Kommunikation
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Kommunikation
1. Einführung
Loriot-Beispiel
Definition
Sender-Empfänger-Modell
Prozessmodell
2. Sprache und Kommunikation
Aspekte von Sprache
Situation und Sprache
Wissen und Sprache
Fach- und Gruppensprache
3. Kommunikationsmodelle
Bühlers Organonmodell
Axiome von Watzlawick
Schulz von Thun (4 Seiten)
4 Seiten einer Nachricht
Sachaspekt
Selbstoffenbarung
Beziehungsapekt
Apellaspekt
Allgemeines
Der Empfänger
Freie Auswahl
4. Nonverbale Kommunikation
Warum nonverbale Kommunikation?
Unterschied verbal-nonverbal
Inkongruenz
Was ist wichtiger?
Geschlechtsunterschiede
Nonverbale Diskriminierung?
Spezielle Nonverbale Kanäle
Blickverhalten
Funktion von Blicken
Raumverhalten
Intimitäts-Gleichgewicht
Berührungen
Mimik
Stimme
5. Pädagogische Anwendung
Dialogische Kommunikation
Verständlichkeit
Aspekte der Verständlichkeit
Kommunikationshindernisse
Paradoxe Botschaften
Wirkung von Paradoxien
Killerphrasen
Typische Gesprächsfehler
Kommunikationsmuster
Kommunikationsverbesserung
Kommunikation & Lehren
Personenzentrierte Gesprächsführung
Akzeptanz
Aktives Zuhören
Konkret
Transparenz
Ich-Botschaften
Metakommunikation
7. Übungen
Letzte Seite
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Es empfiehlt sich, sich bei der ersten Benutzung einen Überblick über die Hilfsfunktionen zu verschaffen.
Willkommen zum Online-Kurs "Kommunikation"
"Kommunikationspsychologie" ist ein Teil der Veranstaltung "Grundfragen der Pädagogischen Psychologie" an der PH-Freiburg. Weitere Kapitel zu dieser Veranstaltung finden Sie unter:
art.ph-freiburg.de/paedpsy.
Wir wünschen viel Erfolg und Spaß mit dem Programm. Da es noch in der Entwicklung ist, sind wir sehr an Rückmeldungen, Kritik, Verbesserungsvorschlägen und Fragen interessiert. Hierzu können Sie einfach den Button "Tutor" anklicken und eine Mail senden.
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1. Einführung
Kommunikation beschreibt Vorgänge, an denen jeder von uns täglich in ganz unterschiedlicher Form teilnimmt (z.B. Gespräch mit Freunden, mündliche Prüfungen, Telefongespräch, E-Mail etc.). Sie könnten sich also fragen, warum sich mit einem Inhalt beschäftigen, den jeder in zahlreichen Facetten schon kennt?
Man kann sagen, dass die alltäglichen Kommunikationsprozesse relativ gut funktionieren. Häufig treten jedoch auch Missverständnisse, Unklarheiten und Unsicherheiten auf. Die Kommunikationspsychologie stellt verschiedene Theorien und Modelle zur Verfügung, die helfen können, kommunikative Prozesse besser zu verstehen und Unklarheiten, Missverständnisse und Probleme zu reduzieren.
Wie bereits in den Lernzielen am Anfang des Kurses dargestellt, beschäftigt sich dieser Kurs mit Kommunikation und Sprache (Kap.2), Kommunikationsmodellen (Kap.3), nonverbaler Kommunikation (Kap.4) und der pädagogosichen Anwendung bzw. Hindernissen und der Verbesserung von Kommunikationsprozessen (Kap. 5).
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Loriot-Beispiel
Hier zunächst ein Kommunikations-Beispiel.
Das Ehepaar sitzt am Frühstückstisch. Der Ehemann hat sein Ei geöffnet und beginnt nach einer längeren Denkpause das Gespräch:
~
Er: Berta!
Sie: Ja...
Er: Das Ei ist hart!
Sie: (schweigt)
Er: Das Ei ist hart.
Sie: Ich habe es gehört ...
Er: Wie lange hat das Ei denn gekocht ...
Sie: Zu viele Eier sind gar nicht gesund ...
Er: Ich meine, wie lange dieses Ei gekocht hat ...
Sie: Du willst es doch immer viereinhalb Minuten haben ...
Er: Das weiß ich ...
Sie: Was fragst du denn dann?
Er: Weil dieses Ei nicht viereinhalb Minuten gekocht haben kann!
Sie: Ich koche es aber jeden Morgen viereinhalb Minuten!
Er: Wieso ist es dann mal zu hart und mal zu weich?
Sie: Ich weiß es nicht ... ich bin kein Huhn!
Er: Ach! ... Und woher weißt du, wann das Ei gut ist?
Sie: Ich nehme es nach viereinhalb Minuten heraus, mein Gott!
Er: Nach der Uhr oder wie?
Sie: Nach Gefühl ... eine Hausfrau hat das im Gefühl ...
Er: Im Gefühl? ... Was hast du im Gefühl?
Sie: Ich habe es im Gefühl, wann das Ei weich ist ...
Er: Aber es ist hart ...vielleicht stimmt da mit deinem Gefühl was nicht ...
Sie: Mit meinem Gefühl stimmt was nicht? Ich stehe den ganzen Tag in der Küche, mache die Wäsche, bring deine Sachen in Ordnung, mache die Wohnung gemütlich, ärgere mich mit den Kindern rum, und du sagst, mit meinem Gefühl stimmt was nicht?
Er: Jaja ... jaja ... wenn ein Ei nach Gefühl kocht, dann kocht es eben nur zufällig viereinhalb Minuten!
Sie: Es kann dir doch ganz egal sein, ob das Ei zufällig viereinhalb Minuten kocht ... Hauptsache. es kocht viereinhalb Minuten!
Er: Ich hätte nur gern ein weiches Ei und nicht ein zufällig weiches Ei! Es ist mir egal, wie lange es kocht!
Sie: Aha! das ist dir egal .. es ist dir also egal. ob ich viereinhalb Minuten in der Küche schufte!
Er: Nein- nein ...
Sie: Aber es ist nicht egal ... das Ei muss nämlich viereinhalb Minuten kochen...
Er: Das habe ich doch gesagt ...
Sie: Aber eben hast du doch gesagt es ist dir egal!
Er: Ich hätte nur gern ein weiches Ei ...
Sie: Gott, was sind Männer primitiv!
Er: (düster vor sich hin) Ich bringe sie um ... morgen bringe ich sie um ...
Versuchen Sie in Worte zu fassen, warum diese Kommuniaktion so verläuft, wie sie verläuft, und welche Intension jeder Gesprächsteilnehmer verfolgt.
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Personenwarhnehmung, Kommunikation und Interaktion
Um mit einer anderen Person sinnvoll interagieren und kommunizieren zu können stellen zunächst die Wahrnehmung und Einschätzung der Person Voraussetzungen für die soziale Interaktion dar. Mit dem Aspekt der Personenwahrnehmung beschäftigt sich ein anderer Kurs (Personenwahrnehmung). Bei dem aktuellen Kurs Kommunikation geht es stärker um den Aspekt der Interaktion und den geregelten Austausch von Botschaften und Informationen. Aus der Tatsache, dass die soziale Interaktion in mehrere Themen aufgeteilt ist, wird zugleich die Komplexität dieses Prozesses deutlich. Die sozialpsychologischen Themen Personenwahrnehmung und Kommunikation kann man unter dem Überbegriff der sozialen Interaktion fassen.
Für kommunikative Prozesse gibt es zahlreiche, aber auch sehr verschiedenartige Beispiele: Eine Unterhaltung in einem Kaffee, ein Flirt, ein Vorstellungsgespräch, der Versuch der Werbung bestimmte Botschaften zu transportieren, und nicht zuletzt im pädagogischen Kontext, wo die Vermittlung von Wissen über kommunikative Vorgänge stattfindet.
Kommunikation bezeichnet den Austausch und die Übermittlung von Wissen, d.h. alle Prozesse der Übertragung von Informationen durch Lebewesen bzw. technische, biologische, psychologische oder soziale Informationsvermittlungssysteme. Enger definiert ist Kommunikation der Austausch von Mitteilungen und Informationen durch Sprache, Mimik, Blicke, Gestik, Schrift, Symbole etc..(vgl. Zuschlag & Thielke, 1992)
In diesem Sinne ist auch die Interaktion von Ihnen als Lernende und dem Programm eine Form der Kommunikation. Ihre kommunikativen Möglichkeiten sind allerdings beschränkter als in einem Gespräch. Jedoch haben Sie mehr kommunikative Interaktionsmöglichkeiten (Ein Mausklick ist z.B. auch ein kommunikativer Ausdruck) als wenn Sie passiv einem Vortrag zuhören.
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Sender-Empfänger-Modell
Im Original-Kurs steht an dieser Stelle eine Animation, die in die Druckversion nicht exportiert werden kann und daher hier nicht angezeigt wird!
