ich habe großes Verständnis dafür, daß hier Leerverkäufer, Shortseller und frustrierte Altaktionäre negativ zu Vivacon eingestellt sind. Kein Verständnis habe ich aber dafür, daß hier containerweise Unsinn verbreitet wird, um bewußt schlechte Stimmung zu dieser Aktie zu verbreiten.
Mythos 1 "Vivacon ist Bestandshalter"
Vivacon ist kein Bestandshalter und Leerstände im Handelsbestand sind sogar oft vorteilhafter beim Verkauf, wenn die Erwerber die Objekte z.B. sanieren wollen. Ferner hält Vivacon die Bestände nicht in der AG, sondern in vollkommen separat finanzierten Portfoliogesellschaften. Diese Gesellschaften sind oft mit hohen Fk-Quoten gehebelt, worum sich finanzierende Banken noch im letzten geprügelt haben. Falls also eine Unterdeckung aus den Mieterlösen vorliegen sollte, muß nicht Vivacon diese Unterdeckung tragen, sondern die Projektgesellschaft. Genau hier liegt nun das Problem für Vivacon. Vivacon könnte die Projektgesellschaften einfach in die Insolvenz laufen lassen, aber wenn sie das tun, werden sie künftig kaum noch seriöse Finanzierungen erhalten. Aus diesem Grund müssen sie mit den mehr als 10 Banken über eine Verlängerung der Darlehen verhandeln, wo es sicherlich um Stundungen auch eventuell auflaufender Verluste geht. Die Verluste laufen aber für die finanzierenden Banken auf jeden Fall auf, insofern sie abwägen müssen, ob sie die Immobilien künftig selbst vermarkten oder ob sie das Vivacon überlassen.
Mythos 2 - Vivacon hat wenig Cash
Vivacon hat jede Menge Cash in der Bilanz. Das Problem ist aber, daß die Cashposition größtenteils durch Bürgschaften und Garantien im Bauträgergeschäft geblockt ist. Wenn Vivacon jetzt 5 Projekte verkauft, dann ist der positive Effekt nicht, daß Vivacon irgendwelche Erlöse aus dem Verkauf erzielt, sondern daß sie die blockierten liquiden Mittel freibekommen. Das dürfte unter Aspekt "Entgegenkommen in Richtung Banken" gewertet werden.
Mythos 3 - Vivacon kann künftig keinen Gewinn erzielen
Es tauchten Meldungen, auf wonach Vivacon in Salzgitter Wohnungen zu Schleuderpreisen verkauft
Salzgitter steht aber nur mit 545Euro/qm in den Büchern. Wenn Vivacon die Objekte im schlechten Zustand für 360 Euro/qm verkauft, dann haben sie eine Unterdeckung von 185 Euro/qm aus der Gesamttransaktion.
Dazu bekommt Vivacon die Erbbaurechte, die gemäß Zeitungsartikel 134 Euro für eine Doppelhaushälfte betragen. Das heißt, Vivacon bewertet das Erbbaurecht mit 12x134€x22 = 36.376´€. Geteilt durch 110qm ergibt das 322 Euro. Damit wird aus Vivacon Sicht aus einer Unterdeckung von 185 Euro ein Ertrag von 137 Euro/qm, was bei 8.000 Wohungen einen Ertrag von rund 70 Mio. Euro ergibt und das nur auf Basis eines Untergrenze-Preises berechnet.
Das wissen auch die Banken und einige Banken verdienen künftig auch gerne an Portfolioverbriefungen, die ja vollkommen unabhängig vom Unternehmen bewertet und besichert sind.
Mythos 4 - Vivacon ist überschuldet
Ein hoher Anteil an Verbindlichkeiten ist auf die Anleihen in Verbindung mit der Erbbaurechtsverbriefung zurückzuführen. Denen stehen werthaltige Assets gegenüber und die Verbindlichkeiten sind langfristig.
Der größte Posten an Verbindlichkeiten resultiert aus den Immobilien-Handelsbeständen. Diese Verbindlichkeiten laufen aber nicht über Vivacon und sind non-recourse strukturiert. Aufgrund des hohen Hebels würde sich bei einer Insolvenz der Portfoliogesellschaften die EK-Quote von Vivacon deutlich verbessern. Das restliche Fremdkapital entfällt auf das Bauträgergeschäft, was aber gut läuft, wenn man dem Vorstandsinterview Glauben schenkt. Dort ist Vivacon nachwievor handlungsfähig, muß allerdings, um das Kerngeschäftsmodell zu retten, Projekte verkaufen, um eine Bankenlösung zu befördern.
Fazit
Für mich ist es keine Frage, daß Vivacon überleben wird. Es geht am Ende nur darum, welche der vielen Beteiligten Banken, welches Risiko nimmt, aber am Ende wird man sich einigen, weil das Geschäftsmodell von Vivacon einfach geil ist, wenn man es richtig anstellt, was beim letzten Vorstand nicht mehr der Fall war. Die Perspektive von Vivacon liegt darin, sich künftig voll auf das Kern-Geschäftsmodell Erbbaurechtund Erbbaurechtverbriefung zu konzentrieren. Das Bauträgergeschäft muß komplett eingestellt werden, weil es nur sinnlos Kapital bindet und kaum Marge bringt. Ferner muß die aufgeblähte und überteuerte Struktur zurückgefahren werden. Vivacon muß dringend in den Direktankauf von Erbbaurechten und das Komissionsgeschäft mit Erbbaurecht einsteigen. Eine Finanzierungslinie der NIBC über 100 Mio. Euro steht ja für diesen Zweck zur Verfügung. Irgendwann werden das auch die Analyste raffen und dann geht das Spiel wie schon 2003 wieder von vorne los, zumal sich die Immobilienmärkte schon bald sehr attraktiv darstellen werden.