Hallo und einen wunderschönen Tag allen WAMUanern!
….ich habe den Eindruck, dass viele derer, die sich mit dem Fall Washington Mutual befassen, egal mit welchen Hintergedanken, hier nur einfach drauf los posten, aber sehr wenig Ahnung davon haben, was dort wirklich abgeht.
Ich befasse mich hier nicht mit der Beschlagnahme der WMB (Washington Mutual Bank), sowie der – möglicherweise zu Unrecht – beschlagnahmten WMBfsb (Washington Mutual Federal Savings Bank) durch das OTS, sondern mit der Holding WMI (Washington Mutual Inc.) die nach Verkauf der Washington Mutual samt ALLER angeschlossener Konzernunternehmungen an JPM sofort Konkurs nach CH11 anmeldete.
…und generell muss zwischen einem Verfahren vor dem DC (District Court = hier: Zivilgericht) und dem BC (Bankrupty Court) unterschieden werden.
Wenn ein Unternehmen in Insolvenz gerät, wenn also die Summe der Verbindlichkeiten die Summe der Unternehmenswerte übersteigt und damit zahlungsunfähig wird, hat ein Unternehmen hierzulande Konkurs anzumelden. Das Firmenvermögen wird nach Maßgabe eines Konkursverwalters verwaltet und veräußert. Die Anteilseigner (Stammaktionäre) des insolventen Unternehmens müssen in der Regel nach Abschluss der Insolvenz entschädigungslos auf ihre anteiligen Besitzrechte am Unternehmen verzichten.
In den USA hat ein Unternehmen die Möglichkeit ein Insolvenz-Verfahren nach Ch11 (Reorganisation) zu beantragen (auch schon bei drohender Insolvenz!). Während eines Verfahrens nach Ch11 versucht das Unternehmen, weiterhin geschäftstätig zu bleiben und sich dadurch aus der Insolvenz zu retten. Wenn die rechtlichen Anforderungen erfüllt sind, kann das Unternehmen im Rahmen eines POR (Plan of Reorganization = Reorganisationsplan) seine Schulden reduzieren, ungünstige Verträge und Leasingverträge vorzeitig beenden und Urteile in anhängigen oder drohenden Gerichtsverfahren stoppen. Im Falle WMI sieht der aktuelle POR sogar vor, die involvierten Parteien, wie JPM, FDIC und WMI’s BOD (Board of Directors) zu entlasten, sodass im Anschluss an das Verfahren keine weiteren rechtlichen Schritte zulässig sind.
Grundsätzlich bestehen dafür zwei Möglichkeiten:
(1) Equity is in the money: bedeutet, dass dem Unternehmen nach Abschluss des Ch11-Verfahrens mehr Kapitalmittel zur Verfügung stehen als, tatsächlich als Rest-Forderung an die Gläubiger auszuzahlen wäre. Das Unternehmen wird weiterhin von den eigentlichen Eigentümern (Shareholder, die ein BOD wählen) weitergeführt.
(2) Equity is out of money: bedeutet, dass die bisherigen Gläubiger zu den neuen Besitzern des umstrukturierten Unternehmens werden. Sie hoffen (oder sind sich sogar sicher!), dass der zukünftige Erfolg ihre finanziellen Verluste ausgleichen wird.
In einem BK-Verfahren nach CH11 geht es EINZIG darum ob A > L (Punkt 1) oder A < L (Punkt 2). Auf andere Befindlichkeiten wird KEINERLEI Rücksicht genommen. Das BK-Verfahren nach Ch11 wird durch einen, von den Schuldnern eingebrachten POR beendet. Gegen diesen POR kann Einspruch erhoben werden, bzw. MUSS dieser vom Richter(in) abgelehnt werden, wenn diverse gesetzliche Voraussetzungen fehlen! (hier: Liste der Assets)
Wurde der POR des Schuldners abgelehnt, können ein oder mehrere “Alternate POR“ eingereicht werden, worüber dann seitens des(r) Richters/in entschieden wird, welchem POR der Vorzug gegeben wird.