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Prozessmodell
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Der angesprochene Bezug der Kommunikationsteilnehmer sowohl auf die Beiträge des Gegenübers als auch auf eigene Intensionen kann unterschiedliche Formen annehmen. Dies ist in der folgenden Abbildung veranschaulicht. Ein durchgezogener Pfeil deutet immer einen starken Bezug an, ein gestrichelter einen schwachen Bezug. Versuchen Sie sich für jede der vier abgebildeten Gesprächssituationen ein Beispiel zu überlegen, bevor Sie weiterlesen.
In dem ersten Beispiel haben beide Gesprächspartner einen starken Bezug auf ihre vorhergehende Mitteilung und einen geringen Bezug auf die Botschaft des Gesprächspartners. In gewisser Weise reden sie aneinander vorbei.
Das zweite Beispiel könnte eine Vorlesung sein, wo der Seminarleiter sich an sein Konzept hält, während die Teilnehmer stark auf die Mitteilungen des Lehrenden eingehen bzw. zuhören. Das dritte Beispiel könnte ein Small-Talk darstellen. Überlegen Sie sich selbst weitere Fälle.
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Sprache und verbale Kommunikation
Kommunikation umfasst sowohl die verbale Kommunikation, bei der die Sprache eine wesentliche Rolle spielt, als auch die nonverbale Kommunikation, die alle anderen Formen der Kommunikation wie z.B. Körper"sprache" beschreibt. In den weitaus meisten Interaktionen von Personen spielen beide Aspekte gleichzeitig eine Rolle.
In den folgenden Kapiteln wird der Einfachheit halber zunächst auf die Besonderheiten der verbalen Kommunikation eingegangen, während die nonverbale Kommunikation im Kap. 4 behandelt wird.
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Verschiedene Wege der Informationsübermittlung werden häufig auch als verschiedene Informationskanäle beschrieben. Dies ist in der folgenden Abbildung veranschaulicht. Der Inhalt der Nachricht muss in einen Code (z.B. Sprache) übersetzt werden, damit er auf einem bestimmten Kanal übertragen werden kann. Sprache ist somit ein universeller Code. Menschliche Kommunikation zeichnet sich auch dadurch aus, dass mehrere Übertragungskanäle gleichzeitig verwendet werden (verbal, nonverbal).
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Syntax, Semantik, Pragmatik, Phonologie
Wenn sie sich jetzt über diesen scheinbar unsinnigen Satz gewundert haben, dann schauen Sie hier:
Werden die zwei Beispielsätze gesprochen, so besteht der einzige Unterschied in der Betonung und in den Pausen (Kommas sollen dabei helfen). Dieses Beispiel zeigt, dass zwei fast gleiche Sätze (Unterschied: ein Komma und zwei Leerzeichen) ganz unterschiedlichen Inhalt bzw. Sinn haben können. Aus diesem Grund unterscheidet die Sprachforschung verschiedene Aspekte der Sprache wie z.B. Form und Inhalt. Die Fachbegriffe dazu werden Ihnen unten erläutert. Die Sprachforschung unterscheidet im wesentlichen vier Bereiche von Sprache:
Syntax oder Grammatik: Die Syntax regelt die Ordnung und Struktur bzw. wie die Wörter kombiniert werden.
Phonologie: Gesprochene Sprache folgt bestimmten Lautmustern und Gesetzmäßigkeiten mit denen sich die Phonologie beschäftigt (siehe Beispiel oben, wenn es gesprochen wird).
Semantik: Die Semantik beschäftigt sich mit der Bedeutung der Worte, also dem eigentlichen Sinn der Äußerung.
Pragmatik: Für die sozialpsychologische Betrachtung ist diese Ebene der Sprache sehr wichtig. Um eine Sprache gut zu beherrschen, reicht es nicht aus, die Vokabeln und die grammatischen Regeln zu kennen. Auch das Wissen, was man in welcher Situation wie und zu wem sagen kann wie z.B. welche Anrede man in welchem Zusammenhang wählt ist für das Verwenden einer Sprache wichtig (vgl.Forgas1999).
(1) Ich lese das Buch.
(2) Ich lise das Boch.
(3) Buch das lesen ich.
(4) Das Osterei liest den Haarbeutel.
(1) ist ein sprachlich richtiger Satz. (2) ist phonetisch (lautlich), (3) syntaktisch und (4) semantisch abweichend (aus:Legewie & Ehlers, 1992).
Kann man sich mit einem Computer sinnvoll unterhalten?
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Soziale Situation und Sprache
Hat die Situation und soziale Rolle auf die Art der Kommunikation und damit auch auf die Sprache einen Einfluss?
Beispiel: Stellen Sie sich z.B. vor, sie reden mit einem kleinen Kind, das gerade erst ein paar Worte spricht. Vermutlich werden Sie mit dem Kind anders sprechen und einfachere Worte verwenden als wenn Sie mit Studierenden sprechen. Häufig verwenden Erwachsene sogar gar keine ganzen Sätze mehr, sondern auch eine Art Kindersprache wie z.B. "Hund groß.". Auch die Stimme ist oft anders, wenn Erwachsene mit kleinen Kindern sprechen. Ein anderes Beispiel ist das Spechen mit einem Ausländer, der nur wenig deutsch kann. Vermutlich werden Sie einfacher formulieren als normal.
Beispiel: Ihnen ist kalt und Sie möchten, dass jemand die Tür zumacht. Ihnen stehen eine ganze Reihe an sprachlichen Möglichkeiten offen: "Mach die Tür zu.", "Ist Dir auch kalt?", "Könnten Sie bitte die Tür zumachen?", "Es zieht!", "Lässt Du bei Dir zu Hause auch immer die Tür offen?" etc.
Interessant ist, wie wir aus den zahlreichen semantischen Möglichkeiten diejenige auswählen, die wir dann tatsächlich verwenden. Ein ganz wichtiges Element dabei ist die (soziale) Situation. Insbesondere die Beziehung zum Gesprächspartner hat maßgeblichen Einfluss, allein schon auf die Anrede. (Auf diesen Beziehungsaspekt wird bei den Kommunikationsmodellen noch näher eingegangen)
Die Situation hat nicht nur einen Einfluss darauf, wie wir etwas sagen, sondern auch darauf, wie wir etwas verstehen. Sagt z.B. jemand bei Gewitter "Das ist ja ein tolles Wetter!", so verstehen wir den Satz ganz anders, als wenn tatsächlich schönes Wetter ist. Ein Freund sagt zu einem anderen "Du Idiot". Wenn wir erfahren, dass zuvor von dem Freund ein gemeiner Aprilscherz gemacht wurde, so verändert das Wissen über die Situation den Sinn des Gesagten.
Ironie basiert auch auf dem gemeinsamen Wissen über die Situation. Lässt z.B. einen Person A eine volle Kaffeetasse fallen, und eine Person B sagt: "Das hast Du ja ganz toll gemacht!", so wird der Satz nur mit dem Wissen über die wahre Situation verständlich. Eine Person C, die nur den Satz hört, versteht ihn vermutlich ganz anders, es sei denn sie hört an der Satzmelodie (nonverbale Kommunikation), dass der Satz nicht ernst gemeint sein kann.
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Bedeutung des gemeinsamen Wissens für die Kommunikation
Vermutlich kam Ihnen die Warn-Meldung auf dieser Seite sehr "spanisch" vor. Dies zeigt aber einen grundlegenden Aspekt der Kommunikation: Die Bedeutung des gemeinsamen Wissens.
Wenn sie gewusst hätten, dass es sich bei der Warnung um eine Geheimbotschaft handelt, bei der jeder Buchstabe durch den nächsten im Alphabet ersetzt wurde, so wäre die Nachricht wahrscheinlich nicht unverständlich geblieben (für Interessierte an Ver- und Entschlüsselung von Botschaften von der Antike bis zum Internetzeitalter hier eine Buchempfehlung).
Das Beispiel zeigt, dass für eine Kommunikation in der Regel gemeinsames Wissen entscheidend notwendig ist. Ganz grundlegend ist z.B. eine bestimmte Sprachkenntnis (diese setzten wir häufig einfach voraus), oder was mit welchem Wort gemeint ist, etc. Eine Kommunikation auf russisch wird vermutlich den meisten von uns unverständlich bleiben.
Sprache ist also nichts anderes als ein in einer bestimmten Gruppe vereinbarter Code. Denn natürlich könnten wir einen Tisch genauso gut Stuhl nennen und umgekehrt. Das Zeichen hat also inhaltlich nichts mit dem Bezeichneten zu tun (vgl. Syntax und Semantik). In unserer normalen Kommunikation können wir dann das Wissen über einen gemeinsamen Code einfach voraussetzen.
Hierzu ein Beispiel
Nehmen Sie eine Ihrer letzten fachlichen Unterhaltungen in einer Arbeitsgruppe und überlegen Sie, was ein Außenstehender an Vorwissen haben muss, um Ihre Unterhaltung verstehen zu können.
