DIENSTLEISTER
United Internet kann Gewinn mehr als verdoppeln
Unternehmen kündigt Marketingoffensive für DSL an.
Von Frank Stocker
Frankfurt/Main - "Diesen Tag will ich richtig genießen", sagte Ralph Dommermuth, Chef des Internetdienstleisters United Internet, bei der Vorstellung der Halbjahreszahlen. Grund dazu hatte er. Denn das Unternehmen hat ein Rekordergebnis erzielt und Dommermuth konnte die Prognosen für das Gesamtjahr anheben. Auch die Börse feierte die Zahlen mit einem deutlichen Kurssprung der Aktie.
United Internet erzielte zwischen April und Juni einen Umsatz von 311,5 Mio. Euro, was einer Steigerung von rund 75 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal entspricht. Der Gewinn vor Steuern legte sogar um fast 150 Prozent auf 50,1 Mio. Euro zu. Für das Gesamtjahr erwartet Dommermuth nun einen Umsatz von 1,26 Mrd. Euro statt der bisher angestrebten 1,2 Mrd. Die Zielgröße für das Ergebnis hob er von 150 Mio. auf 180 Mio. Euro an. Gegenüber dem Vorjahr dürften Umsatz und Ergebnis damit um 60 beziehungsweise 80 Prozent zulegen.
Zudem plant Dommermuth im zweiten Halbjahr eine Marketingoffensive beim Vertrieb von DSL-Anschlüssen. "Aufgrund der guten Zahlen des ersten Halbjahres haben wir jetzt Luft, um noch einmal richtig Gas zu geben", sagte er. Unter der Marke 1&1 sollen DSL-Kunden voraussichtlich ab Oktober mit einem neuen Preissystem gewonnen werden.
Der Kampf um Neukunden zwischen den Anbietern von DSL-Anschlüssen war zuletzt deutlich schärfer geworden. Daher legte die Zahl der DSL-Kunden bei United Internet im zweiten Quartal auch nur um 100 000 zu. Das waren genau so viele wie im ersten Quartal und weniger als im Vorjahresquartal. Im Gesamtjahr will Dommermuth rund 500 000 neue DSL-Kunden gewinnen. Das wären 200 000 weniger als im Vorjahr.
Dass United Internet trotz dieser eher stockenden Entwicklung bei den DSL-Anschlüssen eine solch starke Gewinnsteigerung verzeichnen konnte, liegt am zweiten Standbein, dem sogenannten Web-Hosting. Unter den Marken GMX, Web.de, 1&1 sowie Schlund + Partner bietet das Unternehmen dabei die Verwaltung von Internetseiten an. Vor allem im Ausland ist United Internet hier stark gewachsen.
Den zuletzt gefallenen Aktienkurs hat das Unternehmen zum Rückkauf eigener Aktien genutzt. Dies soll auch fortgeführt werden. Insgesamt sollen bis zu acht Mio. eigener Aktien gekauft werden. Sie können für Akquisitionen genutzt werden. United Internet gilt als ein Interessent für das Deutschland-Geschäft von AOL.
Artikel erschienen am Sa, 12. August 2006
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