The Fed after Greenspan! Wird Alan abgeschoben?


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Gruenspan:

The Fed after Greenspan! Wird Alan abgeschoben?

 
26.06.01 11:16
Was soll man davon halten?
Obwohl Alan noch 5 Jahre als Fed-Chef Vertrag hat, denkt
Präsident Bush über die neue Zusammensetzung des Fed-Vorstandes laut nach.
Bush will, da er das Recht hat, 5 neue Vorstandsmitglieder benennen.
Noch nie hat ein Präsident im ersten Dienstjahr dermaßen Einfluß auf die Fed genommen.
Es bleibt also weiterhin spannend.

www.cbs.marketwatch.com

                                  Gr.Gr.


               
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Roland:

Nicht der Präsident

 
26.06.01 11:41
sondern der Vize macht die Politik. In der Vergangenheit hat Dick Cheney schon mehrfach Greenspan indirekt angegriffen, indem er dessen Politik zur Bekämpfung der Inflationsgefahr als "nicht angemessen" kritisiert hatte. Cheney ist ein Verfechter der "reinen" Marktwirtschaft, wo nur der Markt entscheidet, was wie gemacht wird. Eine moderne Version der "Nicht-Einmischung". Die FED soll hier nur die Rolle des Gehilfen für die Wirtschaft spielen und nur im absoluten Notfall regulierend eingreifen, was natürlich die Gefahr einer außer Kontrolle geratenden Inflation beinhaltet.

Da eine Inflationsgefahr zur Zeit nicht gegeben scheint, die Wirtschaft in den USA aber eher weiter vor sich hin dümpelt, drängt er schon seit graumer Zeit auf weitere Zinssenkung, die Greenspan (noch) ablehnt. In der morgigen Sitzung wird aber wohl doch eine kommen, um mindestens 25 BP, eher 50 BP.

Was aber übersehen wird ist, daß die Zinssenkungen gar nicht so viel bringen.

Begründung:

Grade die New Economy hat in den letzten Jahren einen Löwenanteil zum Wirtschaftswachstum beigetragen. Finanziert wurde dies durch Anleihen und Kredite. Nun sind aber viele dieser Unternehmen pleite, Kredite sind notleidend. Dies wiederum zwingt die Banken dazu, Abschreibungen vorzunehmen. Gleichzeitig wird aber dadurch die Neigung der Banken größer, bei der Kreditvergabe strengere Maßstäbe anzulegen. Kredite werden also nicht gewährt oder nur zu sehr schlechten Bedingungen. Zinssenkungen wirken sich hier also überhaupt nicht aus, da die Banken die Bonität des Kunden, nicht aber die aktuellen Zinsen als Hauptkriterium ansehen.

Noch vor einem Jahr hat auch in den Banken die Euphorie vorgeherrscht. Vieles schien mit den New-Economy Firmen möglich, die Kreditvergabe war daher noch sehr locker und die Zinsen für diese Firmen eher niedrig.

Aber das ist jetzt vorbei. Profitieren werden nur große Unternehmen und die werden zuerst die Profitmaximierung zum Ziel haben, was nicht unbedingt Wachstum bedeutet. Man erinnere sich nur mal an die Aussagen des Cisco CEO, die alles andere als positiv für die nächste Zeit stimmen.
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Gruenspan:

Aber nur die Unterschrift vom Präsidenten

 
26.06.01 11:54
zählt.
Da aber natürlich auch der Vize im selben Lager wie Bush ist,
streben sie nun die Vorherrschaft im Rat der Fed an, um regierungspolitische Entscheidungen einfließen zu lassen, was man bald spüren wird, wenn es denn so kommt und die Fed diese politischen Einflüsse auch noch populär macht und ganz einfach
als wirtschaftlich nötig verkauft.
Wird glaube ich auch in Zukunft ziemlich holprig an den Märkten.

                     Gr.Gr.
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Roland:

@Gruenspan

 
26.06.01 11:58
Natürlich hast Du recht.

Aber folgendes Zitat von Cheney war auch ganz interessant:

Frage (an Cheney): Wie ist die Aufgabenabteilung in der Regierung?

Cheney: Der Präsident ist für Auftreten und Stil verantwortlich!

Tja, und das wars, interessant, nicht war?
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Gruenspan:

Typisch arroganter Republikaner, dieser Vize ! o.T.