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Gruppensprache
"Zuerst habe ich einen backside indy grab und dann ein seventwenty tailgrab gemacht, aber das war fast ein bail." Für alle Snowbord-Fans wird dieser Satz einigermaßen Sinn machen, aber vielen anderen wird das nur wie Kauderwelsch vorkommen.
Wenn man auf gemeinsames Vorwissen zurückgreifen kann, kann man die Kommunikation ökonomischer gestalten, da man nicht mehr alles erklären muss und die anderen schon wissen, was gemeint ist. Insbesondere in Gruppen, in denen die Interaktionspartner viel kommunizieren oder ein gemeinsames Interesse haben oder in fachlich zusammengesetzten Arbeitsgruppen kann sich ein eigenständiger Sprachcode entwickeln, der für Außenstehende nur schwer verständlich ist. Gleichzeitig fördert ein gemeinsamer Sprachkode auch die Gruppenidentität und wird in diesem Sinne auch gerade unter Jugendlichen gepflegt.
Vermutlich werden Sie bei Unterhaltungen mit Freunden andere Wörter gebrauchen, als Sie das bei einer Unterhaltung mit Ihren Eltern oder einem Professor tun würden. Grundlage für einen Gruppen-Sprachcode ist das gemeinsame Wissen innerhalb der Gruppe wie bestimmte Kommunikationselemente zu verstehen sind. Es gibt z.B. Kulturen, in denen das Nicken mit dem Kopf "Nein" bedeutet.
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3. Kommunikationsmodelle
Kommunikation ist mehr, als das Übermitteln einer Botschaft von einer Person A zu einer anderen Person B. Verschiedene Modelle betonen verschiedene Aspekte am Kommunikationsprozess. Im folgenden werden Ihnen die Modelle von Bühler und Watzlawick relativ kurz vorgestellt, da das folgende Modell von Schulz von Thun auf ihnen aufbaut. Dieses Modell, das von vier Seiten einer Nachricht ausgeht, wird dann ausführlicher dargestellt.
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Organonmodell nach Bühler
Bühler wies schon 1934 darauf hin, dass Kommunizieren mehr ist als die sprachliche Mitteilung über einen Sachverhalt. Zur Kommunikation gehören nach seinem Organon-Modell (griech. Werkzeug) drei Aspekte:
Ausdruck: der Kommunizierende teilt etwas Subjektives über sich selbst mit (Symptom).
Appell: Durch das Kommunizieren soll ein Verhalten ausgelöst oder gesteuert werden. Dies ist ein intersubjektiver Aspekt, der an den Empfänger gerichtet ist (Signal).
Darstellung: Durch den Inhalt des Kommunizierens soll ein bestimmter Sachverhalt dargestellt werden (Symbol).
Nach Bühler ist jedes Sprechen eine Handlung, die der Darstellung, dem Ausdruck und dem Appell gleichermaßen dient.
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Axiome der Kommunikation nach Watzlawick
Paul Watzlawick hat 1969 fünf sogenannte Axiome (=Grundregeln) aufgestellt, nach denen Kommunikation abläuft.
1. Man kann nicht nicht kommunizieren
Stellen Sie sich vor, ein Freund von Ihnen hat ein schlechtes Referat gehalten und fragt Sie, wie sie es fanden. Wenn sie jetzt schweigen wird sich ihr Freund seinen Teil denken. ("Manchmal sagt ein Schweigen mehr als 1000 Worte"). Das Axiom besagt also, dass in jeder sozialen Situation kommuniziert wird, d.h. alles Verhalten (nonverbal und verbal) hat Mitteilungscharakter. Handeln und Nichthandeln, Worte und Schweigen teilen dem Gegenüber etwas mit. Selbst wer schweigt, kommuniziert. Die Schülerin, die sich nicht meldet und vor sich hin schaut, übermittelt der Lehrerin auch eine Botschaft.
2. Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und Beziehungsaspekt
Der Inhaltsaspekt vermittelt Informationen und Daten, stellt also das "Was" der Mitteilung dar und wird meist verbal, d.h. durch sprachliche Kommunikation vermittelt.
Der Beziehungsaspekt bestimmt, wie der Sender die Information vom Empfänger verstanden haben möchte, stellt also somit das "Wie" der Mitteilung dar und wird häufig nonverbal vermittelt.
Ein Schweigen ist keine Mitteilung unter dem Inhaltsaspekt, jedoch unter dem Beziehungsaspekt kann es eine Mitteilung sein.
3. Kommunikationsabläufe werden unterschiedlich strukturiert
Vermutlich kennt jeder die Situation, dass sich zwei streitende Parteien gegenseitig vorwerfen mit dem Streit angefangen zu haben. Watzlawick sagt nun, dass jeder Kommunikationsteilnehmer seine eigene "Interpunktion der Ereignisfolgen wahrnimmt", d.h. die Ursache-Wirkungs-Folge wird subjektiv festgelegt. Insofern kann jeder der Streitenden tatsächlich für sich den subjektiven Eindruck haben, dass der andere angefangen hat. Insgesamt tendieren wir dazu, unser Verhalten stark als Reaktion auf das Verhalten des anderen zu sehen. D.h. subjektiv sehen wir unser Verhalten als Wirkung, während andere es stärker als Ursache wahrnehmen.
4. Menschliche Kommunikation bedient sich analoger und digitaler Modalitäten
Digital meint die Zuordnung eines Wortes zu einem Objekt (Sprache) und entspricht somit dem Inhaltsaspekt. Digitale Kommunikation hat eine komplexe, vielseitige und logische Struktur bzw. Grammatik aber nur eine eingeschränkte Bedeutung. Analog meint eine Kommunikation durch Entsprechung also durch nichtsprachliche Mittel z.B. durch Körpersprache, Mimik, Gestik usw.. Die analogen Entsprechungen lassen viele Interpretationsmöglichkeiten zu. Dies entspricht dem Beziehungsaspekt und wird somit nichtsprachlich vermittelt. Diese Modalität der Übermittlung ist zwar von hohem Bedeutungsgehalt, aber nicht eindeutig.
5. Kommunikation verläuft entweder symmetrisch oder komplementär
Bei einer komplementären Beziehungsform besteht ein Über- und Unterordnungsverhältnis, wie z. B. zwischen Lehrer und Schüler. Die Beziehung beruht auf Unterschiedlichkeit. Eine symmetrische Interaktion besteht, wenn beide Partner einander als gleichwertig erachten, sei es nun aufgrund zugeschriebener oder erworbener Fähigkeiten und Fertigkeiten.
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Schulz von Thuns Kommunikationsmodell
Was denken Sie, was es wirklich bedeutet, wenn ein Chef zu seiner Sekretärin sagt: "Der Kaffee ist leer."? Entscheiden Sie sich für eine Antwort.
Der Kaffee ist tatsächlich leer.
Ich bin der Chef und Sie meine Angestellte.
Kochen Sie bitte neuen Kaffee.
Ich würde gerne noch Kaffee trinken.
Was denken Sie, was es wirklich bedeutet, wenn Studierende den Dozenten fragen ob ein Stoff prüfungsrelevant ist?
Ist der Stoff prüfungsrelevant?
Wir möchten dieses Thema nicht auch noch lernen.
Sagen Sie uns bitte genauer, ob wir das auch noch lernen müssen.
Sie sind der Dozent und entscheiden.
Was denken Sie, was es wirklich bedeutet, wenn ein Mann als Beifahrer zu seiner fahrenden Frau sagt: "Du, da vorne ist grün"?
Die Ampel da vorne ist wirklich grün.
Ich habe es eilig.
Gib Gas.
Du bist so unselbstständig, dass Du meine Hilfestellung brauchst.
Vielleicht ist es Ihnen gar nicht so leicht gefallen, sich für eine Alternative zu entscheiden. Das liegt daran, dass im Prinzip alle Alternativen richtig sein können. Es hängt davon ab, wie der Empfänger sie versteht. Die Beispiele sollen folgendes verdeutlichen: Die Nachricht, die der Sender sendet, und die, die der Empfänger empfängt, müssen nicht unbedingt identisch sein. Häufig ist die Übereinstimmung zumindest so gut, dass eine sinnvolle Verständigung möglich ist. Häufig gibt es aber auch Missverständnisse und Irritationen. Mit dem Modell von Schulz von Thun können~ Kommunikationssituationen genauer beschrieben und analysiert werden.
Sender (z.B. Lehrer)
Heute hattest du gute Ideen. Empfänger (z.B. Schüler)
Ja, ich weiß, dass ich außer
heute immer nur Chaos im Kopf habe.
