Schwache Konjunkturdaten haben die Wall Street ins Minus gedrückt. Beobachter sehen deshalb auch den Dax leichter starten. Die kurze Euphorie, die Fed-Chef Bernanke mit seiner Rede ausgelöst hatte, scheint schon wieder verflogen zu sein.
Das Wertpapierhaus Lang & Schwarz berechnete den Dax gegen 7.16 Uhr auf 5.520 Punkte. Am Donnerstag war der Index bei 5.546 Zählern aus dem Handel gegangen. Impulse für den Handel könnten aus der beginnenden Quartalssaison in Europa kommen. Infineon bleibt überraschend in der Verlustzone, die Aktie verliert vorbörslich. Software AG und IDS Scheer haben mit ihren Geschäftszahlen dagegen die Erwartungen der Analysten übertroffen.
Rentenmärkte tendieren etwas fester
Die Rentenmärkte tendieren am Freitag im frühen Handel etwas fester. Der richtungsweisende Bund-Future legte bis 8.04 Uhr einen Basispunkt auf 116,35 Euro zu. Der Bobl-Future notierte fünf Basispunkte fester bei 109,61 Euro.
Euro in Fernost fester
Der Euro hat am Freitag in Fernost fester notiert. Das Protokoll der vergangenen Zinssitzung der amerikanischen Notenbank (Fed) hatte die Erwartungen auf weitere Dollar-Zinserhöhungen weiter gedämpft. Ein Euro wurde mit 1,2647 Dollar bewertet nach 1,2627 Dollar im späten New Yorker Handel. Der Dollar kostete 116,75 Yen nach 117,02 Yen in den Vereinigten Staaten. Der Schweizer Franken lag zum Euro bei 1,5712 und zum Dollar bei 1,2417. Dem Protokoll zufolge will die Fed zur Bestimmung der künftigen Zinsentwicklung zunächst weitere Konjunkturdaten abwarten, um mehr Informationen zur Wirtschaftslage zu bekommen. Erst dann könne entschieden werden, ob neue Zinserhöhungen erforderlich seien (siehe auch:
Medienschau).
Asiatische Börsen im Minus
Im Sog der Wall Street haben am Freitag auch die Fernost-Börsen Kursverluste verzeichnet. Für negative Impulse sorgte insbesondere der Gewinneinbruch beim weltgrößten Chiphersteller Intel, der auch Anlegern in Asien Sorgen über die künftige Entwicklung im Technologie-Sektor bereitete.
In Tokio schloß der 225 Werte umfassende Nikkei Index mit einem Minus von 0,84 Prozent bei 14.821 Zählern. Der breiter gefaßte Topix Index verlor 0,85 Prozent auf 1.515 Punkte. Auch die führenden Indizes in Taiwan, Singapur, Südkorea und Hongkong verbuchten Verluste.
Am Vortag hatten auch die amerikanischen Börsen schwächer geschlossen. Ursache dafür war unter anderem, daß Intel im zweiten Quartal mehr als 50 Prozent weniger verdiente als im Vorjahr. Zudem legte der Konzern eine Umsatzprognose für das laufende Quartal unter den Markterwartungen vor. Das zog in Tokio die Papiere etwa von Advantest, dem Hersteller von Maschinen für die Halbleiter-Industrie, ins Minus. Advantest-Titel verbilligten sich um gut zwei Prozent.