 
26.06.01 12:03
Antworten
boomer:

@Roland, alles ziemlich korrekt. Eine Ein-

 
26.06.01 12:11
schränkung:

Die Bedeutung der New Economy für die US-Wirtschaft:

Der Anteil der New Economy am US-BIP beträgt nur ca. 1,7%

Daneben:

1. Aus monetaristischer Sicht (Friedman) können die Zinssenkungen mit einem Timelag schon Einfluß auf die Realwirtschaft haben (Transmissionsmechanismus)
2. Jede Zinssenkung in den USA wirkt sich sofort auf die Sollzinsen der Privaten und auf die Hypothekenzinsen entlastend aus.
3. Aktien werden als alternative Anlage gegenüber Rentenpapieren attraktiver.
4. Auch aus keynesianischer Sicht sollten die Steuersenkungen (Bush) mit einem Timelag wirken.
Dies ist auch bei dem Konsumentenverhalten der US-Bürger verständlich.

Fazit: Ich bin, was die US-Wirtschaft anbelangt, nicht so pessimistisch.
Allerdings angesichts der wirtschaftspolitischen Kompetenz unserer Regierung kommen mir .......
Zur Bundestagswahl 2002 ist bei Rot-Grün wieder "Geschenkeverteilen" angesagt.

MfG

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echekrates:

Es heisst immer, dass die USA kein

 
26.06.01 12:19
Problem mit der Inflation hätten... Das ist richtig, was die Kernrate angeht. Allerdings steigen die Energiepreise und es ist zumindest fraglich, ob sich das in der nächsten Zeit ändert. Die gesenkten Zinsen und das Bush´sche Steuergeschenk werden also z.T. wieder durch die steigenden Preise für Energie aufgefressen. So stark werden sich die Zinssenkungen auf das Konsumentenverhalten nicht auswirken...
Gruss, echekrates
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Roland:

@boomer

 
26.06.01 12:21
Was den DIREKTEN Anteil der New Economy anbetrifft: Richtig!

Allerdings lebt die New Economy, wie jeder Wirtschaftszweig, nicht von sich alleine. Auch hier gibt es schließlich Nebeneffekte.

Zu Punkt 1: sic!
Zu Punkt 2: Leider ist dies nicht der Fall. Die Banken in den USA sind, wie auch hier so oft, mit der Weitergabe von Zinsvorteilen höchst zögerlich geworden. Laut meinem Cousin (Häuslebauer in den USA, Mitarbeiter bei Siemens) haben sich seine Hypothekenzinsen zum letzten Mal im Oktober bewegt, und zwar nach oben!
Zu Punkt 3: Grundsätzlich ja, wenn nur die Schwäche und die Unsicherheit auf dem Aktienmarkt nicht wäre!
zu Punkt 4: Laut Keynes ja, aber das entscheidende Wort ist "sollte". Bis jetzt sind die Auswirkungen der ersten Zinssenkungen der FED noch nicht spürbar, aber sie "sollten" es eigentlich schon sein. Mal sehen...

Das andere ist Politik, das laß ich lieber ;-)
Antworten
boomer:

@Roland, wir müssen den gleichen Cousin haben (bei

 
26.06.01 13:37
ca. 70.000 Siemens-MA in den USA)."lol"

Es stimmt, das Nachfrageverhalten der New Economy hat natürlich auch Auswirkungen, aber volkswirtschaftlich signifikant?

zu 2.) Lese gerade wieder einmal "Real Estate Investment Handbook" New York 2000.
U.a. empirische Untersuchung zur Interest-Rate-Anpassung.
Danach geben die meisten Banken die Zinsänderung an ihre Kunden weiter.
Auf CNBC habe ich vor kurzem eine ähnliche Aussage gehört. Meine Bekannten meinten, man müsse nur Druck auf seinen loan officer ausüben und mit einem refinancing drohen. Die höchste Barriere der Deutschen drüben ist ihre Denkweise, sie registrieren kaum, dass man in den USA über alles verhandeln muß.
Zu 4. Keynes stellt wenig auf Zins-, sondern mehr auf Nachfragestimulierung ab.
Und gerade das macht Bush mit seiner Steuersenkung.

MfG
Antworten
Roland:

@boomer

 
26.06.01 13:51
Ob das Nachfrageverhalten der New Economy volkswirtschaftlich signifikant ist, ist natürlich schwer zu beantworten. Auch die sogenannten Experten sind sich hier, zugegebenermaßen, uneins. Ich für meinen Teil halte allerdings die Argumente derjenigen, die die New Economy für einen Großteil des - weiter geführten - Wachstums in den USA halten für stichhaltiger.