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4 Seiten einer Nachricht
Das Modell von Schulz von Thun (1981) verbindet verschiedene Aspekte der Modelle von Bühler und Watzlawick. Schulz von Thun geht wie Bühler davon aus, dass jede Mitteilung einen Sachaspekt (Darstellung), einen Ausdrucksaspekt (Selbstoffenbarung) und einen Appellaspekt (Aufforderung) hat. In Anlehnung an Watzlawicks Axiome nimmt Schulz von Thun zusätzlich den Beziehungsaspekt in sein Modell auf, so dass nach diesem Modell jede und zwar wirklich jede Mitteilung 4 Aspekte enthält. Diese werden häufig auch als 4 Seiten des Nachrichtenquadrats bezeichnet (s. Abb.). Schulz von Thun geht also auch von dem Sender-Empfänger-Grundmodell aus, beschreibt jedoch die Nachricht genauer und detaillierter.
Im Beispiel sagt ein Lehrender am Anfang das Unterrichts: "Es hat geklingelt!"~
Sachaspekt
"Es hat~
geklingelt"
Sender~~~~~~~~~~
Selbstoffenbarung
"Ich möchte mit dem Unterricht beginnen" Appellaspekt
"Seid ruhig und hört zu." Empfänger
Beziehungsaspekt
"Ich bin der, der entscheidet, wann es losgeht"
~
1. Sachinhalt: (oder: Worüber ich dich informiere)~
Informationen über mitzuteilende Geschehnisse und Dinge. Beispiel: Es hat geklingelt.
2. Selbstoffenbarung: (oder: Was ich von mir selbst kundgebe)~
Informationen über die Person des Senders. Beispiel: Ich möchte mit dem Unterricht beginnen.
3. Beziehung: (oder: Was ich von dir halte und wie wir zueinander stehen)
Was der Sender vom Empfänger hält und wie er zu ihm steht. Oft zeigt sich dies in nichtsprachlichen Begleitsignalen, z.B. Tonfall, Gestik. Beispiel: Ich entscheide hier, und ihr müsst euch danach richten.
4. Appell: (oder: Wozu ich dich veranlassen möchte)
Jede Nachricht will auf den Empfänger Einfluss nehmen. Die Nachricht soll dazu führen, dass der Empfänger bestimmte Dinge tut oder unterlässt, denkt oder fühlt. Beispiel: Kommt zur Ruhe und hört zu!
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Sachaspekt
(Worüber ich informiere.)
Der Sachinhalt bezieht sich zunächst einmal auf die tatsächliche Information. Im Beispiel des gerade von Ihnen bearbeiteten Lernprogramms ist das die Darstellung von Kommunikationsprozessen. Lässt man die Interpretationen weitgehend außer acht, so stellt sich der Sachinhalt direkt dar. Die Darstellung des Sachinhalts sollte möglichst verständlich und inhaltlich richtig sein.
Im täglichen Leben insbesondere bei vielen beruflichen oder universitären/schulischen Kommunikationsformen wird dieser Aspekt der Nachricht besonders hervorgehoben. Vielen Personen erscheint es zunächst überraschend, dass eine Nachricht neben den Sachaspekt noch andere Botschaften enthalten soll.
Auf die verständliche Darstellung des Sachaspekts wird im Kapitel "Pädagogische Anwendung" näher eingegangen.
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Selbstoffenbarungsaspekt
(Was ich über mich selbst sage.)
"Wer etwas von sich gibt, gibt auch etwas von Sich". Diese Aussage bringt noch einmal den zentralen Aspekt der Selbstoffenbarung zum Ausdruck. Jeder Sender einer Nachricht sagt, ob er will oder nicht, etwas über sich selbst aus. In der Selbstoffenbarung sind zwei Komponenten enthalten: Zum einen die gewollte Selbstdarstellung, zum anderen die ungewollte Selbstenthüllung.
Um eine positive Selbstdarstellung zu erreichen kann man z.B. "nebenbei" einfließen lassen, wen man alles kennt, was für tolle Sachen man sich gekauft hat etc.
Bei vielen Botschaften spielt die Furcht vor einer (ungewollten) Selbstenthüllung eine Rolle und kann Quelle für Störungen sein. Als Beispiel kann man sich einen Referenten vorstellen, der seine Unsicherheit verbergen will, indem er viele Fachbegriffe verwendet.~ Viele Psychologen kennen die Reaktion von Anderen: "Da muss ich ja jetzt aufpassen, was ich sage, wenn ich mit Ihnen rede". Dies zeigt, dass die meisten Menschen zumindest eine Ahnung von dem (ungewollten) Selbstoffenbarungsaspekt der Kommunikation haben. Um der ungewollten Selbstenthüllung zu entgehen, könnte man versuchen, gar nichts zu sagen. Allerdings hat das auch wieder eine Selbstoffenbarungsbotschaft (man kann nicht nicht kommunizieren!).
Häufig kann man bei Fußballern im Interview nach einem Spiel Aussagen finden wie: "Man freut sich dann schon, wenn man ein Tor gemacht hat." oder "Man ist dann schon enttäuscht". Dies scheint zumindest eine geringere Selbstoffenbarung als "Ich freue mich über mein Tor" oder "Ich bin enttäuscht", und hört sich vielleicht sachlicher an. In vielen Selbsterfahrungsgruppen spielt jedoch gerade die Wahrnehmung und die Äußerung von eigenen Emotionen eine wichtige Rolle, so dass es dort oft die Regel gibt, "ich" statt "man" zu sagen (vgl. Cohn, 1975).
Dies führt zu den expliziten Selbstoffenbarungsaussagen. Die Selbstoffenbarung kann entweder in der Botschaft verdeckt enthalten sein (implizit, s. bisherige Beispiele) oder explizit formuliert werden (z.B. "Ich freue mich", "Ich bin enttäuscht", "Dazu kann ich jetzt gar nichts sagen", "Ich bin unsicher" etc.). Häufig bringen solche Aussagen für den Empfänger (und auch für den Sender) eine wesentlich klarere Botschaft als implizite Selbstoffenbarungen. Das Verwenden expliziter Selbstoffenbarungen ist daher ein wesentlicher Bestandteil in Kommunikationstrainings, Paarberatungen und therapeutischen Übungen.
Vielleicht haben Sie sich schon gefragt, was wohl der Selbstoffenbarungsaspekt dieses Kurses ist, da das Modell ja postuliert, dass jede Kommunikation 4 Nachrichtenseiten hat. Die AutorInnen dieser Seite sagen auf jeden Fall etwas darüber aus, welche Punkte sie wichtig finden, welchen Hintergrund sie haben (deutschsprachig, Psychologiestudium...) u. ä..
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Beziehungsaspekt
(So stehen wir zueinander.)
Streng genommen handelt es sich bei dem Beziehungsaspekt auch um eine Art der Selbstoffenbarung, da hier Aussagen wie "So stehen wir zueinander" oder "Ich habe dieses Bild von Dir" zum Ausdruck kommen. Für den Sender gibt es also keinen Unterschied zwischen Selbstoffenbarung und Beziehungscharakter der Nachricht. Für den Empfänger gibt es jedoch einen Unterschied. Die Beziehungsaussage betrifft im Gegensatz zur Selbstoffenbarungsaussage auch den Empfänger. Daher ist es durchaus sinnvoll, diese zwei Aspekte zu trennen.
In dem Beziehungsaspekt sind eigentlich zwei Komponenten versteckt. Zum einen ist darin enthalten, wie ich den anderen sehe ("Du bist so"). Zum anderen ist es eine Aussage über die Beziehung ("So stehen wir zueinander"). Zunächst zum Bild des anderen. Während die Aussage im Selbstoffenbarungsaspekt eine Ich-Aussage ist, ist die Beziehungsbotschaft eine Du-Aussage (Z.B. "Du bist jemand, dem man alles ganz einfach erklären muss".). Dies ist ein ganz wesentlicher Aspekt für Eltern und Lehrende, da gerade im Kindes- und Jugendalter sich das Selbstbild und Kompetenzgefühl sehr stark auch aus den kommunizierten Erfolgserwartungen (Beziehungsaspekt) bildet (vgl.Schulz von Thun 1981, S. 187).
Der andere Aspekt bezeichnet eine Beziehungsdefinition. Der Empfänger muss dann entscheiden, ob er die Beziehungsdefinition akzeptiert oder nicht. "Kannst Du mir sagen wie spät es ist?" "Nein ich kann es Ihnen nicht sagen." Hier wird die Beziehungsdefinition ("Wir stehen uns so nahe, dass wir uns duzen können") vom anderen Gesprächsteilnehmer nicht akzeptiert. Beispiel: Eine Mutter sagt zu Ihrem 18-jährigen Sohn: "Zieh Dir doch eine Jacke an, es ist kalt!" könnte auf der Beziehungsebene heißen, dass die Mutter ihren Sohn noch nicht für eigenverantwortlich hält. Die Antwort "Mir ist gar nicht kalt" könnte einfach nur das Ablehnen dieser Beziehungsdefinition sein.
