"Vatertagsfest? - Vaterschaftstest!"


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Pichel:

"Vatertagsfest? - Vaterschaftstest!"

 
09.05.02 10:34
BIOTECHNOLOGIE

"Vatertagsfest? - Vaterschaftstest!"

Von Eva Bahner

Das Geschäft mit dem Misstrauen brummt. Mit Hilfe von Gentests überprüfen immer häufiger private Biotechnologie-Unternehmen, ob der angebliche auch der leibliche Vater ist.

 


Vatertagsfest? - Vaterschaftstest! 659022

Berlin - Die quälende Frage nach der Wahrheit fährt in Berlin und Hamburg U-Bahn. Mit dem Werbespruch "Vatertagsfest? - Vaterschaftsfest!" wirbt die Potsdamer Firma Biotix für genetische Verwandtschaftstests. Zum Vatertag locken die Wissenschaftler zweifelnde Väter mit einem Sonderangebot: Gibt der Mann vor dem Feiertag einen Vaterschaftstest in Auftrag, kann er dazu auch noch gratis die Mutter belohnen: Biotix liefert zum Muttertag einen Blumenstrauß an die Adresse seiner Wahl. Von prominenten Seitensprüngen wie Boris Beckers Samenraub-Affäre, familiären Unterhaltsstreitigkeiten und der Angst vor Kuckuckskindern profitiert mittlerweile eine ganze Branche.
 


Vatertagsfest? - Vaterschaftstest! 659022

Biotix ist eines von zwölf privaten Biotechnologie-Laboren in Deutschland, die sich auf genetische Verwandtschaftstests spezialisiert haben. Dazu kommen noch Biotech-Unternehmen ohne eigene Labors, die Vaterschaftstests vermitteln. Zu erschwinglichen Preisen können Familien ihre private Neugier befriedigen. Je nach Leistung kosten die Gentests der Biotech-Unternehmen zwischen 370 und 1000 Euro. Mit aggressiven Werbeaktionen machen die jungen Unternehmen auf sich aufmerksam. Das Konzept geht auf. "Wir verzeichnen momentan eine sehr große Steigerung, die daraus resultiert, dass der Öffentlichkeit immer mehr bewusst wird, dass Vaterschaftstests privat möglich sind", sagt Thomas Krahn, Geschäftsführer von Biotix gegenüber SPIEGEL ONLINE.

 


Seit dem Start der Plakatwerbung in den Berliner U-Bahnen im Dezember vergangenen Jahres habe sich die Zahl der Aufträge verdoppelt. Seit drei Wochen werben die Potsdamer auch im Öffentlichen Nahverkehr in Hamburg für das Vatertagssonderangebot. Bis zu 20 Abstammungsgutachten pro Woche erstellen die Wissenschaftler derzeit in den drei kleinen Laborräumen auf dem Biotech-Campus Potsdam-Hermannswerder. Ein Vaterschaftstest kostet 650 Euro, egal ob nur die Gendaten von Vater und Kind oder auch noch die der Mutter getestet werden. Das Biotech-Unternehmen komme so bei null heraus, sagt Krahn, Chef der siebenköpfigen Mannschaft aus Wissenschaftlern. "Alles, was wir mit den Vaterschaftstests erwirtschaften, stecken wir in unsere Forschungsprojekte."

Anstatt aufwendige Werbeaktionen zu starten, ergründet die Frankfurter Firma Humatrix lieber neue Vertriebswege für Vaterschaftstests. Als bisher einziges Biotech-Unternehmen in dieser Branche bietet die Frankfurter Aktiengesellschaft bundesweit Vaterschaftstests in Apotheken an. So wie Schwangerschaftstests sind seit Anfang des Jahres Testpakete für eine Gen-Analyse in Apotheken erhältlich. Die vier Reagenzgläser mit den dazugehörigen Wattestäbchen und einer Gebrauchsanweisung kosten 20 Euro, der Test 740 Euro. "Bereits heute kommt die Hälfte unserer Aufträge aus den Apotheken," sagt Michael Ruiss, Vorstandsvorsitzender der Humatrix-Aktiengesellschaft in Frankfurt gegenüber SPIEGEL ONLINE. Die andere Hälfte der Aufträge für insgesamt rund 1500 bis 2000 Abstammungsgutachten, die die Frankfurter pro Jahr erstellen, kommt durch direkte Anfragen oder über das Internet zu Stande. Nach Schätzungen der Bundesärztekammer werden in Deutschland insgesamt mehrere zehntausend Tests pro Jahr in Auftrag gegeben.