Aber gut, da kann man geteilter Meinung sein.

In den letzten Monaten! verhalten sich die Banken in den USA deutlich restriktiver. Es ist richtig, daß Zinssenkungen in den letzten Jahren recht schnell an den Kunden weiter gegeben worden sind. Allerdings ist dies wohl in letzter Zeit nicht mehr der Fall. Vor zwei Jahren war es noch nicht einmal notwendig, Druck auf die Bank auszuüben. Das haben die freiwillig gemacht. Dann kam der Zeitpunkt, wo Druck zum Erfolg führte, und nun stellen die sich halt stur (zumindestens den "normalen" Kunden gegenüber).

Zu Keynes: Ist natürlich richtig (bzgl. Nachfragestimulierung). Aber ob Bush mit der Zinssenkung hier richtig handelt...Ich glaube eher nicht. Dafür ist das Klientel, welches am meisten davon profitiert, zu sehr in den oberen Gehaltsklassen angesiedelt. Desweiteren ist JEDE Stuersenkung in den letzten 20 Jahren nach spätestens zwei Jahren komplett zurück genommen worden, teilweise sogar noch mehr als das. Dies war auch einer der Gründe, warum Bush sen. gehen mußte. Innenpolitisch hat er die Amerikaner nicht überzeugt, auch wenn der Außenpolitisch durchaus Erfolge vorzuweisen hatte. Aber Außenpolitik interessiert die Amis nunmal nicht (jedenfalls nicht die Bürger).

Regean konnte wenigsten andere innenpolitische Erfolge aufweisen, wodurch sein Scheitern bei seiner Steuersenkungsorgie nicht so ins Gewicht fiel.
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boomer:

Hallo Roland, hier wird immer die Forderung nach

 
26.06.01 14:06
"Niveau" laut, deshalb

in diesem Zusammenhang der kleine Hinweis, dass Reagan ja (wie Thatcher und Blair)

           eine angebotsorientierte Wirtschaftspolitik

betrieben hat, bei der Steuererleichterungen zumindest kurzfristig ökonomisch als sinnvoll erscheinen.

Ich erwähne dies, weil ein Top-down-Ansatz bei einer Anlagestrategie auch Erfolg haben könnte, wenn man dabei berücksichtigt, dass die USA in der Vergangenheit im internationalen Konjunkturzyklus immer die Lokomotivenfunktion übernommen hat.

MfG
Antworten
Roland:

@boomer

 
26.06.01 14:11
Das ist richtig!

Allerdings muß auch gesagt werden daß der Ansatz von Reagen, Bush sen. und Bush jun. von Anfang an ein LANGFRISTIGER war, und die kurzfristigen Impulse bei keinem eine wesentliche (nicht keine, damit wir uns nicht mißverstehen) Rolle gespielt haben. Und in diesem Hauptpunkt sind die ersten beiden gescheitert. Bei Bush jun. lautet das Motto "Only time will tell..."
Antworten
boomer:

@Roland, allerdings sehen das die Angebots-

 
26.06.01 14:21
theoretiker "on the long run" und Clinton nur als jemand, der die Ernte eines Reagan eingefahren hat.

..bis die tage dann
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Gruenspan:

6 Monate später

 
29.12.01 18:25
hat sich nicht viel getan.
Alan ist noch im Amt und Bush hat andere Sorgen.
Antworten
Dr.UdoBroem.:

Zur FED und Greenspan gibts in der ftd

 
04.01.02 17:37
z.Z. eine schöne Reportagenserie. Heute Teil 1:

Aus der FTD vom 4.1.2002

                    FTD-Serie: Maestro Greenspan rettet die Welt
                    Von Gerard Baker, Washington

                    Vor einem Jahr, am 3. Januar 2001, senkte die amerikanische
                    Notenbank nach einer langen Periode der Zinssteigerungen zum
                    ersten Mal ihren Leitsatz. Es folgten zehn weitere Senkungen.
                    Damit kämpfte die Federal Reserve Bank unter Alan Greenspan
                    gegen die Folgen von Rezession und Terror. Die FTD-Serie schildert
                    aus erster Hand, wie die Fed die schwerste Krise ihrer jüngeren
                    Geschichte meisterte - und wie die Protagonisten die dramatische
                    Zeit erlebten.