Schulz von Thun (1981, S.28 ff) beschreibt den Beziehungsaspekt zwischen seinen Lesern und dem von ihm geschriebenen Text: "Was spielt sich jetzt, während Sie diesen Text lesen, auf der Beziehungsseite der Nachricht ab? Indem ich überhaupt den Beitrag geschrieben und veröffentlicht habe, gebe ich zu erkennen, dass ich Sie für informationsbedürftig halte. Ich weise Ihnen die Rolle des Schülers zu. Indem Sie lesen (und weiterlesen), geben Sie zu erkennen, dass Sie eine solche Beziehung für den Augenblick akzeptieren. Es könnte aber auch sein, dass Sie sich durch meine Art der Entwicklung von Gedanken "geschulmeistert" fühlen. Dass Sie bei sich denken: 'Mag ja ganz richtig sein, was der da schreibt (Sachseite der Nachricht), aber die dozierende Art fällt mir auf den Wecker...'".
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Appellaspekt
(Wozu ich Dich veranlassen möchte.)
Oft dient die Kommunikation dazu, beim Empfänger ein bestimmtes Verhalten, Gefühle oder Gedanken auszulösen. Dieser Appell kann entweder offen oder verdeckt sein. Wenn der Appell verdeckt ist, so handelt es sich um Manipulation. Die Werbung versucht durch Kommunikation ein bestimmtes (Kauf-) verhalten auszulösen. Es gibt so gut wie keine Werbung, die diese Aufforderung offen ausspricht ("Kaufen Sie dieses Produkt"). Die Werbung ist deswegen ein gutes Beispiel, weil sie auch die anderen Aspekte der Nachricht auf den Appell ausrichtet. So kann man z.B. durch einseitige Sachinformation, oder Komplimente auf der Beziehungsebene die Wahrscheinlichkeit der Ausführung des Appells erhöhen. Auch unterwürfiges Verhalten kann einen Appell unterstützen. Denken Sie z.B. an den Angestellten, der eine Gehaltserhöhung möchte.
Ebenso wie bei der Selbstoffenbarung führen auch auf der Appellseite explizite Botschaften (also direkt ausgesprochene Appelle) zu einer klareren Kommunikation (z.B. "Könntest Du bitte das Fenster schließen?" statt "Ist Dir auch kalt?".
Vielleicht haben Sie schon darüber nachgedacht, welchen Appell dieses Programm mit seiner "Kommunikation" verfolgt. In jedem Falle versucht es, Sie zur Beschäftigung mit dem Inhalt "Kommunikation" anzuregen, und speziell, die verschiedenen Seiten von Nachrichten zu trennen.
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Allgemeines zu den 4 Seiten einer Nachricht
Ob er will oder nicht, der/die SenderIn sendet immer gleichzeitig auf allen 4 Seiten. Die Kunst, die wir bei jeder täglichen Kommunikation anwenden, besteht darin, aus der Vielzahl an möglichen Aussagen, die Nachricht auszuwählen, die alle vier Aspekte in der richtigen Mischung enthält. Man kann zwar davon ausgehen, dass die verschiedenen Seiten je nach Gespräch unterschiedlich viel Gewicht haben, allerdings enthält jede Nachricht immer alle vier Seiten. In dem Modell wird auch deswegen von dem Nachrichtenquadrat gesprochen, weil alle Seiten als gleichrangig angesehen werden. Eine erfolgreiche Kommunikation ist nur gewährleistet, wenn der Sender alle 4 Seiten beherrscht und der Empfänger imstande ist, alle 4 Seiten aufzunehmen.
Ausgehend von Watzlawicks Axiomen kann man nicht nicht kommunizieren. Das gilt auch für das Modell von Schulz von Thun. Schweigen ist z.B. nur auf der Sachseite ein Fehlen einer Botschaft. Auf der Selbstoffenbarungs-, Beziehungs-, und Appellseite hat es jedoch eine Bedeutung. Auch nonverbale Botschaften wie z.B. ein Lächeln kann nach dem Modell von Schulz von Thun analysiert werden (siehe Nonverbale Kommunikation).
Die Analyseeinheit ist im Prinzip beliebig. Als Nachricht kann man ein Wort, einen Brief, eine ganze Rede oder nonverbale Signale heranziehen. Auch aus einer ganzen Rede kann man eine zentrale Appellseite herauslesen.
Wir haben bereits gesagt, dass für eine erfolgreiche Kommunikation die Fähigkeit des Empfängers wichtig ist, alle 4 Seiten aufzunehmen. Dabei kann es zu Missverständnissen kommen, da der Empfänger i.d.R. eine Seite der Nachricht stärker aufnimmt und nur darauf reagiert.
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Empfänger
Können sie sich noch erinnern, für welche Bedeutung Sie sich entschieden haben, wenn ein Chef zu seiner Sekretärin sagt: "Der Kaffee ist leer."?
Der Kaffee ist tatsächlich leer.
Ich bin der Chef und Sie meine Angestellte.
Kochen Sie bitte neuen Kaffee.
Ich würde gerne noch Kaffee trinken.
Die Kommunikation ist nämlich noch komplizierter: Nicht nur, dass jede Nachricht vier verschiedene Seiten enthalten kann, sondern auf Empfängerseite besteht noch die Auswahl, welcher Aspekt einer Nachricht besonders wahrgenommen wird. Das bedeutet, dass der Empfänger (häufig unbewusst) auswählt, auf welche Seite der Nachricht er reagiert. Der Empfänger besitzt also~ "4 Ohren", mit denen er eine gesendete Nachricht aufnehmen kann. Oft hat er einige seiner Ohren ausgeschaltet, ohne sich dessen bewusst zu sein. Der Empfänger sollte jedoch wissen, dass ein Gespräch sehr verschieden verläuft, je nachdem mit welchem Ohr er gerade zuhört. In dem oben gezeigten Beispiel gibt es also keine richtige Antwort, aber Sie können sehen, welchen Aspekt sie bei der Wahrnehmung besonders herausgehört haben.
Für den Sender bedeutet das, dass er unter Umständen nur geringen Einfluss auf den Empfang seiner Nachricht hat, und dass die gleiche Nachricht bei unterschiedlichen Empfängern ganz unterschiedlich aufgenommen werden kann. Erst aus der Reaktion und dem Feedback kann der Sendende ersehen, wie die Nachricht aufgenommen wurde. Darauf kann er dann in der weiteren Kommunikation wiederum reagieren.
Bei manchen Empfängern ist das auf die Beziehungsseite gerichtete Ohr so groß, dass sie in viele beziehungsneutrale Nachrichten eine Stellungnahme zu ihrer Person hineinlegen oder übergewichten. Sie fühlen sich leicht angegriffen und beleidigt. In jeder Nachricht wird eine gegen die eigene Person gerichtete Gemeinheit gewittert.
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Auswahl des Empfängers
Lehrende haben oft ein großes Appellohr im Laufe ihrer beruflichen Laufbahn entwickelt.
Beispiel: Lehrer ist nach der kleinen Pause auf dem Weg zu seiner Klasse. Da ruft ihm die zehnjährige Lisa zu: "Tim hat sein Buch in die Ecke geworfen." Wie reagiert der Lehrer als Empfänger?
Manche Lehrer beziehen sich auf den Sachinhalt: "Hat Tim das absichtlich getan?"
Andere reagieren auf die Selbstoffenbarung Lisas: "Du bist aber eine Petzliese!"
Einige Lehrer beziehen sich auf den Beziehungsaspekt: "Schön, dass du mir vertraust..."
Die Mehrzahl der Lehrer reagiert appellhaft: „Ich werde sofort schauen, was da los ist!"
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Nonverbale Kommunikation
Tagtäglich treffen wir viele Menschen, mit denen wir Körpersignale wie z.B. ein Lächeln, ärgerliche Blicke, sympathische Blicke etc. austauschen. Nimmt man die Definition der Kommunikation zur Hand, wo Kommunikation als Austausch von Informationen beschrieben wird, so gehören auch diese Körpersignale zum Bereich der Kommunikation. Meistens wird diese Form als nonverbale Kommunikation bezeichnet. Im Gegensatz zum Anfang des Kurses, bei dem stärker die verbale Kommunikation im Mittelpunkt stand, werden bei dem nonverbalen Austausch von Informationen andere Kanäle, wie z.B. Mimik und Gestik verwendet. Zunächst werden einige Eigenschaften der nonverbalen Kommunikation dargestellt und dann spezielle Kanäle genauer beschrieben (z.B. Blickverhalten).
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Warum gibt es nonverbale Kommunikation?
Sehen Sie sich die Bilder an. Vermutlich werden Sie sehr schnell die Stimmungen der Personen erfasst haben. Hieran wird ein großer Unterschied zur verbalen Kommunikation deutlich. Stellen Sie sich vor, sie wollten einer unbekannten Person mit Worten sagen, dass Sie sie sympathisch finden. Während das mit Worten vermutlich gar nicht so einfach ist und eine Weile dauert, können Sie dies mit einem Lächeln im Bruchteil einer Sekunde vermitteln. Manchmal sagt ein Lächeln eben mehr als 1000 Worte. Nonverbale Kommunikation kann also insbesondere bei der Vermittlung von Stimmungen und dem Beziehungsaspekt (z.B. Sympathie) effektiv und schnell sein. Nonverbal können auch Emotionen geäußert werden, die aus Höflichkeitsgründen verbal nicht geäußert würden wie z.B. Abneigung, Aggressivität, Ärger aber auch Zuneigung, Interesse und Sympathie.