Der derzeitig zur Diskussion stehende POR geht von Punkt 2) aus, was bedeutet, dass die „Stakeholder“, d.s. am Unternehmen interessierte Gläubiger, aber auch die derzeitige Geschäftsleitung und zukünftige Finanziers, das Unternehmen weiterführen.
Derzeit steht noch KEIN “Alternate POR“ zur Diskussion!
Die Tragweite der eigentlichen Auseinandersetzung im Falle WMI geht weit über den normalen Ablauf eines CH11-Verfahrens hinaus. Das ist jedem hier im Thread bekannt und muss nicht nochmals erläutert werden.
In WMI’s Ch11-Verfahren geht es momentan darum, dass man durchaus auch davon aus gehen könnte, dass Punkt 1) (A>L) möglich wäre, wenn alles seine Ordnung hätte. …hat es aber nicht !
In diesem Falle, sieht die Gesetzgebung das Mitspracherecht eines US-Trustees vor, der die Interessen der Shareholder (Equity) zu vertreten hat. Dieser bestellt ein EC (Equity-Commitee), das in der Regel zunächst aus 7 Mitgliedern besteht. Das vom UST vorgeschlagene EC wird von einem(r) Richter(in) bestätigt und ist fortan gleichberechtigt mit den anderen Interessensgruppen am Konkursverfahren beteiligt.
Im Vordergrund steht THJMW (Mary Walrath), deren Entscheidungen einfach von der Öffentlichkeit nicht zur Kenntnis genommen werden wollen!
Ich habe schon in meinen diversen Wortmeldungen öfter darauf hingewiesen, dass die Gesetzgebung der USA mit der in Europa (ausgenommen Großbritannien) überhaupt nicht vergleichbar ist.
THJMW kümmert das alles überhaupt nicht und SIE MUSS SICH DARUM AUCH NICHT KÜMMERN, solange dem Konkursrecht keine zuwider liegende Handlung vorliegt! Sie liest weder an sie bzw. das Gericht gerichtete Briefe oder nimmt öffentliche Stellungnahmen wahr. Nur verfahrensrelevante “Dokets“ (in einem Datenpool gespeicherte Dokumente) sind von ihr entsprechend zur Kenntnis zu nehmen und zu behandeln.
Ein(e) Richter(in) am Konkursgericht übernimmt in den USA die Rolle eines Moderators. Es werden die Argumente der am Fall beteiligten Interessensgruppen in einem Hearing angehört. Einer bei Gericht eingebrachten Motion (=Ansuchen), kann durch Eingabe einer Objection (=Einspruch) widersprochen werden. Bei fehlender Objection wird dem Ansuchen in der Regel immer statt gegeben, ansonsten entscheidet der/die Richter(in) aufgrund (1) der gegensätzlichen Ansichten, bzw. (2) hauptsächlich nach der Judikatur bereits getroffener Entscheidungen, durch “granted“ (=bewilligt) oder “denied“ (=abgelehnt).
Nur in einem “Summary Judgement“ (SJ) ist der/die Richter(in) aufgefordert ein URTEIL zu sprechen.
Der Bankruptcy-Court (Konkursgericht) in Delaware ist dafür bekannt, dass Entscheidungen meist zugunsten des Unternehmens getroffen werden. Das Unternehmen WMI, wird von der Anwaltskanzlei Weil, Gotshal & Manges (W&G) durch den Anwalt Brian Rosen vertreten, dessen generelle Vorgangsweise derzeit unstrittig bekannt ist.
Leider machte sich außer Joyce Presnall (JP) niemand darüber Gedanken, dass diese Kanzlei dafür bekannt ist, die Shareholder anlässlich eines CH11-Verfahrens in die Wüste zu schicken. So ist es nur ihr und ihrem unermüdlichen Durchsetzungsvermögen zu danken, dass ein EC überhaupt bestellt wurde, indem sie bereits in Februar 2009 begann alle Fakten zu sammeln, die darauf schließen ließen, dass W&G auch diesmal gemeinsam mit Alvarez & Marshal (als BOD) auf die bereits bekannte Art vorzugehen gedachte. Viele (und ich gestehe, auch ICH) haben sich mit ihr auseinander gesetzt, weil durchaus bekannt war, dass W&G durch die sogenannten Texas-Claims vor einem DC (in TX) massiv, sowohl gegen JPM als auch die FDIC mit einer Sammlung von “hot-doc“s strafrechtlich vorgehen würde.
