Vorliebe für Pepsi und Pink - Palast Mullah Omars


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Vorliebe für Pepsi und Pink - Palast Mullah Omars

 
16.12.01 17:47
SPIEGEL ONLINE - 16. Dezember 2001, 12:41
URL: www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,173068,00.html
Mullah Omar

Vorliebe für Pepsi und Pink

Der Palast Mullah Omars am Rande von Kandahar bietet interessante Einblicke in das Leben des Talibanführers. Der islamische Fanatiker hat offensichtlich ein Faible für amerikanische Softdrinks und kitschige Badearmaturen.

 
AFP/DPA

Residenz des Mullah Omar: Pepsi-Dosen im Garten


Ein schwer bewaffneter Mann mit Turban und einem gewaltigen Schießprügel steht inmitten einer kargen Berglandschaft auf Ruinen. In der Hand hält er einen kleinen Weltempfänger und lauscht versonnen den Nachrichten. "BBC Paschtu-Service. War alles verboten", sagt der Soldat und grinst. Träge genießt er die wärmenden Sonnenstrahlen an diesem Wintertag in Kandahar, hinter seinem Rücken ragt ein Berggipfel himmelwärts, Baba's Mountain.

Die Trümmer sind die zerstörten Teile der Residenz von Mullah Mohammed Omar, Anführer des untergegangenen Reiches der islamistischen Taliban. Sein Wohnsitz war eines der ersten Ziele amerikanischer Präzisionswaffen. Nach dem Fall von Kandahar am Freitag vorvergangener Woche zogen Kämpfer der Anti-Taliban-Allianz in die geheimnisumwitterte Feste ein.

Die Sieger plünderten nach der Flucht des einäugigen Mullahs so ziemlich alles, was die Wunderwerke menschlicher Vernichtungskunst noch heil gelassen hatten. Und wo Omar einst über die höchste Vollendung des Werkes Allahs auf Erden meditierte, riecht es jetzt nach Fäkalien. Mancher Anti-Taliban-Krieger erleichterte sich mit Inbrunst im ehemaligen Hort der Macht.

Erinnerungen an den trüben Charme der DDR

Das Anwesen des obersten Steinzeit-Islamisten liegt in einem hoch gelegenen Endtal am Rande der Stadt. Abgeschieden herrschte er dort, autark und schwer bewacht. Das Areal heißt Kotal Imorcha ("Felsenbunker"), es ist so groß wie zehn Fußballfelder und umgeben von einer erdfarbenen Mauer. Sie versperrt den Blick auf die Residenz jenes Bauernsohnes, der sich 1996 den Mantel des Propheten Mohammed umhängte und zum Befehlshaber der Gläubigen aufstieg.

Die Bomben des Erzfeindes Amerika und die Krieger der Anti-Taliban-Front beendeten Mullah Omars Mission, die für die Menschen in Afghanistan zur Hölle wurde. Er muss geahnt haben, dass es einmal so kommen würde: Die Gebäude, die er mit seinen drei oder vier Frauen bewohnte, hatten meterdicke Stahlbetonwände, sie waren als Bunker konzipiert und wecken, bei allem Protz und Gigantismus, Erinnerungen an den trüben Charme der DDR.

Dem Durchschnittsbürger, der zwischen einem und fünf Dollar im Monat verdient, wäre das Leben hinter diesen Mauern märchenhaft erschienen. Es gab Kühlschränke und Tiefkühltruhen, Eiswürfelmaschinen und Wasserkühler. In den mit Klimaanlagen versehenen Stallungen außerhalb des Wohntraktes hatten sogar die Kühe eigene Wasserhähne. "Dem Vieh ging es besser als uns", klagt ein Sieger - denn während die Taliban-Führung dem Volk Verzicht auf jegliche Annehmlichkeiten predigte, lebte sie selbst in ziemlich üppigem Stil.