Schaut man sich die evolutionäre Entwicklung an, so wird deutlich, dass die nonverbale Kommunikation wesentlich älter ist als die verbale. Es überrascht daher nicht, dass Charles Darwin einer der ersten Forscher war, die sich mit dem mimischen Ausdruck von Emotionen beschäftigt hat. Im Tierreich spielen die Mimik und Gestik eine sehr große Rolle. Viele nonverbale Signale von z.B. Hunden können wir auf Anhieb interpretieren. Es gibt aber auch Unterschiede (Wenn Hunde die Zähne fletschen, lächeln sie nicht, sondern sind aggressiv). Nonverbale Signale erfassen wir sehr schnell, aber zu einem großen Teil gar nicht bewusst. Trotzdem beeinflussen sie deutlich die Kommunikation. Auch das Senden von nonverbalen Signalen findet häufig unbewusst statt.
Es gibt jedoch auch bestimmte Schwierigkeiten bei der nonverbalen Kommunikation. Körpersprache ist eine Symbolsprache und jede körpersprachliche Aussage kann mehrdeutig sein (z.B. Lachen aus Freude vs. Lachen aus Schadenfreude). Deswegen kann man nicht einfach bestimmte nonverbale Ausdrucksformen mit bestimmten Bedeutungen gleichsetzten, wie das teilweise in laienpsychologischen Büchern geschieht. Jede nonverbale Kommunikation muss im situativen Gesamtzusammenhang betrachtet werden.
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Unterschiede verbal vs. nonverbal
Nonverbale Kommunikation ist für den zwischenmenschlichen Austausch sehr wichtig. Ohne nonverbale Kommunikation wäre ein erfolgreicher Interaktionsaustausch nur eingeschränkt möglich (vgl. Forgas, 1999). Nonverbale Signale werden tagtäglich und häufig unbewusst von uns gesendet und empfangen. Da sie keiner bewussten Analyse bedürfen, ruft der gesendete Inhalt beim Empfänger eine ganz unmittelbare Reaktion und Interpretation hervor. In der Fachsprache gelten nichtsprachliche Reize somit als "peripher", was soviel heißt wie "weniger streng vom Bewusstsein gesteuert" als verbale Botschaften. Wir denken selten darüber nach, welche nonverbalen Zeichen wir einsetzen und was sie eigentlich bedeuten.
Wie wichtig nonverbale Kommunikation ist, wird deutlich, wenn man sich ihre Funktionen klar macht und sich fragt, wozu sie im Gesamtkontext einer Interaktion (beispielsweise einem Gespräch) eigentlich nützlich ist. Zunächst haben nonverbale Zeichen (Gestik, Mimik, Körperhaltung und Raumverhalten) die Aufgabe, den Verlauf einer Interaktion zu regulieren. So signalisieren wir zum Beispiel unsere Gesprächsbereitschaft, den Gesprächsabbruch oder einen Redewechsel mit Blicken, Kopf- und Körperbewegungen und Gesten. Zudem legen die Signale fest, welche Bedeutung eine Interaktion für die Beteiligten hat: Unmittelbar tauscht man sich über Zustimmung und Ablehnung oder Interesse am Thema und an der anderen Person aus. Allgemeine Merkmale nichtverbaler Signale sind das Unterstreichen, Ergänzen, Abwandeln und Ersetzen verbaler Äußerungen. Neben diesen allgemeinen Funktionen lassen sich auch ganz spezielle Eigenschaften nichtverbaler Kommunikation benennen.
Alle Kanäle gemeinsam (Mimik, Gestik, Blick-, Raumverhalten, etc.) übermitteln deutlich den Gefühlszustand einer Person und dienen unserer Selbstdarstellung. Man kann sich das sehr gut vorstellen, wenn man beispielsweise an ein erstes Date potentieller Liebespartner denkt. Kaum werden beide sich wörtlich sagen, wie intelligent und liebenswürdig sie doch sind, vielmehr übermitteln zahlreiche nonverbale Signale wie Blicke, Gesten, Lachen und Körperzuwendung gegenseitiges Interesse.
Die vier Seiten einer Nachricht nach Schulz von Thun kann man auch auf die nonverbale Kommunikation übertragen (Schulz von Thun, 1981 S. 34). Demnach hat ein nonverbales Signal (Bsp.: Weinen) jeweils eine Selbstoffenbarungsbotschaft (Infos über mich selbst), einen Appell (Aufruf, wie der andere sich verhalten soll) und einen Beziehungsaspekt (wie stehen wir zueinander?). Der Sachinhalt bleibt allerdings leer - demnach liefern nonverbale Kanäle Informationen sozialer Art.
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Kongruenz und Inkongruenz
Auf die Frage: " Wie geht es Ihnen?", sagt diese Frau: "Gut, alles in Ordnung."
Dieser Chef sagt zu einem Mitarbeiter: "Ich höre Ihnen aufmerksam zu".
Schauen Sie sich die Bilder an. Was fällt Ihnen auf?
Im Ablauf einer Kommunikation sind immer zwei Anteile enthalten: sprachliche und nicht-sprachliche. Die beiden Komponenten können sich zum einen ergänzen, um sich gegenseitig zu unterstützen, andererseits können sie sich auch widersprechen. Um diesen Widerspruch verschiedener Signale geht es auf dieser Seite. Schulz von Thun spricht bei gegenseitiger Ergänzung von kongruenten, bei einem Widerspruch von inkongruenten Nachrichten (Schulz von Thun 1981 ,S. 35).
Welches obige Beispiel zeigt inkongruentes (=nicht übereinstimmendes) verbales und nonverbales Verhalten? Keines
Die Frau
Der Chef
Beide Beispiele
Das 1. Bild, "Es ist alles in Ordnung" sendet dem Empfänger zwei Botschaften. Nonverbal könnte die Botschaft sein: "Ich bin verärgert!". Verbal äußert sie eher das Gegenteil. Für den Empfänger wirken solche widersprüchlichen Signale sehr verwirrend. Welcher Nachricht soll er glauben? Es ist nicht eindeutig, wie er reagieren soll. Auch im zweiten Bild scheint der Chef im Gegensatz zu seiner Aussage nonverbal eher zu senden, dass er wenig am Gespräch interessiert ist.
Eine Nachricht kann auch auf der rein nonverbalen Ebene widersprüchlich sein. Stellen sie sich einen Mann vor, der lächelt und dabei nervös die Hände bewegt. Das Lächeln signalisiert: "Ich bin zufrieden, alles in Ordnung". Die Hände wiederum sagen dem Gegenüber: "Ich bin nervös oder unruhig".
Wenn wir verstehen wollen, wie es eigentlich zu solchen inkongruenten Botschaften kommt, müssen wir uns in den Sender hineinversetzen. Vielleicht befindet sich der Sender/die Senderin in einem inneren Konflikt mit sich selbst, einer Art gemischten Stimmung. Dies würde bedeuten, dass beide Signale echt sind, man spricht auch von ambivalenten Signalen.
Wenn die Ursache versteckter ist und die Person ihre Wut mit einem Lächeln vertuschen will, dann hat man es mit "widersprüchlichen Signalen" zu tun und eines der Signale ist nicht echt. Entweder, der Sender will sich nicht ganz festlegen um notfalls seine Äußerungen widerrufen zu können oder aber in ihm oder ihr herrscht ein "inneres Kuddelmuddel" und die Person kann die verschiedenen Strebungen der Gefühle nicht sortieren (vgl. Schulz von Thun, 1981). Interessant hierzu ist auch die Beschreibung zu Paradoxien (Link).
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Was ist wichtiger? Was wir sagen oder wie wir es sagen?
Nonverbale Botschaften werden häufig sogar stärker wahrgenommen!! Erinnern Sie sich an ein Gespräch vor ca. 3 Wochen. Es ist gar nicht so unwahrscheinlich, dass Sie sich an den konkreten Inhalt (verbal) nicht mehr erinnern können, aber durchaus sagen können, wie die Grundstimmung in dem Gespräch war, ob Ihnen die andere Person sympathisch war etc. (nonverbal). Daraus folgt, dass teilweise nonverbale Botschaften dominanter in der sozialen Interaktionen sind als verbale.
Zu dieser Frage macht folgende Untersuchung deutlich, welches Signal vom Empfänger in einer widersprüchlichen Situation eher als die "richtige" wahrgenommen wird:
In einem Experiment haben Ekman und Friesen (1969) Videos vom Verhalten psychiatrischer Patienten aufgezeichnet. Die Patienten versuchten, mit ihren sprachlichen Äußerungen normale Anpassung und Glück zu simulieren, sie waren aber sehr ängstlich und und zeigten nonverbale Unterlegenheitsgefühle, ähnlich wie in Bild 2. Im zweiten Schritt wurden Versuchspersonen gebeten, sich die Aufnahmen anzusehen und ihren Eindruck mitzuteilen.
