
Wall Street Schluss: Märkte fester, Milliarden-Übernahmen im Fokus
Den US-Börsen war im Laufe des Mittags etwas die Luft ausgegangen. Im letzten Handelsdrittel gelang es aber den Indizes, die Gewinne wieder zu stabilisieren. Der Dow Jones gewann knapp 0,45 Prozent auf 10.765 Punkte hinzu, die NASDAQ verabschiedete sich mit einem Plus von 0,30 Prozent auf 2.227 Zähler in das Wochenende.
Zwei milliardenschwere Übernahmen standen am letzten Handelstag im Fokus der Anleger. Zum einen verkauft der Mischkonzern General Electric sein Rückversicherungsgeschäft GE Insurance Solutions an die schweizerische Swiss Re für 8,5 Mrd. Dollar, zum anderen schlägt Cisco Systems bei Scientific-Atlanta für 6,9 Mrd. Dollar zu. General Electric, die zugleich auch die Prognosen für 2006 anhoben und das Aktienrückkaufprogramm aufstocken, konnte hiervon profitieren, die Aktie gewann in der Spitze über 2,5 Prozent hinzu.
General Motors war ebenfalls ein Thema bei den Börsianern. Der weltgrößte Autobauer trat gestern Spekulationen über einen möglichen Konkurs entgegen, nachdem eben solche am Markt kursierten und ihren Tribut vom Aktienkurs in den letzten Wochen forderten. Die GM-Aktie gewann am Freitag über 4 Prozent.
Ergebnisse über den Erwartungen präsentierte der Computer-Hersteller Hewlett-Packard, dessen Aktien bereits im frühen Handel einen deutlichen Sprung nach oben vollziehen konnte, anschließend aber den Elan verloren.
Walt Disney indes enttäuschte heute die Marktteilnehmer mit den vorgelegten Umsatzzahlen für das letzte Quartal. In der Folge verloren Papiere des Unternehmens merklich, teilweise über 3 Prozent.
Die amerikanische Telefongesellschaft Alltel Corp. (ISIN US0200391037/ WKN 854417) gab heute die Übernahme des Mobilfunkanbieters Midwest Wireless bekannt. Im Rahmen der Transaktion wird Alltel für die Übernahme der nicht börsennotierten Gesellschaft insgesamt 1,075 Mrd. Dollar in bar bezahlen. Die im Bundesstaat Minnesota ansässige Gesellschaft verfügt über insgesamt 400.000 Mobilfunkkunden. Die Transaktion soll in der ersten Jahreshälfte 2006 abgeschlossen werden.
Die Bekleidungskette Liz Claiborne Inc. (ISIN US5393201018/ WKN 867665) will nach Angaben des "Wall Street Journal" den kleineren Konkurrenten J. Jill Group Inc. (ISIN US4661891071/ WKN 912749) für 366 Mio. Dollar übernehmen. Wie die Zeitung am Freitag berichtet, ist Liz Claiborne im Rahmen der Transaktion bereit, für jede Aktie des Anbieters von Damenbekleidung, -accessoires und -schuhen 18 Dollar in bar zu zahlen, was einer Prämie von 41 Prozent auf deren gestrigen Schlusskurs entspräche.
DAX, Jahreshoch greifbar
Der DAX befindet sich weiter im Höhenflug, wobei bis zum Jahresende noch deutlich höhere Notierungen winken, so die Handelsexperten vom Optionsbrief.
Der Index sei zwischen dem 3. und 10. November sechs Sitzungen im Bremsbereich zwischen 4.970 und 5.030 verlaufen. Damit wäre die kurzfristige Überhitzung aus den vorangegangenen Gewinnen von 250 Punkten in nur fünf Handelstagen durch eine Seitwärtsbewegung abgebaut worden. Am Freitag hätte dann mit einem kräftigen Tagesplus von 1,5 % der Ausbruch aus dieser Range gefolgt. In den folgenden beiden Tagen habe sich diese positive Tendenz fortgesetzt, wobei der Markt am Dienstag sogar über 5.100 Zähler geklettert sei. Am Mittwoch hätten die Kurse zwar noch einmal bis 5.081 nachgegeben, doch das dürfte lediglich ein Luftholen vor dem nächsten Aufwärtsschub sein.
Es fehlten derzeit weniger als 1 % Kursgewinn bis zum Überbieten des Jahreshochs bei 5.138 Stellen, wobei diese Marke gleichzeitig den höchsten Index-Stand seit Mai 2002 bedeute. Sobald der Break über diese Grenze gelinge, würden auch die noch nicht investierten Anleger von der Jahresend-Rally überzeugt sein und auf den fahrenden Zug aufspringen. Gleichzeitig dürfte ein neues Jahreshoch auch unterinvestierte Fonds-Manager unter Druck setzen, die sich dann noch mit Aktien eindecken müssen, so die Strategen weiter, was der Aufwärtsbewegung zusätzliche Schubkraft verleihen sollte. Daher werde sich die laufende Rally oberhalb von 5.138 bis Jahresende noch mindestens 200 Punkte weiter fortsetzen. Doch für die nächsten fünf bis sechs Monate sei die Perspektive noch lukrativer.
