Die langfristige Wachstumsstory beruht auf hohen Investitionen in die Modernisierung und Verstärkung der Strom- und Gasnetze. Eversource erwartet bis 2030 ein durchschnittliches Gewinnwachstum von jährlich 5 bis 7 Prozent. Das ist für einen regulierten Versorger ein vernünftiger Wert. Benötigt werden die Investitionen unter anderem für Netzstabilität, Sturmresistenz, neue Stromanschlüsse und die zunehmende Elektrifizierung von Gebäuden und Verkehr. (Eversource Energy)
Der größte Schwachpunkt ist die Regulierung. Besonders in Connecticut ist das Verhältnis zwischen Eversource, Politik und Regulierungsbehörden angespannt. Werden notwendige Investitionen nur verspätet oder nicht vollständig über die Tarife anerkannt, leiden Cashflow und Rendite. Gleichzeitig kann das Unternehmen hohe Kostensteigerungen nicht beliebig an die Kunden weiterreichen, ohne politischen Widerstand auszulösen. Auch die hohe Verschuldung ist zu beachten. Eversource musste 2025 trotz eines operativen Cashflows von 4,11 Milliarden US-Dollar neue langfristige Schulden von 2,94 Milliarden US-Dollar aufnehmen, da das Unternehmen gleichzeitig mehr als vier Milliarden US-Dollar investierte und Dividenden zahlte. (Eversource Energy)
Positiv ist, dass das Management aus dem kostspieligen Offshore-Wind-Ausflug Konsequenzen gezogen hat. Die entsprechenden Beteiligungen wurden weitgehend verkauft, Aquarion wurde abgegeben und der Konzern konzentriert sich nun wieder auf sein reguliertes Netzgeschäft. Dadurch wird das Unternehmen übersichtlicher und grundsätzlich berechenbarer.
Meine Einschätzung für die kommenden zwölf bis achtzehn Monate liegt im Basisszenario bei etwa 74 bis 82 US-Dollar. Unterhalb von ungefähr 68 bis 70 US-Dollar würde die Aktie aus meiner Sicht deutlich interessanter. Oberhalb von 82 bis 85 US-Dollar wäre die Bewertung ohne eine erkennbare Verbesserung des regulatorischen Umfelds zunehmend anspruchsvoll.
Auf Sicht von fünf bis fünfzehn Jahren dürfte Eversource von der wachsenden Bedeutung der Stromnetze profitieren. Ein jährlicher Gesamtertrag aus Dividenden und moderatem Gewinnwachstum im mittleren bis höheren einstelligen Prozentbereich erscheint möglich. Dafür müssen die Investitionen regulatorisch anerkannt werden und die Finanzierungskosten unter Kontrolle bleiben.
Eversource ist damit für meine Begriffe kein spektakulärer Wachstumswert, sondern ein defensiver Infrastruktur- und Dividendentitel. Die Aktie eignet sich eher als Beimischung für einkommensorientierte Anleger als als vollkommen sorgenfreier Versorger-Kernwert. Die Dividende ist attraktiv und das langfristige Wachstum nachvollziehbar, doch Verschuldung und Regulierung rechtfertigen einen Bewertungsabschlag gegenüber den besten US-Versorgern.
Keine Empfehlung, keine Anlageberatung; nur meine Meinung. Bin selbst nicht investiert und habe sie auch noch nicht fest auf der Watchlist. Auf der Suche nach zusätzlichen Versorgern fürs Depot war ich u.a. über diesen Titel gestolpert und da es noch keinen Thread dafür gab, hab ich mich halt aufgerafft - mehr erst mal nicht. ;-)