                    Montag, 17. September 2001, 7.30 Uhr. Nach einer kurzen Nacht kommen
                    die Mitglieder des Offenmarktausschusses der amerikanischen
                    Notenbank Federal Reserve mit ernster Miene und geröteten Augen im

                    Vorstandssitzungsraum der Zentrale in Washington zusammen. Die
                    Eichentüren zum Sitzungssaal werden geschlossen. Nur sechs Tage
                    zuvor hat der Anschlag auf New York und Washington stattgefunden.
                    Die traumatischen Ereignisse haben die Welt verändert, und viele
                    Teilnehmer der Sitzung wissen nicht, wie es weitergehen soll.

                    Am diesem Morgen arbeitet der Ausschuss ernst und zügig. Die Zeit
                    drängt, denn in New York soll zwei Stunden später die Börse
                    wiedereröffnet werden. Erstmals in ihrer Geschichte war sie an drei
                    aufeinander folgenden Geschäftstagen geschlossen. Ein großes Risiko
                    besteht: Die vorherrschende Angst auf den Märkten könnte eine
                    Verkaufspanik auslösen und so in kurzer Zeit Milliardenwerte
                    vernichten.

                    Der Ausschuss muss also schnell handeln. Er muss das Vertrauen in
                    die Finanzmärkte und die Volkswirtschaft der USA stärken und die
                    Welt vor einer Rezession bewahren. Der Offenmarktausschuss (FOMC)
                    bestimmt die Geldmarktpolitik der USA. Er steuert die Federal Reserve
                    Bank durch das wohl schwerste Jahr ihrer Geschichte. Am Ende gelingt
                    es der Bank, den Schock von Rezession und Attentat abzumildern und
                    der Wirtschaft neuen Mut einzuflößen.

                    Wie hat sie das geschafft? Wie haben die Entscheider der Fed das
                    Krisenjahr 2001 empfunden? Welche Strömungen haben welche
                    Entscheidungen ausgelöst? Diese Fragen sollen in dieser Serie
                    beantwortet werden. Der Beitrag beruht auf einer Vielzahl von
                    Gesprächen mit Mitgliedern und Mitarbeitern des
                    Offenmarktausschusses. Er zeigt, wie sich die Notenbankiers und
                    Politiker bemühten, das Ausmaß des Abschwungs, der vor rund einem
                    Jahr begann, erst einmal zu erfassen, und ihm durch entschiedenes
                    Handeln zu begegnen. Er zeichnet die Diskussionen im Ausschuss und
                    die Gespräche mit Politikern nach - in den USA und in anderen
                    Ländern.

                    Und er lässt die Tage nach dem 11. September wieder aufleben, in
                    denen sich die Zentralbankdirektoren mit aller Kraft gegen einen
                    Absturz der amerikanischen Wirtschaft stemmten. Wie wirksam die
                    ergriffenen Maßnahmen schließlich waren, soll ebenfalls untersucht
                    werden.

                    Montag, 17. September 2001. Als sich der Offenmarktausschuss an die
                    Arbeit macht, haben die meisten Mitglieder strapaziöse Reisen hinter
                    sich. Sie mussten sich in den vergangenen chaotischen Tagen nach
                    Washington durchkämpfen. Alan Greenspan, Vorsitzender des
                    Ausschusses, hatte zuvor an einem Kongress in der Schweiz
                    teilgenommen. Auch ihn überraschte die Schließung des
                    amerikanischen Luftraums. Er kam schließlich in einer Militärmaschine
                    unter, die am Tag nach den Attentaten von Zürich über England in die
                    USA zurückflog. Auch der Präsident der New Yorker Fed und
                    stellvertretende Ausschussvorsitzende William McDonough gehörte zu
                    den Passagieren dieses Flugs.

                    Laurence Meyer, Direktoriumsmitglied der Fed, weilte am 11.
                    September in Peking bei Gesprächen mit der chinesischen Regierung,
                    darunter auch mit Präsident Jiang Zemin. Da er nicht nach Hause
                    fliegen konnte, nahm er eine Einladung seiner Gastgeber zum Besuch
                    der Chinesischen Mauer an. Doch schon bald beorderte ihn die Fed auf
                    schnellstem Wege zurück in die USA. Über Militärstützpunkte in Japan
                    und Kalifornien erreichte der übernächtigte Meyer schließlich seine
                    Hauptstadt - keine zwölf Stunden vor der Sitzung am Montagmorgen.

