Da ich einige Zeit im Flugzeug saß, kommt die Antwort etwas spät - aber dafür ausführlicher.
Das wird auch gleichzeitig für einige Zeit mein letzter längerer Kommentar sein - danach nur noch Ein- oder Zweizeiler. Ist ja alles schon mehrfach gesagt worden.
Wen das nicht interessiert, der möge einfach weiterscrollen. :-]
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A. Audi Produktionsleiter: warum denn nicht? Vielleicht will der endlich die Dinge umsetzen, die er bei Audi wegen einem zu starren Management nicht umsetzen konnte? Vielleicht kommt er extra zu Tesla, weil er da etwas völlig Neues umsetzen kann? Der weiß vielleicht sehr gut, was bei dem Audi Dino alles falsch läuft, und dass da nichts verändert wird?
Wenn jemand, der so lange in einem Konzern wie VW in höherer Position gewirkt hat, das Unternehmen verlässt, dann entweder, weil er geschasst wurde (davon hörte man nichts), oder, weil er woanders mehr Potential und Chancen sieht, und die Möglichkeit kriegt neue Wege zu beschreiten.
Tesla bietet ihm möglicherweise diese Chance.
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B. Musk / Visionär als Problem: das ist doch nur der Fall, weil ihr euch geradezu ekstatisch auf Musk und alle seine Worte stützt. Wenn Du die Aktionärsversammlung gesehen hast, sollte Dir aufgefallen sein, dass da mehr als nur Musk bei Tesla wirkt. Er ist das Aushängeschild, und derjenige, der die grobe Richtung vorgibt, er ist nicht derjenige, der alles selber macht. Links und rechts von ihm sind gute Leute, und ich mein Eindruck war nicht der, das er sie in Piech'scher Manier unterdrückt.
Das Problem scheint mir schlicht eure Musk-Versessenheit zu sein. Ihr seid mehr auf ihn fixiert als diejenigen, die ihr als Tesla Fans oder 'Jünger' betitelt. Dementsprechend haltet ihr euch, wie auch die Autolobby-gesteuerten Medien, ewig lange mit Autopilot, Beschleunigung, Flügeltüren etc. auf, die für die Kunden kein großes Thema waren.
Wie das interne Wirken von Musk ist, ob es Reibung gibt, auf welcher Ebene, davon hört man wenig. Daher sind Deine Aussagen doch eher Vermutungen. Aber vielleicht weißt Du ja auch mehr.
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C. Dass Du ausgerechnet Lutz zum Chefankläger gegen Tesla zitierst ist, schlicht gesagt, lächerlich. Was sollte ausgerechnet er, der sein Unternehmen nicht in neue Schaffenssphären gehoben hatte, denn sagen: die Automobilindustrie ist verschlafen, innovationslos, veraltet, und ja, stimmt, wir haben seit 30 Jahren nichts Neues gebacken gekriegt? Endlich passiert etwas. Das würde ja sein Lebenswerk konterkarieren.
Die Silicon-Valley-Leute haben (!) doch recht: wie Tesla, Google, etc. eindrucksvoll beweisen. Es geht anders. E-Mobilität funktioniert. Autonomes Fahren funktioniert. Und beides kommt schneller, als die Dinos dachten, die die Hoffnung hatten, dass sie über die nächsten Jahrzehnte Millimeter für Millimeter voranschreiten könnten.
Und nun passiert das schneller, und sie sind überrascht?
Auch die Mobilfunkbranche war seit Jahren hochumkämpft - und festgefahren. Bis sie dann in nur fünf Jahren komplett umgekrempelt wurde.
Nokia war Marktführer, und exakt so, wie das Lutz tut, würden auch früher die Nokia Manager argumentiert haben. Und sie lachten. So, wie auch die Dinos über Tesla lachten, und nun selber Ankündigungen von sich geben.
Bei Mobiltelefonen ist das Ergebnis bekannt - ein Dasein in der Nische.
"Daher sind die etablierten Konzerne an der Spitze der Fertigungstechnologie, sie verwenden alle modernen Methoden und zeigen neues, frisches Denken."
Dabei muss ich wirklich grinsen. 'Frisches Denken?' Frisch? Nö, eher dreckig, sie denken in Diesel und Benzin. Da ist nichts 'frisch'.
So argumentieren Dinosaurier, wenn der Untergang abzusehen ist. Sie hoffen die Augen schließen zu können, und dann war alles nur ein böser Traum.