JP setzte sich schließlich durch und mailte mir am Freitag, 26. Juni 2009 03:07 u.a.:
“At this point and time, it becomes imperative that we get the court to appoint an Equity Committee to protect our interests, so that the stock does not get canceled, and any settlements or buyouts include ample money for stockholders...“
Schließlich wurden ihre Ansichten auch ganz deutlich in dem Hearing am 9. Dezember 2009 bestätigt, doch B. Rosen’s sicherlich gewissenhaft vorbereiteter Plan ging nicht auf.
Schon einige Male wurde im Thread die Verwunderung geäußert, warum denn Susman nicht vor dem Court erscheint. Nun, das hat wieder ganz andere Gründe:
Ich habe schon so oft erwähnt, dass es vor diesem Gericht hauptsächlich auf den Sprachgebrauch ankommt!
…und hier scheint B. Rosen doch der BESSERE zu sein, der auf seine „schleimende“ Art (leider gibt es dieses Wort nicht explizit in Englisch) nicht fordert, sondern IMO die emotionale Verfassung der Richterin ausnutzt, um seine Argumentation ins rechte Licht zu rücken (das Pawlowsche Paradoxon: man wird manipuliert, ohne sich selbst darüber bewusst zu sein).
Der Anteil der Botschaft wird bereits auf einer vor- bzw. unbewussten Ebene kommuniziert. Wenn also B.Rosen z.B. sagt: „Euer Ehren! Sie stimmen dem sicherlich zu, wenn ich auch jetzt nicht Ihrer unabhängigen Entscheidung vorgreifen möchte, dass...(...das Gesagte soll entschieden werden!), dann kann er damit rechnen, dass der/die Richter(in) zu SEINEM Gunsten entscheidet.
Dazu kommt, dass man im Gebiet um NY (Nord-Osten der USA) sehr viel in Phrasen (Wortspielen) ausdrückt und damit den rhetorischen Inhalt der Aussage steigert (siehe Wien, im Deutschen).
S. Susman wiederum ist Texaner und in seiner Sprachweise korrekt und gradlinig. Sicherlich ist er der bessere Jurist von beiden und auch in der Lage, die Situation eines Moments wesentlich besser zu analysieren und darauf zu reagieren, als B. Rosen. Es ist aber auch überhaupt nicht verwunderlich, wenn sein Partner Justin A. Nelson vor Gericht auftritt, der (vermutlich auch wegen seines Alters) bei THJMW besser ankommt, als der beinahe 70-jährige Susman.
Susman’s Erfolge sind durchwegs darauf zurück zu führen, dass er vor einem Trial am DC die dort gebräuchliche Sprache beherrscht. Am DC obliegt es dem(r) Richter(in) den Inhalt und Fortschritt einer Verhandlung zu bestimmen. Natürlich ist auch vor dem DC eine umfassende Kenntnis der Judikatur von größter Wichtigkeit, doch in erster Linie gilt es in einem “Trial by Jury“ (Schwurgerichtsverfahren), die Jury (ähnlich unseren Geschworenen) mittels Fakten davon zu überzeugen, dass hier ein konspirativer Betrug geplant war und auch letztlich durchgeführt wurde, bzw. versucht wurde, die reguläre Gesetzgebung auszuhebeln.
Jenen, die immerfort THJMW wegen ihrer getroffener Entscheidungen angreifen oder auch andauernd versuchen Susman in eine Rolle zu drängen, die ihm absolut nicht zukommt, sollten sich tatsächlich mehr an Hintergrundwissen aneignen, bevor sie wild drauf los schreiben. Oftmals werden dabei Behauptungen aufgestellt, die jenseits jeder Kritik liegen.
Soweit so gut.