                    Roger Ferguson, stellvertretender Leiter der Fed, war als einziges
                    Direktoriumsmitglied am 11. September in Washington und hat
                    seitdem Tag und Nacht damit verbracht, einen Absturz der
                    Finanzmärkte abzuwenden. Direktoriumsmitglied Edward Gramlich saß
                    nach einer Rede in Tucson im Bundesstaat Arizona fest. Zusammen mit
                    zwei Schicksalsgefährten nahm er einen Mietwagen und fuhr 37
                    Stunden nonstop zurück nach Washington.

                    Die Terroristen hatten sich für die Anschläge wohl den besten
                    Zeitpunkt ausgesucht. "Die US-Volkswirtschaft schien einen
                    Wendepunkt erreicht zu haben, als die Terroristen zuschlugen", sagt
                    der Präsident der Philadelphia Fed, Anthony Santomero. "Die Signale
                    aus der Wirtschaft waren zwar noch immer uneinheitlich, doch schien
                    es so, als ob der Beginn einer Erholungsphase zu erkennen sei." Nicht
                    alle Fachleute teilten diesen Optimismus, aber alle glaubten einhellig,
                    dass die Volkswirtschaft an einem Scheideweg stand.

                    Was war vor dem 11. September geschehen? Acht Monate lang hatten Alan
                    Greenspan und seine Kollegen die Zinsen massiver gesenkt als je
                    zuvor in der neueren Geschichte der Fed. Ihr Ziel war es, die längste
                    Wachstumsphase zu retten, die es in der Volkswirtschaft der USA je
                    gegeben hat. Sie senkten die Zinsen in rascher Folge nicht weniger
                    als siebenmal um insgesamt 300 Basispunkte (drei Prozentpunkte).

                    Fast seit zehn Jahren waren die Kosten für Kredite nicht mehr so
                    niedrig gewesen. In diesen zehn Jahren hatten sich Alan Greenspan
                    und seine Kollegen einen außergewöhnlich Ruf erworben. Ihre
                    Führung der Zentralbankgeschäfte galt als genial. Trotzdem stimmen
                    die meisten Mitglieder des Offenmarktausschusses darin überein, dass
                    trotz der vergangenen Erfolge nun der Kampf gegen die Folgen der
                    Terroranschläge die eigentliche Bewährungsprobe für ihren
                    Sachverstand ist. "Ich arbeite bereits 30 Jahre für die Zentralbank",
                    sagt Robert Parry, der Präsident der San Francisco Fed. "2001 war
                    kein Ausnahmejahr, es war ein unvergleichbares Jahr."

                    Herbst und Winteranfang 2000. Noch in diesem Zeitraum hatte die
                    Federal Reserve nicht mit einem besonders ereignisreichen Jahr 2001
                    gerechnet. Die meisten Mitglieder des Offenmarktausschusses waren
                    mit der Wirtschaftsentwicklung ganz zufrieden, auch wenn sie der
                    Verlockung widerstanden, sich auf die Schulter zu klopfen. Seit Mai
                    1999 hatten sie die Zinssätze sechsmal erhöht, um eine Überhitzung
                    der Volkswirtschaft zu vermeiden. Das Wachstum drohte außer
                    Kontrolle zu geraten. Bis November 2000 war der Wachstumsdruck
                    endlich gewichen.

                    Noch Ende 2000 sah es so aus, als habe Alan Greenspans Zauber
                    wieder einmal gewirkt. Am 14. November veröffentlichte der berühmte
                    Journalist Bob Woodward eine Greenspan-Biografie mit dem Titel
                    "Maestro". Damit verlieh er der allgemeinen Stimmung in der
                    Finanzwelt Ausdruck: Greenspan galt allerorten als Meister. Nur einen
                    Monat nach der Veröffentlichung sah die Welt jedoch schon anders
                    aus. Das volkswirtschaftliche Orchester der USA, von dem Woodward
                    sprach und das der Maestro jahrelang überzeugend dirigiert hatte,
                    klang plötzlich merkwürdig dissonant.