Ergebnisse: Die nonverbalen Botschaften wirkten auf die Personen, die die Videos anschauten um vieles überzeugender als die verbalen Äußerungen. Demnach achten wir beim Kommunizieren tendenziell weniger darauf, was wir sagen und nehmen eher wahr, wie wir etwas sagen. Nonverbale Signale sind also sehr aussagekräftig für den zwischenmenschlichen Austausch, besonders wenn es um die Vermittlung von Emotionen und Einstellungen geht.
Wollen sie selbst einmal festzustellen, wie eine widersprüchliche Nachricht wirkt? Dann brauchen sie sich nur nur für diese kurze Übung vor den Spiegel zu stellen. Machen Sie ein möglichst traugiges Gesicht und sagen Sie:"Ich bin so glücklich!". Oder Lachen Sie und sagen: "Ich bin so unglücklich!". Wie fühlt sich das an? Wie wirkt es?
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Geschlechtsunterschiede
Unterscheiden sich Männer und Frauen in Ihrem Kommunikationsverhalten?
Folgende Fragen beziehen sich auf verschiedene Forschungsergebnisse. Versuchen Sie zu erraten, was bei den jeweiligen Studien herausgekommen ist. Auch wenn Verhalten sehr individuell und situationsbezogen ist, überlegen Sie, welche Resultate sich im Durchschnitt vieler Situationen ergeben.
Frauen Wer redet leiser? Männer
Frauen Wer kann Körpersprache besser deuten?
Männer
Frauen Wer berührt außerhalb von privaten Kontakten häufiger gegengeschlechtliche Personen?
Männer
Frauen Wer geht häufiger zur Seite, wenn sich ein Mann und eine Frau auf dem Bürgersteig entgegenkommen?
Männer
Frauen Wer nimmt häufiger den Blickkontakt auf?
Männer
Frauen Wer senkt bei gemischtgeschlechtlichen Begegnungen von unbekannten Personen schneller den Blick ab?
Männer
Frauen Wer redet länger und mehr in beruflichen Gesprächen?
Männer
Frauen Wer wird im Gespräch häufiger unterbrochen? Männer
Frauen Wer unterbricht andere Gesprächsteilnehmer häufiger? Männer
Frauen Wer bestimmt häufiger das Thema eines Gesprächs? Männer
Frauen Wer verwendet häufiger angehängte Fragen wie z.B. „nicht wahr", „oder nicht" etc. ? Männer
Frauen Wer hat ein kooperativeren und konsensorientierteren Gesprächsstil (stärkere Berücksichtigung anderer Beiträge, häufigere Rückmeldung wie Nicken , etc. )? Männer
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Alle diese Fragestellungen und noch viele andere wurden von Psychologen, Soziologen und anderen Wissenschaftlern untersucht. Die verschiedenen Ergebnisse zu den ganz unterschiedlichen Kommunikationsaspekten legen nahe, dass sich das Kommunikationsverhalten von Männern und Frauen unterscheidet. Auch wenn es durchaus große individuelle Unterschiede gibt, kann man doch von einem eher männlichen und einem eher weiblichen Kommunikationsstil sprechen. Die Bedeutung von geschlechtstypischem (nonverbalem) Verhalten zeigt sich z.B. bei Transsexuellen oder Homosexuellen, die teilweise das Bewegungsrepertoire des anderen Geschlechts übernehmen.
Gleichzeitig lassen sich die Geschlechtsunterschiede in der Kommunikation nur zu einem ganz geringen Teil auf biologische Ursachen zurückführen und basieren eher auf sozialen Lernprozessen. Auch der deutliche Unterschied in der Stimmhöhe beruht zwar zum Teil auf biologischen Ursachen, ist aber in der Deutlichkeit durch kulturspezifische und gesellschaftliche Ursachen zu erklären. Z.B. ist in asiatischen Ländern der Geschlechtsunterschied in der Stimmhöhe nicht so groß.
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Diskriminierung und nonverbales Verhalten
In vielen Bereichen des (nonverbalen) Kommunikationsverhaltens wird in gewisser Form auch Dominanz/Diskriminierung ausgedrückt. Z.B. wer redet länger, häufiger, lauter, bestimmt das Thema, hält und sucht Blickkontakt, wendet den Blick ab, geht auf dem Bürgersteig zur Seite etc. So überrascht es nicht, dass es gewisse Parallelen zwischen Geschlechtsunterschieden und Rassenunterschieden (z.B. Schwarz-Weiß in Amerika) im Kommunikationsverhalten, insbesondere auch nonverbal, gibt. Dabei entspricht häufig das Verhalten von Weißen im Umgang mit Farbigen dem Verhalten von Männern gegenüber Frauen.
Ist Ihnen schon mal aufgefallen, dass in Talkshows der Quizmaster häufig Frauen leicht an der Schulter berührt, um sie zum Ausgang zu geleiten? Das gleiche Verhalten von einer Quizmasterin gegenüber einem Mann haben Sie wahrscheinlich noch nicht oft gesehen. Auch in Berührungen kann sich "Dominanzverhalten" zeigen. Interessant ist es auch, in einer politischen Diskussion das geschlechtstypische Verhalten zu beobachten (z.B. Redezeit, Lautstärke, Unterbrechen des Sprechers/der Sprecherin etc.).
Die Regeln dafür, wer aufgrund der geschlechtstypischen Rollenerwartungen was darf, sind gesellschaftlich relativ genau festgelegt. Bis sich die Gleichberechtigung auch in so subtilen Bereichen wie dem (nonverbalen) Kommunikationsverhalten vollständig umgesetzt ist, dauert es vermutlich noch eine Weile. Um daran etwas zu ändern, sind auf jeden Fall beide Geschlechter gefordert, denn dominantes Verhalten ist nur möglich, wenn es zugelassen wird. Der wichtigste Schritt dazu ist zunächst, sich die vielen, häufig unbewussten Prozesse und deren Wirkung bewusst zu machen.
Interessierte LeserInnen finden genauere Beschreibungen zu diesem Thema in Körperstrategien (Henley, 1988).
Hier sehen Sie typisch männliche und weibliche Sitzhaltungen. Probieren Sie die verschiedenen Sitzhaltungen aus. Welche sind bequemer? Welche fühlen sich dominanter an?
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Spezielle Nonverbale Kanäle
"Die Transskription und Detailanalyse von allem, was sich während eines fünfminütigen Gesprächs zuträgt oder was in einer 18 Sekunden währenden Sequenz des Zigarettenanbietens und -anzündens geschieht, kann ein ganzes Forscherteam über Jahre hinweg beschäftigen" (Birdwhistell 1952, 1970).
Da die nonverbale Kommunikation mit all ihren Ausdrucksformen zusammen sehr komplex ist (s. Zitat), untersuchen Psychologen häufig auch isolierte Botschaften einzelner Kanäle, nämlich Blicke, Haltung, Mimik, die Stimme, das Raumverhalten. Im Folgenden sind Forschungsergebnisse über diese Kanäle dargestellt. Sie sollten beachten, dass es diese Trennung während einer Interaktion eigentlich nicht gibt. Vielmehr legen alle Signale gemeinsam eine Bedeutung fest. Es spielt auch eine wichtige Rolle, in welcher Beziehung die Interaktionspartner zueinander stehen, wo und über was sie sich unterhalten. Es geht bei den folgenden Darstellungen also keineswegs darum, die jeweils passende Interpretation für das dazugehörige Muster eines Blickes (einer bestimmten Haltung, etc.) zu beschreiben.
Untersuchungen zeigen, dass der Austauschprozess nicht nur ein einfacher Wechsel, ein "hin- und her" von Signalen zwischen Personen ist, sondern dass wir eher simultan (heißt gleichzeitig) kommunizieren, denn wir können Signale aufnehmen und sie gleichzeitig produzieren. Daher steuern die Interaktionspartner ihr eigenes und gleichzeitig das Verhalten und Erleben des anderen synchron. Diese "Interaktionssynchronie" ist auch für das Phänomen der Stimmungsübertragung verantwortlich. Es lohnt sich, einmal bewusst darauf zu achten.
Im Folgenden werden einige ausgewählte Aspekte dargestellt: Blickverhalten, Raumverhalten, Berührungen, Stimme und Mimik. Andere interessante Themenbereiche, die hier nicht dargestellt werden, sind Kleidung, Körperhaltungen, Kopfbewegungen u. a. (vgl. Henley, 1988).
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Blickverhalten
Die Überzeugung, die Augen seien der Spiegel der Seele und können nicht lügen, ist weit verbreitet.
Auf dieser Seite geht es um den Blick, der ein wichtiger Steuerungsmechanismus für alle Interaktionen und das häufigste wie wirksamste Signal nonverbaler Kommunikation ist. In unserer westlichen Kultur hat sich der visuelle Kanal als der am meisten genutzte Sinn entwickelt. Daher richten wir schon fast automatisch und unbewusst viel Aufmerksamkeit auf die Blicke anderer.