Der Abstand zwischen Kurs und 200 Tagelinie sei von unter 5 % Ende Oktober wieder auf derzeit fast 10 % angewachsen, womit die in 2003 gestartete Langfrist-Hausse wieder deutlich an Dynamik gewinne. Dabei überzeuge auch die Marktbreite der Aufwärtsbewegung. Denn aktuell notierten 26 der 30 DAX Werte über dem GD 200, womit die laufende Rally von einem Großteil der Einzelwerte getragen würde.
Innerhalb dieser Langfrist-Hausse verlaufe der DAX seit August letzten Jahres in einem mittelfristigen Aufwärtstrendkanal, der auch für die nächsten Monate richtungweisend sein werde. Dabei habe sich der DAX mit den jüngsten Kursgewinnen wieder an die obere Trendkanalbegrenzung bei derzeit 5.140 Zählern vorgearbeitet. Diese Trendlinie erlaube bis zum Jahresende Kurse von 5.300 Punkten. Doch bisher hätte der DAX den Trendkanal dreimal kurzfristig nach oben verlassen und sich dabei bis zu 200 Punkten von dieser Begrenzung lösen können. Sofern der Index nun ebenfalls nach oben ausbreche und damit in eine Übertreibungsphase eintrete, könne die Jahresend-Rally sogar bis zur 5.500er Marke laufen.
Die Markttechnik zeige noch keinerlei Anzeichen einer Überhitzung. MACD und Momentum hätten in der letzten Woche ihre Nulllinien überkreuzt und böten noch einigen Platz bis zum Erreichen der jeweiligen Extremzonen. Die Stochastik notiere im oberen Extrembereich, was bei starken Aufwärtstrends aber völlig normal sei. Damit deuteten auch die Indikatoren auf eine kräftige Fortsetzung des Höhenflugs hin.
Die Jahresend-Rally laufe auf vollen Touren, weshalb der DAX in den kommenden Sitzungen die Jahreshochs überbieten dürfte. Bis zum Jahreswechsel winkten mindestens 5.300 Punkte, wobei die obere Trendkanalbegrenzung für die nächsten fünf bis sechs Monate sogar Kurse zwischen 5.500 zu 5.700 Zähler erlaube.
| Dow Jones im 5-Tagesausblick |
Das technische Umfeld des Dow Jones (DJ) hat sich weiter verbessert, berichten die Marktexperten der SEB AG.
Aus mittelfristiger Sicht lägen hohe positive Impulse vor. Die Trendindikatoren MACD und Momentum bescheinigten einen ausgeprägten Überhang an Aufwärtspotenzial und -dynamik. Der weitere Ausbauch des Trendüberhangs gerate zur Zeit allerdings ins Stocken. Kaum Impulse kämen von den kürzerfristigen Overbought/Oversold-Indikatoren. RSI und Stochastiks behaupteten sich aktuell im Überkauftbereich und könnten die Aufnahme einer Abwärtsbewegungsdynamik abwenden, zeigten aber derzeit keine intakte Aufwärtsbewegungsdynamik. Die Volatilität liege bei 92,15 (99,97) Punkten, was einer statistisch maximalen Tages-Range von 0,86 (0,95) % entspreche.
Auf Sicht der kommenden fünf Handelstage erwarten die Analysten der SEB auf Grund des positiven Trendumfelds weitere Ausbruchsversuche des Dow Jones über den starken Widerstand bei 10.705. Ob der Index trotz des gestrigen Schlusskurses oberhalb dieser Marke jedoch signifikant und nachhaltig ausbrechen kann, sei noch nicht sicher. Die Gründe für den Zweifel lägen zum einen in dem sehr starken Widerstand an sich, an dem der Dow Jones in diesem Jahr diverse Male abgeprallt wäre. Zum anderen fehle wegen des Überkauftszenarios eine anhaltende Aufwärtsbewegungsdynamik. Hinzu kommt nach Angaben der Experten, dass das Trendumfeld sich zwar positiv darstelle, aber momentan auf hohem Niveau verharre. Aus diesem Grund werde von dieser Seite eine gewisse Beruhigung signalisiert. Schließlich könnte nach Einschätzung der Handelsexperten analog der Tests aus Juli/August und aus Mitte September 2005 der weitere Ausbau des Überhangs an Aufwärtspotenzial und -dynamik in den Extremzonen ins Stocken geraten und danach ein zügiger Abbau der Trendimpulse eingeleitet werden. Gelinge der Ausbruch über 10.705 binnen Wochenfrist, so liege das Kursziel beim leichten Widerstand bei 10.865, der dem Jahreshoch bei 10.984 vorgeschaltet sei.
Pralle der Dow Jones an der genannten Marke doch noch ab, müsse das Rückschlagspotenzial bei der Unterstützung bei 10.569 angesiedelt werden. Gelänge dort die Stabilisierung, hätte der Dow im Anschluss gute Chancen, den Widerstand bei 10.705 Punkten endlich zu überwinden. Dass eine solche Entwicklung allerdings im Laufe der kommenden Woche schon erfolgen wird halten die Strategen der SEB für fraglich. Einen Vorteil hätte eine vorherige Gegenbewegung, da sich der Index seit rund sechs Monaten in einer Seitwärtsrange zwischen 10.204 und 10.705 Zählern befinde. Ein Rücksetzer vor dem Ausbruch über 10.705 Stellen könnte nach Ansicht der Analysten der zweite Konstruktionspunkt für ein mittelfristiges, intaktes Aufwärtstrendszenario werden.
Greetz Moya


