Die US-Märkte melden am Freitagmittag New Yorker Zeit schwächere Notierungen. Zwar fielen die vorbörslich veröffentlichten Arbeitsmarktdaten im Rahmen der Erwartungen aus, jedoch wirken sich die warnenden Worte des Notenbankchefs Alan Greenspan, wonach das Haushaltsdefizit ernste Konsequenzen haben könnte, belastend auf den Markt aus.
Die beiden großen Automobilhersteller General Motors (GM) und Ford erlitten im November einen deutlichen Absatzeinbruch. Bei GM fiel der Absatz um 11 Prozent, Ford musste gar einen Rückgang von 15 Prozent hinnehmen. Beide Aktien verlieren deutlich. Bei Ford konnten zeitweise Presseberichte, wonach der Konzern 5 Werke mit 7.500 Beschäftigten schließen will, zu Kursgewinnen führen.
Wesentlich besser verlief es im November für die Drogeriemarktkette Walgreen, die ihre Umsätze im zweistelligen Bereich steigern konnten, was am Markt entsprechend positiv honoriert wird. Nach Vorlage von Geschäftszahlen gewinnen Aktien von Novell mehr als 6,5 Prozent hinzu. Zwar erlitt der Softwarespezialist im abgelaufenen Quartal einen Verlust, konnte die Prognosen der Analysten dennoch übertreffen. Die Papiere von Visual Networks gehen rund 21 Prozent nach oben, nachdem Danaher deren Übernahme verkündete.
Weniger Erfreuliches teilte Calpine mit. Nachdem der Titel zum heutigen Tag aus dem S&P 500 gefallen ist, gab der unabhängige Stromerzeuger auch noch bekannt, dass er möglicherweise einen Antrag auf Gläubigerschutz in Betracht ziehen muss. Aktien des Unternehmens verloren bereits am Vortag 22 Prozent, und auch zum Wochenschluss setzt sich der Abwärtstrend fort. Derzeit verliert der Titel 27,5 Prozent.
Der Dow Jones notiert im New Yorker Mittagshandel mit einem Minus von 0,31 Prozent bei 10.879,1 Punkten. Der Technologieindex NASDAQ Composite verliert aktuell 0,08 Zähler auf 2.265,4 Zähler.
Der zweitgrößte US-Automobilhersteller Ford Motor Co. (ISIN
US3453708600/ WKN
502391) wird nach Angaben des "Wall Street Journal" voraussichtlich fünf Produktionsfabriken mit rund 7.500 Beschäftigten schließen, was rund 6 Prozent der nordamerikanischen Belegschaft entspricht. Wie die Zeitung heute berichtet, wird der Konzern wahrscheinlich US-Produktionsstätten in St. Louis (Atlanta) und St. Paul (Minnesota), ein kanadisches Motorteile-Werk in Windsor (Ontario) sowie eine Truck-Fabrik im mexikanischen Cuautitlan schließen. Die Schließungspläne würden sich jedoch noch in der Entwicklung befinden und könnten noch Änderungen erfahren. Der Ford-Konzern musste im dritten Quartal einen Verlust von 284 Mio. Dollar verbuchen. Das US-Fahrzeuggeschäft befindet sich in diesem Jahr bisher mit über 1,4 Mrd. Dollar vor Steuern in den roten Zahlen. Zuletzt wurde der Abbau von 4.000 Stellen in Nordamerika angekündigt. Gestern Abend meldete Ford, dass der US-Absatz (Pkw und Trucks) im November um 15 Prozent eingebrochen ist. Zudem hat man seine Produktionsziele für das vierte Quartal 2005 und das erste Quartal 2006 gesenkt.
Die US-Drogeriemarktkette Walgreen Co. (ISIN
US9314221097/ WKN
855826) konnte im November einen deutlichen Umsatzanstieg ausweisen. Wie der Konzern heute bekannt gab, kletterten die Umsatzerlöse bei Niederlassungen, welche länger als ein Jahr geöffnet waren, im Vergleich zum Vorjahresmonat um 7,8 Prozent. Wesentlichen Anteil hatte dabei der Umsatzanstieg bei Medikamenten (+7,7 Prozent). Der Gesamtumsatz auf Konzernebene legte im Vorjahresvergleich um 11 Prozent auf 3,75 Mrd. Dollar zu.