In der Forschung zu Blicken wurden vor allem bestimmte Blickmuster untersucht. Mit Blickmustern zeigen wir vor einem Gespräch unsere Kommunikationsbereitschaft an. Während des Gespräches registrieren wir dann durch Blicke ganz automatisch die Aufmerksamkeitsstrukturen des Partners. Das heißt, wir sehen, ob eine Person nachdenkt, ob sie ihr Sprechen gerade vorbereitet und Argumente sortiert oder ob sie uns überhaupt zuhört. Diese enge Kopplung an kognitive Vorgänge ist das zentrale Kennzeichen des Blickverhaltens.
Suchen sie sich einen Partner. Stellen Sie ihm oder ihr eine Rechenaufgabe und beobachten Sie daraufhin das Blickverhalten der Person. Schaut sie Ihnen in die Augen beim Lösen der Aufgabe oder wendet sie den Blick ab? Auch innerhalb eines Gesprächs können sie diese Beobachtung durchführen. Achten Sie hierbei auf die Blicke ihres Gegenübers in den Moment, da sie eine Frage gestellt haben und ihr Partner zum Nachdenken ansetzt. (vgl. Blickabwenden beim Lösen einer Aufgabe, Day, 1964)
Blicke wählen im Gespräch Informationen aus oder blenden sie aus. Die Ausblendung passiert dann, wenn eine Person ihr Sprechen vorbereitet, da Denkprozesse eine hohe Aufmerksamkeit beanspruchen. Das Wegschauen stellt in diesem Moment eine Entlastung der zentralen Verarbeitung dar. Unserer Leistung für die Verarbeitung von Informationen sind Grenzen gesetzt. Sie können das mit einer Übung selbst beobachten:
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Funktion von Blicken
Wer schaut bei einer Unterhaltung öfter den anderen an ? Der Sprecher den Zuhörer
Der Zuhörer den Sprecher
Forscher haben charakteristische Blickmuster am Beispiel Gespräch gefunden. Wir denken zwar nicht bewusst darüber nach, wie oft wir wann unseren Gesprächspartner anschauen, dennoch gibt es bestimmte Regeln und Gesetzmäßigkeiten, die je nach Situation eingehalten werden. So blickt der Sprecher/ die Sprecherin zum Beispiel am Anfang einer Äußerung vom Zuhörer/ von der Zuhörerin weg und am Ende einer Äußerung wird der Zuhörende dann wieder angeschaut. Der Blick reguliert demnach, wer wann sprechen darf und zeigt den Wechsel an (Kendon, 1967), er sorgt während des gesamten Gesprächs für die visuelle Balance der Interaktion. In unserem Kulturkreis blickt der Zuhörer mehr als der Redner: In der Rolle des Redners schaut man den anderen zu 41% der Zeit an, beim Zuhören sind es schon 75%.
Dabei gilt es, ein bestimmtes Gleichgewicht zu bewahren. Zuviel Anschauen oder zuwenig wie überhaupt nicht Blicken, das fällt sofort auf und sorgt für Verunsicherung.
Übung: Probieren Sie es selbst einmal aus: Versuchen Sie bei einem Gespräch a) während Sie selbst sprechen, Ihren Gesprächspartner dauerhaft anzuschauen, oder b) während dem Zuhören, den Sprecher /die Sprecherin gar nicht anzuschauen. Anschließend können Sie sich darüber austauschen.
An einer Universität sprach man mit Studierenden folgendes ab: Während eines Vortrages sollten zunächst alle, die auf der linken Seite saßen, den Dozenten ansehen, während alle auf der rechten Seite den Redner ignorieren sollten. Nach der Hälfte der Vortragszeit sollten alle ihre Rollen tauschen. Ergebnis: der Redner war anfangs etwas irritiert, dass nur eine Seite Interesse an seinem Vortrag hatte, er passte sich jedoch schnell der Situation an, indem er seine Worte und Blicke ausschließlich an die linke (interessierte) Seite richtete. Beim Rollenwechsel war er dann sehr verwirrt und verlor seinen Faden. Er hatte große Mühe, sich wiederum der ungewöhnlichen Situation anzupassen.
An diesem Beispiel sieht man, wie wichtig das Blickverhalten ist und dass Blicke die Situation regulieren und dem Redner Sicherheit geben. Diese Muster beim Blickverhalten und ihre Regeln sind für uns im Grunde nichts Neues oder besonders Kompliziertes, da jeder von uns sie tagtäglich anwendet.
Blicke können aber auch ein Zeichen von Aggression sein. Für Tiere ist Anstarren ein Kampfritual, das Angst und Aggression hervorruft, sie reagieren aggressiv oder mit fluchtartigem Verhalten. Wir Menschen zeigen ganz ähnliche Reaktionen. Forscher machten ein Experiment, in dem sie Autofahrer bei Rot an Ampeln anstarrten und die Schnelligkeit des Wegfahrens maßen. Ergebnisse waren, dass der Start nach dem Anstarren bedeutend schneller war als ohne das Starren. (vgl. Forgas, 1999)
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Raumverhalten
Überall wo wir uns aufhalten ist es ganz natürlich, dass wir die Räume um uns nutzen, sie besetzen und gestalten. Dies geht nicht einfach willkürlich und chaotisch von statten. Tatsächlich gibt es viele Regeln und Normen, die Phänomene wie beispielsweise menschliches Distanzverhalten oder das Verhalten in der Öffentlichkeit festlegen. Genauer betrachtet hat jeder Umgang mit Raum (sowohl mit dem eigenen, als auch mit dem "öffentlichen") bestimmte Wirkungen und Absichten. Somit betrachten Forscher das Raumverhalten als ein universales nonverbales Signal.
Hall (1966, aus Forgas 1999) teilte aufgrund seiner Untersuchungen verschiedene Distanzzonen ein, die man sich wie Raumblasen um jede Person vorstellen kann. Jede der Hall´schen Interaktionszonen ist eng an Normen, Erwartungen und Verhaltensweisen gebunden. Die intime Zone zum Beispiel dürfen nur sehr wenige, uns nahestehende Personen "betreten", wie zum Beispiel die Eltern, Kinder, Liebespartner oder enge Freunde. Die intime Zone können sie bei sich selbst leicht bestimmen und den Umgang mit ihr beobachten: Sie ist in etwa eine Ellbogenlänge um den Körper herum.
Für ein Gespräch unter Freunden, Arbeitskollegen oder auch mit dem Chef ist die persönliche Zone üblich, während eines Vortrages oder Referates die sozialkonsultative Zone. Körper- und Raumorientierung zeigen daher an, in welcher Beziehung die Interaktionspartner zueinander stehen. Auch Status und Macht wird durch Raumverhalten angezeigt.
Die Konventionen, also die gesellschaftlichen Übereinkünfte über Distanz und Territorialverhalten sind kulturabhängig. Regeln bei einem Verkaufsgespräch auf dem Markt in Freiburg unterscheiden sich daher von einem in der Türkei auf dem Markt von Istanbul.
Wollen sie selbst einmal ausprobieren, wie wichtig die Distanz während eines Gesprächs ist? Wenn ja, brauchen sie sich nur eine geeignete Person (eine/n gute/n Freund/Freundin, der/die ihnen das seltsame Verhalten nicht verübeln wird) zu suchen, ein Gespräch beginnen, und los geht´s. Verändern sie während des Gespräches den Abstand zwischen sich und der anderen Person, gehen sie etwa ungewohnt nah an die Person heran oder unnötig weit weg von ihr. Wenn sie möchten, tauschen sie sich mit ihrer Freundin/ ihrem Freund über die Wirkung des Verhaltens aus.
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Intimitätsgleichgewichts-Theorie
Ist Ihnen schon mal aufgefallen, dass in einem Fahrstuhl oder in einer vollen Straßenbahn die Leute häufig auf den Boden schauen? Dies kann man nach Argyle und Dean (1965) mit der Intimitätsgleichgewichtstheorie erklären. Nach Argyle und Dean besitzt jede Interaktion ein bestimmtes Intimitätsniveau, was bedeutet, dass Signale aller Kanäle, also Blicke, Lächeln, Distanz, ständig so gesteuert werden, dass sie anzeigen, wie wir zu unserem Partner stehen (Liebespartner, Arbeitskollege). Gesprächsthema und der Gesprächsort beeinflussen das Intimitätsniveau. Alle Kanäle nonverbaler Kommunikation wirken zusammen, um das das Distanzniveau der Situation aufrecht zu erhalten, sie regulieren sich gegenseitig. Betreten Personen einen engeren Raum, etwa einen Fahrstuhl, dann verringert sich der Blickkontakt, meist verschwindet er und das Gespräch wird eingestellt. Gleich nach dem Verlassen des Fahrstuhls sprechen die Personen wieder. Die Blickreduzierung im Fahrstuhl gleicht die erhöhte Intimität (durch Enge im Raum) aus.
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