                    Dezember 2000. Bevor der Offenmarktausschuss zu seiner letzten
                    Sitzung des Jahres 2000 zusammentritt, hat sich die Lage so
                    verschlechtert, dass eine wilde Debatte über Zinssenkungen
                    ausbricht. "Die Monatszahlen waren sprunghaft, aber im Dezember
                    mehrten sich in unserer Gegend die besorgten Stimmen", erinnert sich
                    Anthony Santomero von der Philadelphia Fed.

                    Die Geschwindigkeit, mit der die Wirtschaftslage umschlägt,
                    überrascht selbst die Fed. Schneller als von den meisten
                    Notenbankern erwartet, geht die Industrieproduktion zurück, und die
                    Anzeichen mehren sich, dass die Schwäche der Industrie auch andere
                    Branchen ansteckt. Prompt wird dort weniger investiert. "Die meisten
                    Unternehmen, die sich an unseren Umfragen beteiligen, und die
                    meisten Fachleute, mit denen wir regelmäßig Gespräche führen, waren
                    wie wir überrascht, wie schnell das Klima kippte", sagt Robert McTeer,
                    Präsident der Dallas Fed. "Ich glaube, dass so gut wie alle Fachleute
                    auf dem falschen Fuß erwischt wurden."

                    Es muss schnell etwas geschehen. Soviel ist klar. Zwei Instrumente
                    zur Beeinflussung der Stimmungslage sind es vor allem, derer sich der
                    Offenmarktausschuss bedient: erstens die tatsächliche Änderung des
                    Geldmarktzinssatzes, und zweitens die öffentliche Stellungnahme zur
                    Geldmarktpolitik. Mit dieser Stellungnahme schätzt der Ausschuss die
                    volkswirtschaftlichen Risiken ein und beeinflusst so die Erwartungen
                    am Markt. Geldmarktpolitik besteht heute, so schätzt ein
                    Ausschuss-Mitglied, zu gleichen Teilen aus der Ankündigung künftiger
                    Zinsänderungen und der sofortigen Erhöhung oder Senkung von
                    Zinsen.

                    Die früheren Ankündigungen der Fed lassen auch in diesem Dezember
                    2000 noch weitere Erhöhungen erwarten. Doch viele Beobachter
                    ahnen, dass Erhöhungen jetzt nicht mehr zu rechtfertigen sind. Die
                    meisten Mitglieder des FOMC sind schon vor der Sitzung entschlossen,
                    Finanzmärkte und Wirtschaft positiv zu überraschen. Sie wollen dafür
                    stimmen, die geldmarktpolitische Zielvorgabe von steigenden auf
                    sinkende Zinsen umzustellen, ohne jedoch den Geldmarktzins selbst
                    zu ändern.

                    Für die Fed wäre das eine Neuerung. Seit dem Beginn der
                    Veröffentlichung ihrer zinspolitischen Leitlinien hat sie noch nie eine
                    Lockerung in Aussicht gestellt, ohne vorher offiziell auf konstante
                    Zinsen umzuschalten. Der begeisterte Kartenspieler Moskow von der
                    Chicago Fed nennt dieses Signal denn auch "ein hohes Reizen bei
                    starkem Blatt".

                    Dienstag, 19. Dezember 2000. Auf dem Weg von seiner Wohnung zum
                    nur wenige Schritte entfernten Marmorbau der Federal Reserve
                    überrascht das "Wall Street Journal" Greenspan mit einer
                    unangenehmen Meldung. Es berichtet vorab, dass der
                    Offenmarktausschuss wahrscheinlich nicht nur seine zinspolitische
                    Zielvorgabe ändern werde, sondern sich auch ernsthaft mit
                    Forderungen von Mitgliedern nach einer Zinssenkung
                    auseinandersetzen müsse. Die Indiskretion lässt darauf schließen,
                    dass mindestens ein Ausschussmitglied für eine sofortige Zinssenkung
                    eintritt und auf diesem Wege versucht, seine Kollegen zu überzeugen.

                    Ein Sitzungsteilnehmer berichtet später, was die Veröffentlichung
                    auslöste: Sie weckt im Ausschuss die Angst, dass die Hoffnungen auf
                    eine Zinssenkung zu sehr genährt werden und die Märkte enttäuscht
                    reagieren, wenn sie am Ende ausbleibt. In der Sitzung selbst kann
                    sich die Fraktion der Sofortsenker aber nicht durchsetzen. Die
                    Mehrheit vertritt die Meinung, dass eine Änderung der zinspolitischen
                    Aussage reicht und die volkswirtschaftlichen Daten weitere Schritte
                    nicht rechtfertigen. "Wir wollten einfach noch weitere Signale und
                    Informationen aus dem Markt abwarten", berichtet Moskow von der
                    Chicago Fed. "Wir waren im Dezember 2000 nicht willens, einen
                    echten Zinsschritt zu machen."

