Der heiße Zock scheint wieder eröffnet. Neue Entwicklungen bei der Aktie von Washington Mutual (WaMu): Innerhalb weniger Tage legte der Wert eine dreistellige Performance hin. Aktionäre der ehemals größten Sparkasse der USA, die im Zuge von Fehlspekulationen und des Zusammenbruchs des US-Immobilienmarktes Insolvenz unter Chapter 11 anmelden musste, werden wieder euphorisch.
Sind nur die Spekulanten zurück oder gibt es grundlegende Entwicklungen, die diesen Kursanstieg begründen? Vergangene Woche konnte sich Washington Mutual Medienberichten zufolge mit ihren Anteilseignern auf einen vorläufigen Vertrag einigen, der das Ende der Insolvenz einläuten soll. Damit scheint die Aktionärsgruppe Equity Council, die bislang einer Neustrukturierung der WaMu im Weg stand, ihren Widerstand aufzugeben.
Während des Insolvenzverfahrens wurden von Seiten der Aktionäre verstärkt Vorwürfe des Insiderhandels gegen die beteiligten Hedge Funds laut. In einer Wendung entschieden die Hedge Funds nun anscheinend, die Aktionäre an der künftigen Entwicklung Washington Mutuals nach der Insolvenz zu beteiligen. Im Gegenzug sollen sie auf weitere Nachforschungen des Insiderhandels verzichten. Mit einer direkten Beteiligung am Unternehmen könnten sie unmittelbar an einem möglichen Liquidationserlös partizipieren. Die boerse.ARD spricht in diesem Zusammenhang von Anteilsscheinen an einer noch zu gründenden Versicherungsgesellschaft.
Die Washington Mutual Aktien teilen sich in so genannte „preferred shares“ und „common shares“. Ob und wer letztlich was und wie viel bekommen wird, ist allerdings weiterhin offen. Laut boerse.ARD sollen die Verhandlungen bis Mitte August dieses Jahres abgeschlossenen sein. Bis dahin sind der Spekulation in jede Richtung Türen und Tore geöffnet.
Aktionäre spekulieren seit dem Zusammenbruch der Washington Mutual über mögliche Entschädigungszahlungen infolge der Absplittung und des Zwangsverkaufs der Bank an die Investmentbank JP Morgan. Der Verkaufspreis von 1,9 Millionen US-Dollar erscheint vielen WaMu-Aktionären zu niedrig. Sie verlangen Aufklärung der genauen Umstände. Ein Gutachten aus dem Herbst 2010 wies allerdings die Anschuldigung von Unregelmäßigkeiten und Verfehlungen im Zuge des Verkaufs und der Insolvenz zurück. Die WaMu-Aktie ging darauf hin weiter in die Knie. Der tiefste Punkt wurde am 15. März 2011 mit 0,024 Euro an der Börse Frankfurt markiert.
Hintergrund:
Der Zusammenbruch der Washington Mutual Bank am 28. September 2008 war einer der größten in der Geschichte der Vereinigten Staaten. Nachdem Anleger massiv Geld abzogen, wurde eine landesweite Panik befürchtet und die Bank geschlossen. Die staatliche Einlagensicherung Federal Deposit Insurance Corporation (FDIC) verkaufte das Bankinstitut an die Investmentbank JP Morgan. Die Washington Mutual, Inc., die Dachgesellschaft der Washington Mutual Bank meldete daraufhin Insolvenz an. Aktionäre verfügen im Fall einer Insolvenz nach US-amerikanischen Recht über nur sehr geringe Ansprüche.
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