„Der Grund, weshalb die amerikanischen Hochtechnologieaktien weiter fallen, ist daß die Anleger eine Abschwächung der Konjunktur befürchten“, sagte Hiroyuki Nakai von Tokai Tokyo Securities. „Das wird irgendwann auf die japanischen Aktien übergreifen. Wir sollten nicht zu optimistisch sein, was die kommenden Unternehmensergebnisse angeht.“
Ansonsten gehörten in Tokio Finanztitel zu den größten Verlierern. „Es ist momentan keine gute Zeit zum Kauf von Finanzaktien, darunter Banken, Leasing- und Kreditinstitute“, sagte Nagayuki Yamagishi von Mitsubishi UFJ Securities. „Ursache dafür ist, daß die japanischen Zinsen nicht so stark steigen werden.“ Zuletzt hätten Anleger vermehrt Finanztitel in der Annahme gekauft, daß sie von höheren Zinsen profitieren würden. Die japanische Zentralbank hatte in der vergangenen Woche mit ihrer ersten Zinserhöhung seit sechs Jahren zwar ihre Nullzinspolitik beendet. Gleichzeitig signalisierten die Notenbanker aber, die Zinsen in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt künftig nur sehr behutsam zu erhöhen. Die Aktien des Instituts Credit Saison, das Verbraucher-Kredite vergibt, verbuchten ein Minus von knapp vier Prozent.
Nachbörsliche Meldungen aus Amerika
Die amerikanischen Börsen haben am Donnerstag abend nach dem Ende des offiziellen Handels fester tendiert. Der Nasdaq-100 After Hours Indicator stieg um 6,42 Punkte auf 1.473,31 Zähler.
Microsoft-Titel haben im nachbörslichen Handel bis 18.29 Uhr Ortszeit auf nasdaq.com 5,5 Prozent auf 24,11 Dollar gewonnen. Das Unternehmen hat zwar einen Rückgang beim Quartalsgewinn auf 0,28 Dollar je Aktie ausgewiesen, zugleich aber einem Aktienrückkauf im Volumen von 20 Milliarden Dollar zugestimmt. Google-Aktien legten bis 18.29 Uhr um 0,7 Prozent auf 389,90 Dollar zu. Das Unternehmen hat den Nettogewinn auf 2,33 Dollar je Aktie mehr als verdoppelt.
Aktien von Advanced Micro Devices (AMD) gaben dagegen bis 19.52 Uhr 3,7 Prozent auf 20,85 Dollar ab, obwohl das Unternehmen einen Gewinnsprung auf 0,18 Dollar je Aktie gemeldet hat. Amgen-Titel steigerten sich bis 18.25 Uhr um 3,7 Prozent auf 66,30 Dollar, nachdem das Unternehmen seine Jahreszielvorgabe um 0,15 Dollar auf 3,75 bis 3,85 Dollar angehoben hat. Gilead-Aktien verloren 3,1 Prozent auf 57,50 Dollar. Das Biopharma-Unternehmen berichtete, daß die Umsätze bei HIV-Medikamenten zurückgegangen seien.
Die Papiere von PMC-Sierra verloren 1,9 Prozent auf 6,85 Dollar. Das Unternehmen hat einen Quartalsverlust von 0,15 Dollar ausgewiesen. Capital One Financial verlor 6,5 Prozent auf 80,60 Dollar, nachdem das Ergebnis unter den Analystenerwartungen blieb. Halliburton stieg bis 19.53 Uhr um 0,7 Prozent auf 32,90 Dollar. Hier wurde je Aktie ein Quartalsgewinn von 0,48 Dollar ausgewiesen. VeriSign-Aktien reduzierten sich nach Zahlen bis 17.59 Uhr um 2,7 Prozent auf 20 Dollar.
Wall Street nach schwachen Konjunkturdaten mit Verlusten
Überraschend schwache Konjunkturdaten und enttäuschende Unternehmenszahlen haben die amerikanischen Aktienmärkte am Donnerstag ins Minus gedrückt. Der Konjunkturindex der Notenbank von Philadelphia fiel im Juli unerwartet deutlich auf den niedrigsten Stand seit einem halben Jahr. Zudem bereitete ein Gewinneinbruch beim weltgrößten Chiphersteller Intel Anlegern Sorgen über die künftige Entwicklung im Technologie-Sektor. Die Bekanntgabe der Details der Fed-Zinssitzung von Ende Juni verstärkte die negative Stimmung. Die amerikanische Notenbank hatte darin eine zinspolitisch eine unsichere Haltung erkennen lassen.
Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloß um 0,76 Prozent leichter bei 10.928 Punkten knapp über tagestief. Im Handelsverlauf hatte er sich zwischen 10.924 und 11.037 Zählern bewegt. Der breiter gefaßte S&P-500-Index gab um 0,85 Prozent auf 1.249 Punkte nach. Der Technologie-Index Nasdaq-Composite verlor 1,98 Prozent auf 2.039 Stellen.
„Im Zusammenhang mit den gestrigen Äußerungen Bernankes ist das Sitzungsprotokoll keine große Sache“, sagte Michael Panzner von Collins Stewart. Die amerikanische Notenbank hatte darin erklärt, vor künftigen geldpolitischen Entscheidungen weitere Konjunkturdaten abwarten zu wollen. Bei seiner Anhörung vor dem Kongreß am Mittwoch und Donnerstag nährte Fed-Chef Ben Bernanke bei Anlegern dagegen Hoffnungen auf ein Ende des Zinserhöhungszyklus in den Vereinigten Staaten. Demnach erwartet der Fed-Chef eine Abschwächung der Inflation, was auch steigende Löhne nicht verhinderten.
Eher beunruhigte Börsenexperten dagegen der Rückgang des Konjunkturindex der Federal Reserve Bank von Philadelphia auf 6,0 Punkte von 13,1 Zählern im Juni. „Sollten weitere Daten diese Entwicklung bestätigen, wäre dies wahrscheinlich kein gutes Umfeld für die Preisentwicklung am Aktienmarkt“, sagte Michael Sheldon von Spencer Clarke.
Technologie-Titel wurden von den Intel-Quartalszahlen belastet. Der weltgrößte Chiphersteller hatte am Mittwoch nach Börsenschluß für das zweite Quartal einen Gewinneinbruch von mehr als 50 Prozent ausgewiesen hatte. Mit der Umsatzprognose für das laufende Quartal blieb der amerikanische Konzern zudem unter den Erwartungen. Die Intel-Anteilsscheine sackten um 7,5 Prozent auf 17,10 Dollar ab.
Die Verluste im Nasdaq konnte auch das deutliche Plus beim Börsen-Schwergewicht Apple nicht wettmachen. Der Computerkonzern hatte dank einer rasanten Nachfrage nach dem Musikspieler iPod und Computern einen um fast 50 Prozent höheren Quartalsgewinn ausgewiesen. Apple-Aktien schnellten um knapp zwölf Prozent auf 60,50 Dollar nach oben.
Den Dow belasteten auch negative Nachrichten für den amerikanischen Baumaschinenhersteller Caterpillar. Dessen Papiere fielen um 2,87 Prozent auf 69,08 Dollar, nachdem der Kohle-Gigant Peabody Energy für das dritte Quartal einen pessimistischen Ausblick präsentiert hatte.
An der New York Stock Exchange wechselten rund 1,69 Milliarden Aktien den Besitzer. 1.060 Werte legten zu, 2.261 gaben nach und 134 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 2,09 Milliarden Aktien 753 im Plus, 2.245 im Minus und 122 unverändert.
Amerikanische Anleihen im späten Handel etwas fester
Die amerikanischen Anleihen haben im späten Donnerstagshandel etwas fester tendiert. Gegen 22.21 Uhr MESZ stiegen zehnjährige Anleihen um 7/32 auf 100-24/32 und rentierten mit 5,03 Prozent. Der 30jährige Treasury kletterte um 9/32 auf 91-5/32. Die Rendite betrug somit 5,08 Prozent.
„Ich glaube, die Anleger sind einfach glücklich, daß Bernanke bei seinen Aussagen geblieben ist. Die Leute fühlen sich nun sicherer, daß sich die amerikanische Notenbank nicht zu weiteren Zinsanhebungen verpflichtet fühlt“, sagte Rentenstratege Alex Li von Credit Suisse. Auch die Protokolle von der jüngsten Sitzung der Notenbankpräsidenten stützten seine Einschätzung vom Vortag, das sinkende Wirtschaftswachstum begrenze den Inflationsdruck.
Quellen: FAZ.NET, vwd, dpa, AP, AFP, Bloomberg, Reuters.