                    Die letztlich einstimmig gefällte Entscheidung wird nach einstündiger
                    Sitzung veröffentlicht. Wie von manchen befürchtet, reagiert die Börse
                    mit einer Verkaufswelle. Die Finanzmärkte glauben, dass die
                    Notenbank den Ernst der Lage nicht erkannt hat. Auch einige
                    Vertreter der Fed glauben das. "Irgendwie waren wir mit einem
                    Tennisspieler vergleichbar, dem der Ball gegen die Laufrichtung
                    gespielt wird", sagt ein Ausschussmitglied.

                    Nur wenig Aufmerksamkeit erregt ein scheinbar unbedeutender Satz
                    am Ende der Pressemitteilung zur Zinsentscheidung, in dem es heißt:
                    "Der Ausschuss wird die weitere Entwicklung der wirtschaftlichen Lage
                    genau verfolgen." Diese scheinbare Binsenweisheit ist klassische
                    Notenbanksprache. Fachleute verstehen ihren Sinn: Mit ihr signalisiert
                    die Fed, dass sie auf Alarm umgeschaltet hat und mit einer
                    Zinssenkung nicht unbedingt bis zur nächsten Routinesitzung in sechs
                    Wochen warten will. "Wir ließen durchblicken, dass für uns die Dinge
                    so sehr im Fluss waren, dass wir die neuen Daten wöchentlich prüfen
                    würden", sagt Santomero.

                    Ende Dezember 2000. Wenige Tage vor dem Jahreswechsel fliegt der
                    gewählte, aber noch nicht in sein Amt eingeführte Präsident Bush
                    nach Washington und bemüht sich um ein erstes Gespräch mit Alan
                    Greenspan. Gegenstand ist die sich verschlechternde Wirtschaftslage.
                    Auf die Einzelheiten gehen die beiden aber nicht ein.

                    Dienstag, 2. Januar 2001. Nach dem Jahreswechsel zeigen neue Zahlen,
                    dass die Industrieproduktion weiter gesunken ist. Am Nachmittag
                    dieses Tages werden die Mitglieder des Offenmarktausschusses
                    gebeten, am nächsten Tag - erstmalig nach mehr als zwei Jahren - für
                    eine außerplanmäßige Telefonkonferenz zur Verfügung zu stehen. Der
                    Aufwand ist beträchtlich, denn teilweise müssen die
                    Ausschussmitglieder im Urlaub, am Strand oder in den Bergen
                    aufgetrieben werden.

                    Mittwoch, 3. Januar 2001. Präsident Bush gibt seine Kabinettsliste
                    bekannt. Das Direktorium der Federal Reserve Bank tritt im großen
                    Sitzungssaal zusammen. Die Präsidenten der zwölf regionalen
                    Fed-Banken sind über das Telefon zugeschaltet. Ohne Umschweife
                    kommt die hochrangige Runde zu einem Ergebnis. Einziger wirklicher
                    Diskussionspunkt ist, ob die Zinssenkung 25 oder 50 Basispunkte
                    betragen sollte. In den letzten Jahren war die Fed immer eher in
                    Schritten von 25 Basispunkten vorgegangen und hatte sich nur bei
                    außer-gewöhnlichen Umständen für größere Zinsschritte entschieden.
                    Niemand im Ausschuss zweifelt an diesem Tag aber ernsthaft daran,
                    dass die außergewöhnlichen Umstände jetzt vorliegen.

                    Seit der Sitzung am 19. Dezember sind die Kurse stark gefallen. Alle
                    Augen richten sich auf Washington. Der Druck auf die Notenbankiers
                    steigt.

                    Lesen Sie am Montag:

                    Wie die Fed am 3. Januar 2001 ihre erste Zinssenkung beschließt und
                    danach schneller Geld in den Markt pumpt, als Greenspan und seine
                    Kollegen das selbst erwartet haben.


Gruß Dr. Broemme
Antworten
Gruenspan:

:-)

 
04.01.02 21:16
Die jungen Besen sollten dem alten dankbar sein, daß er ihnen zeigt wo der Dreck liegt.
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