Southwest Airlines. Diese werden wir auch behalten. Wir haben zudem Aktien von Boeing. Die zwei Aktien von Rückversicherern haben wir verkauft.

WamS: Warum haben Sie diese verkauft?

Carey: Ich glaube, die Risiken sind zu groß. Man kennt die Höhe der Verluste noch nicht. Auch sind Klagen zu erwarten. Außerdem könnten noch weitere Katastrophen passieren. Da wollte ich vorsichtig sein. Diese Aktien haben aber nur ein Prozent des Fondsvermögens ausgemacht.

WamS: Wann haben Sie diese verkauft?

Carey: Ein, zwei Tage nach den Anschlägen.

WamS: Haben Sie auch zugekauft?

Carey: Ja, ich habe die Position von Boeing aufgestockt. Auch ein, zwei Tage nach den Anschlägen. Sonst habe ich nicht viel gemacht. Ich beginne aber, andere Kaufchancen zu sehen. Und in den kommenden Wochen werde ich einige Aktien kaufen. Das hängt aber natürlich von der Entwicklung des Marktes ab.

WamS: Was werden Sie kaufen?

Carey: Aktien von Finanzinstituten bieten inzwischen sehr gute Chancen.

WamS: Welche?

Carey: Ich kann keine einzelnen Aktien nennen. Aber die Aktien von Brokern sind überverkauft. Einige der konsumnahen Aktien sind ebenfalls billig. Viele Marktbeobachter fürchten, dass das Weihnachtsgeschäft und die Ausgaben der Konsumenten stark zurückgehen werden. Aber auf lange Sicht macht das nichts aus. Es wird wieder Jahre geben, in denen das Weihnachtsgeschäft gut läuft.

Ich glaube, dass der Technologiesektor sehr gute Kaufgelegenheiten bietet. Wir waren in den vergangenen sechs, acht und zehn Monaten dort sehr aktiv. Wir werden weiterhin auf diese Branche achten. Manche Unternehmen sind sehr billig.

WamS: Welche Technologie-Aktien halten Sie denn?

Carey: Einige unserer wichtigsten Positionen sind IBM, Texas Instruments, Intel, Applied Materials und Microsoft.

WamS: Also sollen Anleger diese Aktien jetzt kaufen?

Carey: Einige sind sehr billig. Wir hoffen generell, dass die Anleger bei diesen stark diskontierten Preisen mehr Aktien und Fonds kaufen. Wenn man ein langfristiges Anlageziel hat, ist der Einstiegszeitpunkt fast egal. Die aktuelle Situation ändert nichts. Es ist nur ein Problem, wenn man das Geld jetzt braucht und mit Verlust verkaufen muss.

WamS: Was ist für Sie langfristig?

Carey: Fünf, zehn oder 15 Jahre. Vielleicht auch nur drei. Wer jetzt investieren kann auf dem niedrigen Niveau, findet sehr attraktive Chancen.

WamS: Was passiert, wenn die Kurse in den kommenden Monaten oder im nächsten Jahr weiter fallen?

Carey: Das ist möglich. Wir wissen es nicht. Es kann sein, dass es noch bessere Einstiegsmöglichkeiten geben wird.

WamS: Dann haben die Anleger Ihren Fonds zu teuer gekauft?

Carey: Ich empfehle den Kunden eine langfristige Sicht. Die Einstiegskurse können sie "runtermischen", wenn sie in einem Anlageprogramm einen bestimmten Betrag jeden Monat investieren. Dann kaufen sie in einem Monat zu einem niedrigeren Preis mehr Anteile und dann wieder zu einem höheren Preis weniger Anteile. Anleger sollten nicht versuchen, die tiefsten Kurse zu bekommen. Das wird nie klappen. Wenn sie kontinuierlich kaufen, werden sie dabei sein, wenn die Wirtschaft wieder stärker wächst. Was ich glaube.

Seit 1928 eine Wertsteigerung von 13 Prozent pro Jahr

Berlin - Der Pioneer Fund ist der viertälteste Investmentfonds der Welt. Er wurde 1928 von Philip L. Carret gegründet, der vor drei Jahren im Alter von 101 Jahren gestorben ist. Den Crash von 1929 und zahlreiche Krisen und Kriege hat der Fonds gut überstanden. Er investiert in große US-Aktien, die nach fundamentalen Kriterien ausgewählt werden. Wer zum Fondsstart 10.000 US-Dollar investiert hat, besitzt nun mehr als 74 Millionen Dollar. Das ist eine durchschnittliche jährliche Wertentwicklung von 13 Prozent. Der S&P-500-Index hat "nur" 10,4 Prozent gebracht.

Das Interview führte Waltraud Kaserer.

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schmuggler:

Interessantes Interview. Hab Dank! o.T.

 
30.09.01 16:18
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