Überall auf dem weitläufigen Gelände liegen leere Pepsi-Cola-Dosen herum. Der Mullah, sagen die Leute hier, liebte Pepsi. Und noch ein Faible hatte er offenbar: für Keramik und Armaturen in Pink. Die finden sich in nahezu jedem Badezimmer. Immer wieder dasselbe Bild: Pepsi und Pink. Willkommen in Absurdistan.



 
AP

Mullah Mohammed Omar: Vorliebe für amerikanisches Zuckerzeug


Ein unübertrefflich kitschiger Brunnen empfängt Besucher des Palastes im Ödland, ein Monument aus Drahtgewebe und Zement, ein kleines Gebirge mit aufgemalten Wasserfällen, an dessen Fuß sich hüfthohe Palmen gruppieren. Keine Frage aber, die Moschee mit ihren vier Minaretten zur Linken ist das schönste Gebäude im Tal, mit viel Marmor, bunten Malereien, Klimaanlage und Ventilatoren.

Ihr gegenüber, getrennt durch eine Mauer, steht noch das Gästehaus des Mullahs. Omar traf sich mit arabischen Freunden, mit Günstlingen und Bewunderern. Da nur Pakistan, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate das Taliban-Regime anerkannt hatten, waren Staatsbesuche selten.

Vergangenen Mittwoch tagte hier bereits Afghanistans künftiger Interims-Premier Hamid Karzai, der den "Terroristen" Omar so schnell wie möglich vor Gericht stellen möchte. Wenn er ihn denn kriegt. Die Narbe auf Karzais linker Wange ist ein Andenken an so genanntes freundliches Feuer im Rahmen der amerikanischen Luftunterstützung, die drei GIs und fünf Afghanen das Leben kostete. Beinahe hätte die U. S. Air Force den frisch gekürten Regierungschef in die Luft gesprengt.

Es geht um Pfründe, Opium und Entwicklungshilfe

Ob Karzai und Gul Agha, der neue Gouverneur der Provinz Kandahar, sich vertragen? Vorvergangene Woche, kurz nach dem Fall der Stadt, hatte es noch aus Karzais Umfeld geheißen, der "Hundekämpfer" Gul Agha könne noch nicht einmal auf die Unterstützung seines eigenen Stammes, der Barakzai, zählen und werde nie den Posten bekommen - Hundekämpfer, weil der geschäftstüchtige Clan-Führer früher beißwütige Hunde für zahlendes Publikum aufeinander gehetzt hatte. Dennoch entschied Gul Agha, der bereits vor den Taliban die Macht in Kandahar innehatte, die Konkurrenz für sich.

Mullah Naqibullah, dem die Taliban die Stadt übergeben hatten, besann sich offiziell "auf sein Alter". Er bevorzugt, wenn auch unerwartet, einstweilen den Ruhestand. Das Kommando über seine Truppen übergab er einem Offizier. In zwei Jahren soll gewählt werden in Afghanistan, vielleicht taucht Naqibullah dann ja wieder auf - sofern der Frieden nach 23 Jahren Krieg überhaupt so lange hält. Denn bei den Streitereien um Gebiets- und Machtansprüche zwischen den Stämmen und Warlords fällt das Wort Krieg nur allzu leicht. Schließlich geht es um Pfründen und Geld, um Opium, Schmuggel und bald auch um finanzielle Hilfe aus dem Westen.

Wenn seine Besucher derart profane Themen anschnitten, brauchte Mullah Omar nur durch ein Stahltor zu schreiten, und er war in seinen Privatbereich entschwunden. Dort befanden sich Schlafzimmer und Büros, Garagen für seine 21 Geländewagen, separate Räume für die Frauen und deren Kinder, Gärten, Ställe, Werkstätten und Wirtschaftsräume. Die Wände der Wohnzimmer zieren unbeholfene Landschaftsmalereien, deren naive Harmonie hier und da durch Panzer oder Kampfflugzeuge konterkariert wird. So mochte es der Mullah offenbar.

