web.s-investor.de/app/nachrichten/...2CP&fromProgram=news
Bundeskartellamt würde baldigen Atomausstieg begrüßen
Berlin, 13. Apr (Reuters) - Das Bundeskartellamt würde einen baldigen Ausstieg aus der Atomkraft aus Wettbewerbssicht begrüßen. "Der Wettbewerb könnte sich in der Tat beleben", sagte der Präsident des Bundeskartellamtes, Andreas Mundt, der "Süddeutschen Zeitung" (Donnerstagsausgabe) laut Vorabbericht. "Wenn Deutschland aus der Atomkraft aussteigt, wird es die Chance für Strukturveränderungen geben. Und das könnte dazu führen, dass die Macht der großen Vier - also RWE, E.ON, Vattenfall und EnBW - kleiner würde." Die Konzerne kontrollieren Mundt zufolge 80 bis 85 Prozent des Marktes.
Beim Atom-Ausstieg könnten andere Wettbewerber, etwa Anbieter regenerativer Energien, Marktanteile hinzugewinnen. Dazu käme die Öffnung der Märkte in Europa. "Möglicherweise gibt es dann am Ende auf den europäischen Energieerzeugungsmärkten gar keine marktbeherrschenden Unternehmen mehr," fügte Mundt hinzu.
Zudem kündigte Mundt an, dass das Bundeskartellamt die Preisbildung der Mineralölkonzerne genauer untersuchen könnte. "Wir können nicht ausschließen, dass sich weitere Maßnahmen anschließen werden", sagte Mundt. "Fünf große Konzerne beherrschen den Markt. Preisbewegungen sind immer auch Ausdruck der Marktverhältnisse, die Benzinpreise folgen also nicht nur der Entwicklung der Rohölpreise." Mundt kündigte an, Ende Mai die Ergebnisse vorstellen zu wollen.
Für das kommende Jahr rechnet das Bundesskartellamt zudem mit einer wieder steigenden Zahl von Fusionen in Deutschland. "Wir erwarten so um die 1200 Anmeldungen. Die Kriegskassen der Unternehmen sind gut gefüllt. Es gibt wieder Appetit auf Fusionen." 2010 hatte das Bundeskartellamt 1000 Fusionsanmeldungen verzeichnet, 2007 waren es noch mehr als doppelt so viele gewesen. Die Zahl waren aber unter anderem wegen der Wirtschaftskrise zurückgegangen.