Tops + Flops 2002 in der Pharma-Industrie


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zombi17:

Tops + Flops 2002 in der Pharma-Industrie

 
09.01.02 08:46
Aus der FTD vom 9.1.2002 www.ftd.de/pharmaindustrie
Tops + Flops 2002: Gewinnbringer in der Pharma-Industrie verschwinden
Von Peter Kuchenbuch, Hamburg

Das Jahr 2002 wird am Ende vielen Pharma-Managern in schlechter Erinnerung bleiben: Führende Konzerne stecken mittelfristig in einer massiven Innovationskrise, der Druck auf die Medikamentenpreise steigt und die US-Behörde FDA zögert bei der Zulassung neuer Präparate.

Das Indiz für den nahenden Kummer sind die Gewinnwarnungen von fünf der acht weltgrößten Pharmakonzerne Ende 2001. Die schlechten Nachrichten kommen von Merck & Co, Bristol-Myers Squibb, Pharmacia, Schering-Plough und Eli Lilly. Es ist Götterdämmerung auf dem wichtigsten Wachstumsmarkt, den USA.

"Die größte Herausforderung für die gesamte Branche in den zurückliegenden 25 Jahren", nennt Fred Hassan, Chef des US-Konzerns Pharmacia, die heikle Situation. Die bittersten Pillen im neuen Jahr:



Die Patentrechte von umsatzstarken Medikamenten (Blockbustern) im Gegenwert von rund sieben Mrd. $ (2001: 12 Mrd. $) laufen aus.



Den meisten Unternehmen gelingt es vorerst nicht, die Verluste ausgedienter Blockbuster mit umsatzstarken neuen Produkten zu kompensieren.


Die US-Verbraucher schwenken ungewohnt schnell auf billigere Kopien (Generika) um, sobald die Blockbuster das Feld räumen.


Die US-Zulassungsbehörde FDA ist strenger geworden: viele Anmeldungen weist sie derzeit zurück und fordert Nachbesserungen von den Firmen bei Tests und in der Produktion.


Um die Innovationskrise zu überbrücken, werden Vertriebsallianzen und Einlizenzierungen fertiger Entwicklungen teuer erkauft.

Die US-Ökonomie lahmt, die Steuereinnahmen sinken, Politiker und amerikanische Wirtschaftsunternehmen planen Sparprogramme zur Senkung der Gesundheitskosten. Politiker, Wirtschaftsbosse und Gesundheitskassen verhandeln mit den Pharmariesen über Preissenkungen, zur Not auch vor Gericht.



Bayer

Pfizer

Altana

Bristol Myers

Schering

Aventis

So hatte Bristol-Myers Squibb (BMS) zwar alle juristischen Hebel bewegt, um den Patentschutz seines Blockbusters Glucophage, ein Diabetesmittel, ins Jahr 2004 zu retten. Aber der Versuch gilt als gescheitert, denn der US-Kongress wird den Sonderstatus für das Mittel (Jahresumsatz: zwei Mrd. $) bald kippen. "Die Kernschmelze bei Glucophage wird besonders brutal," sagt Mark Striker, Analyst bei Salomon Smith Barney. "Mehr als zehn Generika-Hersteller stehen in den Startlöchern." Eine ausweglose Situation und zugleich symptomatisch für BMS, Merck, Eli Lilly und andere.


Immer schneller erobern Generika das Terrain der Originalrezepturen, sobald der Patentschutz endet. Dazu tragen die großen US-Krankenversicherer mit bei, denn sie informieren immer häufiger zig Millionen Mitglieder über die neuen und billigeren Alternativen aus dem Generikaregal.


Die Konsumenten schwenken daraufhin auf die billigeren Nachahmerprodukte um, denn ihre privaten Zuzahlungen für verschreibungspflichtige Medikamente sind bei bis zu 25 Prozent des Arzneimittelpreises angelangt.


Die Pharmakonzerne brauchen dringend neue, umsatzstarke Präparate mit langen Patentlaufzeiten. Aber es ist vorerst kein Land in Sicht: Nur 16 neue Arzneien hat die FDA 2001 zugelassen, 1996 waren es noch 53 und in 2000 immerhin noch 27. Zu wenig, um die spärlichen Produktpipelines auf Vordermann zu bringen. Erschwerend kommt hinzu, dass die FDA für die 16 Zulassungen in 2001 im Durchschnitt 20 Monate Bedenkzeit brauchte - vor zwei Jahren waren es durchschnittlich 12 Monate. Besser wird es auch 2002 nicht.


Die FDA ist vorsichtiger geworden, denn in den zurückliegenden vier Jahren musste sie zehnmal verdächtige Präparate vom Markt zurückpfeifen. Darunter auch das Medikament Lipobay von Bayer in 2001.


Weil die eigenen Labors zu wenig Innovation bringen, zahlt Big Pharma galaktische Kurse für die Geistesblitze anderer Firmen: BMS zum Beispiel legt zwei Mrd. $ auf den Tisch von Imclone, um mit der US-Biotechfirma in 2002 das Darmkrebsmittel Erbitux zur Marktreife zu führen. Imclone wird zudem mit 39 Prozent an den Erlösen beteiligt. Not macht erfinderisch, heißt es - das aber gilt nicht für die Pharmabranche in 2002. Stattdessen werden die großen Firmen attraktive Übernahmekandidaten prüfen und die Aktivitäten ihrer Wettbewerber mit Argusaugen beobachten - im vielleicht turbulentesten Jahr seit Hassans Zeitrechnung.



© 2002 Financial Times Deutschland



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Brummer:

Sehr interessanter Artikel, Danke

 
09.01.02 08:57
Gruß Brummer
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