 


Für eine Genanalyse reicht eine Haarlocke oder ein benutztes Taschentuch jeweils von Vater und Kind. Bei Biotix kommen die Proben in Form eines Kaugummis oder einer kleinen Bürste an, mit der der Auftrageber vorher Erbmaterial aus der Mundschleimhaut der Testpersonen entnommen hat. Daraus erstellen die Wissenschaftler genetische Fingerabdrücke, mindestens 15 genetische Merkmale werden am Computer verglichen. Stimmen die so genannten Genorte des Kindes mit denen des mutmaßlichen Vaters überein, so ist die Vaterschaft mit einer 99,995-prozentigen Wahrscheinlichkeit nachgewiesen. "Das heißt, unter 100.000 Männern kann kein zweiter gefunden werden, der auf das Profil des Kindes passt", erklärt Krahn. Der Ausschluss der Vaterschaft kann zu 100 Prozent nachgewiesen werden.

Besonders nach Feiertagen boomt das Geschäft mit der sexuellen Unübersichtlichkeit. "Nach Weihnachten steht unsere Hotline nicht mehr still", sagt Biotix-Chef Krahn. "An den freien Tagen machen sich die Leute Gedanken über die Familie, und danach geben sie sich einen Ruck und tun das, was sie schon immer einmal tun wollten." Auch Humatrix-Chef Ruiss kann einen deutlichen Umsatzsprung nach den Feiertagen bestätigen. Aber auch die prominenten Zweifelsfälle der vergangenen Jahre, von Franz Beckenbauer bis Boris Becker, hätten die Nachfrage nach der familiären Wahrheitsfindung angekurbelt. "Wenn in der "Bild"-Zeitung drei Wochen lang diskutiert wird, was in der Wäschekammer in London wirklich passiert ist, ist das gut für unser Geschäft." Fehlende prominente Seitensprünge mit Folgen macht Ruiss dafür verantwortlich, dass die Auftragszahlen bei Humatrix, das nach eigenen Angaben mit zu den größten drei auf diesem Gebiet zählt, bisher in diesem Jahr noch nicht nennenswert gestiegen sind.

Einige der Biotech-Unternehmen erstellen inzwischen auch Abstammungsgutachten für Amtsgerichte. Ob der Vaterschaftstest privater Biotech-Unternehmen als Beweismittel vor Gericht anerkannt wird oder nicht, liegt allerdings im Ermessen des zuständigen Richters. In der Regel ziehen Richter einen der rund hundert offiziell zugelassenen Abstammungsgutachter vor, deren Preise zwar um ein Vielfaches höher liegen als die der privaten Biotech-Unternehmen, die aber beglaubigte Proben verlangen und zusätzlich die Blutgruppe bestimmen. Diesen Service will Biotix bald auch anbieten. Die Wissenschaftler forschen an einer Methode, die Blutgruppe per genetischem Fingerabdruck ohne eine erforderliche Blutabnahme zu bestimmen. "Damit wollen wir endlich das Argument aus der Welt schaffen, unsere Tests wären weniger sicher als die der öffentlich bestellten Abstammungsgutachter", sagt Krahn.