 
AP

Wandgemälde vor Mullah Omars Haus: Kein asketischer Lebensstil


Das Zentrum des Gebäudekomplexes bildet Omars Dachgarten mit einer bunten Glaswand. In deren Metallrahmen fehlen jetzt, wegen der US-Bomben, ein paar Scheiben. Und auf dem Dach wacht ein Soldat mit einem AK-47-Schnellfeuergewehr. Seine Mitkämpfer ruhen sich in Omars Schlafzimmer aus. Sie freuen sich über die weiche Royal-Prince-Foam-Matratze. "Hubada, Hubada", sagt einer freundlich grinsend, als er die Federung testet.

Das Schlafgemach des einstigen Hindukusch-Herrschers hat den Woolworth-Look längst vergangener Jahre. Die Schrankwand ist aus Holzimitat-Furnier, an der Decke hängen zwei Kronleuchter-Imitate und ein Ventilator, ebenfalls in Kaufhaus-Qualität. Ästhetisches Glanzlicht ist ein Glasbild von Medina in einem dünnen Blechrahmen mit Hintergrundbeleuchtung. Das angrenzende Badezimmer: Armaturen und Keramik in Pink. Das gegenüberliegende Büro: Schreibtische und Aktenschränke wie aus Restbeständen der Sowjetunion.

Die Ober-Taliban schätzen westliche Errungenschaften

Falls Osama Bin Laden das alles bezahlte, wie es heißt, hätte er ruhig etwas spendabler sein dürfen. Andererseits - wo hätte sich der Sinn fürs weltlich-westlich Schöne entwickeln können? Die Madrassen, die Koranschulen, in denen auch Omar seine Ausbildung genoss, sind in dieser Hinsicht ungeeignet. Immerhin wusste er die Vorteile westlicher Errungenschaften wie Luxusautos, Klimaanlagen und Wassertoiletten zu schätzen.

Wer den Verursacher der Wandgemälde sucht, findet nur noch dessen Werkstatt, wo einige unvollendete Arbeiten auf Sperrholz an den Wänden lehnen und es immer noch nach frischer Farbe riecht. Im Bombenkrater vor dem Atelier liegen zwei poröse Atemschutzmasken aus schwarzem Gummi. Offenbar rechneten Mullah Omar und seine Getreuen mit einem Giftgasangriff.

Die Aufnahmen, die amerikanische Aufklärungssatelliten von Omars protzigem Palast zur Auswertung ins Pentagon funkten, waren äußerst präzise. Sie offenbarten zum Beispiel auch die drei Eingänge zu einem 200 Meter von der Außenmauer entfernten Tunnelkomplex, der als Luftschutzbunker diente. Jetzt sind deren Stahlträger aufgebogen wie Blumendraht, die Wände drinnen schwarz verkohlt, kalter Rauch hängt in der Luft.

"Erbaut im Jahr 1422", steht in arabischer Schrift über einem der Eingänge zur Unterwelt. Das Jahr 1422 bezieht sich allerdings auf die islamische Zeitrechnung und bedeutet 2001 nach Christus. Lange hat es nicht gehalten.


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prom:

Marabut, ab und an bist Du nicht sehr schnell o.T.

 
17.12.01 20:22
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Marabut:

Und Du bist zu blöd, die richtige Schublade zu

 
17.12.01 20:26
finden! Ich habe den Artikel auch schon am 14 gelesen, war aber zu faul zum posten! Wenn Du und andere aber was auf dem kasten hätten, dann würdet ihr nicht immer eure Gurken blind in die Landschaft setzen, sondern da wo sie hingehören, dann wüprde dieses Board auch nocht so verlaust aussehen! Denk mal drüber nach!
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prom:

Jawoll, Eminenz o.T.

 
17.12.01 20:30
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Marabut:

Danke

 
17.12.01 20:34
-keine Ursache!
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Reila:

Falls Ihr ein paar Schmisse wollt,

 
17.12.01 22:45
müsst Ihr die Schädel gleichzeitig gegen Euren Monitor hauen. Würde irgendwie zu Eurem Kommunikations-Stil passen.

R.
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