Die Novell Inc. (ISIN
US6700061053/ WKN
873019), ein US-Anbieter von Netzwerk-Software und Update-Services, meldete am Donnerstag nach US-Börsenschluss, dass man im letzten Quartal einen Verlust erwirtschaftet hat, was mit Einmaleffekten zusammenhängt. Die Analystenerwartungen konnte man dennoch übertreffen. Der Verlust belief sich demnach auf 5 Mio. Dollar bzw. 1 Cent pro Aktie. Vor Einmaleffekten lag der Gewinn jedoch bei 7 Cents pro Aktie. Der Umsatz stieg von 301,6 Mio. Dollar auf 320 Mio. Dollar. Analysten waren im Vorfeld von einem Gewinn von 3 Cents pro Aktie und einem Umsatz von 300 Mio. Dol lar ausgegangen. Für das laufende Quartal stellen sie ein EPS-Ergebnis von 3 Cents bei Erlösen von 288 Mio. Dollar in Aussicht.
Der US-Industriekonzern Danaher Corp. (ISIN
US2358511028/ WKN
866197) gab heute bekannt, dass seine vollständige Tochter Fluke Electronics Corp. die Visual Networks Inc. (ISIN
US9284441089/ WKN
912192), einen Anbieter von Netzwerkmanagement-Lösungen, für rund 75 Mio. Dollar in bar übernehmen wird. Im Rahmen der Transaktion erhalten Visual Networks-Aktionäre für jeden ihrer Anteilsscheine 1,83 Dollar, was einer Prämie von 25 Prozent auf deren gestrigen Schlusskurs entspricht. Die Transaktion wird voraussichtlich im ersten Quartal abgeschlossen sein, vorbehaltlich der Genehmigung durch die zuständigen Behörden. Das Unternehmen Visual Networks hat in 2004 einen Umsatz von rund 53 Mio. Dollar erzielt und wird nach Abschluss der Akquisition Teil des Danaher-Geschäftsbereichs Fluke Networks sein.
Der unabhängige Stromerzeuger Calpine Corp. (ISIN US131 3471062/ WKN
902918) gab am Donnerstag bekannt, dass er möglicherweise einen Antrag auf Gläubigerschutz in Betracht ziehen muss, da ein erhebliches Risiko besteht, dass die verfügbaren Mittel nicht mehr zur Schuldentilgung bzw. zur Aufrechterhaltung des Geschäftsbetriebs ausreichen. Am Dienstag teilte der US-Konzern mit, dass er seinen CEO und seinen CFO vor dem Hintergrund der jüngsten finanziellen Schwierigkeiten ersetzt hat. Demnach wurde der Firmengründer und bisherige Chairman, President und CEO Peter Cartwright durch Lead Director Kenneth T. Derr ersetzt, der nun zum Chairman und Interims-CEO bestellt wurde. Zudem wird Eric Pryor, bisher Executive Vice President und stellvertretender CFO, nun als Interims-CFO die Aufgaben von Robert D. Kelly, der zuletzt Executive Vice President und CFO war, übernehmen. Der Konzern verfügt zurzeit über Schulden in Höhe von mehr als 17 Mrd. Dollar und warnte zuletzt davor, dass er möglicherweise nicht in der Lage ist, sämtliche Ziele zur Schuldentilgung in 2005 zu erfüllen. Man hatte zuvor Assets verkauft, um zur Erreichung dieser Ziele beizutragen. Calpine wartet zurzeit auch auf ein gerichtliches Urteil zur Frage, ob man noch mindestens 90 Tage Zeit hat, um Millionen von Dollar an Schulden zurückzuzahlen, die nach dem Erwerb von Treibstoff für seine Kraftwerke entstanden sind. Wie der angeschlagene Energiekonzern am heutigen Freitag mitteilte, will er Unternehmensanleihen im Wert von bis zu 400 Mio. Dollar zurückkaufen. Zur Finanzierung dieser Maßnahmen sollen die verbleibenden Erlöse aus dem im Juli getätigten Verkauf der Erdgas-Assets dienen.
Der weltgrößte Automobilhersteller General Motors Corp. (GM) (ISIN
US3704421052/ WKN
850000) gab am Freitag bekannt, dass er Barbara Stokel zum Executive Vice President ihrer Finanztochter GMAC in Nordamerika bestellt hat. Stokel tritt damit die Nachfolge von John Gibson an, der seinen Rücktritt angekündigt hat. Ab dem 1. Januar 2006 wird sie somit die US- und kanadischen Autofinanzierungs-Aktivitäten der GMAC (General Motors Acceptance Corp.) sowie deren Töchter Nuvell und Semperian leiten. Stokel ist bisher noch - seit dem Jahr 2004 - als Regional Vice President für die östliche Nordamerika-Region der GMAC zuständig. Sie ist bereits seit 44 Jahren innerhalb des GM-Konzerns tätig.
Gruß Moya 