Nicht nur die Rechtsmediziner, auch die Datenschützer schlagen Alarm. Noch immer bewegen sich Biotech-Unternehmen, die Vaterschaftstests anbieten, in einer rechtlichen Grauzone, denn dass Proben wie Haare, Speichel oder Blut ohne Einwilligung der betreffenden Person zum Test abgeben werden, könne nicht ausgeschlossen werden. Verdeckte Vaterschaftstests würde eine heimliche Genausforschung bedeuten, lautet der Vorwurf. "Es ist doch ein Unding, dass das Öffnen eines fremden Briefes strafbar ist und eine Auswertung fremder Gendaten, was ein viel weitreichender Eingriff ist, nicht", sagte Joachim Jacob, Bundesbeauftragter für den Datenschutz, gegenüber SPIEGEL ONLINE. Der Gesetzgeber müsse Leute bestrafen, die genetische Daten heimlich einreichen oder Ergebnisse ohne das Wissen der betreffenden Person verwenden, fordert Jacob. Mit einer gesetzlich verbindlichen Regelung rechnet der Datenschützer allerdings frühestens in der nächsten Legislaturperiode.

Der Markt für private Vaterschaftstests bleibt also bestehen - und er wird weiter wachsen, ist Humatrix-Chef Ruiss überzeugt. Es gebe noch immer sehr viele Leute, die noch nicht wissen, dass sie auch privat einen Vaterschaftstest in Auftrag geben können. Glaubt man einer Studie aus Großbritannien, so hat die Geschäftsidee Potenzial. Demnach erblickt bei jeder zehnten Geburt ein so genanntes Kuckuckskind das Licht der Welt, das wären jährlich 70.000. Biotix-Chef Krahn hält einen Anteil von drei bis sieben Prozent allerdings für wahrscheinlicher. Dennoch sind rund 20 Prozent der Biotix-Testergebnisse negativ. Bei Humatrix besagt sogar jedes drittes Abstammungsgutachten, dass der getestete Mann nicht der leibliche Vater des Kindes ist. Allerdings seien diese Zahlen mit Vorsicht zu genießen, da von vornherein nur Zweifelsfälle eingereicht würden, warnt Ruiss.

Von Datenschützern sieht sich die Branche nicht bedroht. Jeder Mann habe schließlich das Recht zu erfahren, ob er der Vater sei oder nicht, beruft sich Humatrix-Chef Ruiss, studierter Jurist, auf Artikel 2 des Grundgesetzes. Auch Biotix-Chef Krahn hat keine Bedenken. Denn der genetische Fingerabdruck an sich liefere ja keine Erkenntnisse über die persönlichen Eigenschaften wie Krankheit, Intelligenz und Geschmack. "Bei Vaterschaftstests kommen schließlich keine nennenswerten Informationen heraus, außer die Wahrheit." Bei einem negativen Testergebnis kann die allerdings die Familie zerstören - und das Vatertagsfest. Da hilft dann auch kein Blumenstrauß mehr zum Muttertag.







Gruß Pichel
Antworten
vega2000:

Na na na Pichel,

 
09.05.02 17:39
Nachtigall ick hör dir trappsen, -ist da etwas im Busch bei dir ?
Antworten
R.A.P.:

Schlage

 
09.05.02 17:47
nie ein Kind im Ausland, es könnte Dein eigenes sein!!

Solche Sprüche muß ich mir ´reintun.
Prost!!  
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Pichel:

@vega: NEIN!

 
09.05.02 18:01
Gruß Pichel
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Elan:

etwas in Bush

 
09.05.02 18:10
was könnte denn in Bush sein? Darmverstopfung?



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Loepi:

Sollte

 
09.05.02 18:20
man eigentlich ganz positiv
sehen, viele Leute haben sich ihr
Leben vor 20 Jahren verpfuschen lassen,
weil sie sich den Test finanziell nicht leisten konnten
und sind heute noch am zweifeln von wem das Kind ist.
In den 70ern hat so ein Test noch locker DM 10000
gekostet, korrigiert mich, wenn es nicht stimmt,
Preislage heute ?

Löpi

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