Hier wie dort gilt: “Who laughs at last, laughs the best“ = wer zuletzt lacht, lacht am Besten.
Rosen’s exakte Planung ist an einem Punkt angekommen, wo man in den USA einfach nur mit Erstaunen feststellt: OOPS!
Rosen’s Vorwärtsstrategie in Zusammenarbeit mit A&M ist davon geprägt auf jeden Fall „Equity Is Out Of Money“ (also A<L) zu erreichen und dabei IMO, hat er in seiner erfolgsorientierten Gier einfach wesentliches übersehen:
(1) musste ihn erst der Examiner darauf aufmerksam machen, dass WMI rund USD$ 20Mrd. an NOLs verlieren könnte, wenn das Ch11-Verfahren wie angedacht endet und WMI keine Möglichkeit besitzt, diesen Steuervorteil auch zu nutzen.
Natürlich hat B.Rosen sofort reagiert und voreilig mit seiner “Motion to Abandon WMI…“ geantwortet.
(2) IMO dürfte es seinem Naturell entsprechen, bei der Verteilung von Geldern (die nicht seine sind) darauf zu achten, dass die ihm Wohlgesonnenen (besser will ich mich gar nicht ausdrücken) etwas besser davon kommen, als eventuelle Mitläufer. So konnte es geschehen, dass er ehemaligen Gläubigern einen Anteil von 5% an der „neuen“ WMI anbot.
(3) …dabei dürfte er aber übersehen haben, dass Gläubiger, die 51%-Anteil an Forderungen besitzen, gesetzeskonform als Investoren auftreten dürfen, die mit ihrer Investition das Unternehmen nicht kaufen, sondern nur eingliedern (“mergen“) und damit auch den bestehenden Steuervorteil übernehmen dürfen, der bei Kauf verloren ginge.
(4) …wenn also ein Gläubiger die NOLs tatsächlich auch nutzen kann, ist eine Investition von ca. US$ 6,5 Mrd. für ihn eine 0-Nummer, da er die getätigte Investition durch eine Steuerrückvergütung ersetzt bekommt …und rechnet man zum vorliegenden Wert der vollen Assets diesen Betrag hinzu….. BINGO!!!
Übersehen wurde ein Investor namens TRICADIA, der diesen Voraussetzungen entspricht! Mittels eines “Alternate POR“, der so gestaltet ist, dass er von THJMW jedenfalls dem bestehenden POR vorzuziehen wäre... so er denn abgelehnt wird(!), hat Rosen mit seinem Genaralstabsplan FERTIG!
Ungelöst ist auch noch eine durch TPS ins Gespräch gebrachte, ausstehende Entscheidung....
...nur ein vorgezogenes Settlement von JPM und FDIC wäre in der Lage, diesen Prozess zu stoppen.
Ich bin kein Anwalt, aber durchaus in der Lage, die momentan vorherrschende Situation einfach realistisch zu betrachten! Es kann auch ganz anders kommen (so wie es Wilhelm Busch mal vor 150 Jahren sagte).
IMO sind derzeit ALLE Anstrengungen von äußester Wichtigkeit, für den Ausgang dieses Ch11-Verfahrens und natürlich auch für UNS....!
Nicht zuletzt unseren UNITED-Gründern ist es zu danken, dass hier soviel Dampf erzeugt wurde (und noch wird), damit alle Räder tatsächlich auf höchsten Touren zu laufen imstande sind. Der Fall WMI ist noch nicht zu Ende… wenngleich wir in der Zielgeraden vermutlich vorne weglaufen. Die kräftigste Unterstützung ALLER ist weiterhin gefragt!
…und ein sinnvoller Umgang, mit dem was und wie hier zukünftig gepostet wird!
…deshalb habe auch ich mir die Zeit genommen, …damit ewigen Mutmaßungen endlich Einhalt geboten wird.
LG ID_pb
PS: an meine "Freunde" die zwischen den Zeilen lesen. Das Wort "IMO" (=In My Opinion; deutsch: meiner Meinung nach) wurde von mir aus strafrechtlichen Gründen verwendet!
Alles klar?