Beim lesen seiner Worte höre ich regelrecht seine Gedanken: "Was erlauben sich die Silicon-Valley-Leute, denken die ich bin ein Idiot? Ich werde meiner Sekretärin aber gleich eine gepfefferte Antwort diktieren. Und dann schickt die denen das per äh, wie hieß das Dingens, e-Mail? Oder Internet? Und übermorgen haben die das dann im Briefkasten! Die werden aber laut schlucken, ha ha!" ;-)
Wenn Lutz neue Ansätze gefahren hätte, hätte er vielleicht sogar Erfolg gehabt. Jemand, der zuvor wenig durch Innovationen auffiel, sollte man nicht bezüglich neuer Ideen und Entwicklungen ernst nehmen. ;-)
Das mit dem 'auf die Schnauze fallen' hat damals Ballmer sicher auch gedacht. Denn dadurch wäre seine Trägheit als richtige Strategie bestätigt worden. Ist nicht passiert, und er ist Geschichte. So, wie auch Lutz bereits Geschichte ist.
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D. Erstens: Ganz offensichtlich hat Musk bewiesen, dass er einige Dinge tatsächlich besser konnte. Und wenn es auch nur der strategische Weitblick ist.
Tesla und SpaceX sind nicht wie Pilze zufällig aus dem Boden gewachsen. Schon das sind Erfolge, die die meisten anderen CEOs in der Automobilbranche nicht bieten können. Die sind ins gemachte Bett aufgestiegen.
Zweitens: Wenn Musk sich den Produktionsprozess ansieht, dann will er wahrscheinlich Informationen aus erster Hand sammeln - ganz unten - analysieren, verstehen. Und wie soll man eine neue Erkenntnis sonst gewinnen, wenn man nicht, wir Piech und Konsorten, nur im Elfenbeinturm sitzen, und damit beschäftigt sein will, Manager Posten zu verwalten, oder diese zu feuern und Firmenpolitik zu betreiben.
Viele große Leute haben so Neues vollbracht: weil sie kritisch dachten, anders dachten, nicht in Schubladen dachten, und Mut hatten, Neues zu probieren. Und dabei eben nicht in starren Strukturen überleben mussten.
Einige hier denken doch sogar, dass sie Tesla besser verstehen, obwohl sie nicht einmal einen tiefen Einblick in das Unternehmen haben - sondern suggestiven fool.com und seekingalpha Berichten Glauben schenken.
Wer rühmte sich bei VW doch gleich damit, er würde jede Schraube seiner Automodelle kennen - und litt schlagartig unter Amnesie, nachdem der Diesel Betrug bekannt wurde?
Wenn das die typischen Dino Manager sind - erwartest Du dann wirklich (???) von denen auch nur einen kleinen neuen Ansatz, oder gar Kreativität? Die sind doch damit beschäftigt ihren Posten zu sichern, und nicht um Neues zu erdenken.
Und wer unter ihnen sitzt, der hat sich über Jahre eine konische Kopfform erarbeitet, um ohne Gleitmittel hinten reinzukriechen - wie sollten diese 'Kreativköpfe' auch nur einen Zentimeter jenseits der eingefahrenen Strukturen denken?
Deren Stärken liegen darin bei den Dinos untereinander zu schauen, was die machen, und das dann ebenfalls anzubieten - Beamten-Mikado, bloß nicht zu viel bewegen. Echte InnovTion, echter Fortschritt geht anders.
Bei VW und Konsorten wirst Du die 'Talente und Könner' sehr wahrscheinlich nur in kleiner Zahl finden, die meisten wurden auf dem Weg nach oben konform geschliffen - konisch. Bezogen auf die Mitarbeiterzahl dürfte das bei Tesla deutlich besser aussehen. Zumindest spricht das Ergebnis der Produkte Bände.
Das erklärt dann auch, warum bei den Dinos keiner dieser Könner konsequent in Richtung E-Mobilität dachte, sich gar aus der Deckung wagte, oder gar komplette Konzepte jenseits des hübsche Bildchen zeichnen entwickelt hat - weil er sonst rausgeflogen wäre. Diesel, und sonst nichts. So lautete die Devise. Und die wurde befolgt. Bei VW bis hin zum Betrug.
Kein Wunder, dass die Schubladen bezüglich E-Mobilität leer sind, und sie bei nahe Null beginnen müssen..
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E. CAO - Du meinst, dass Musk extra so eine Position schafft, und dann Ärger vorprogrammiert ist? Warum so negativ? Vielleicht will Musk sich ja (damit WernerGg sich weniger um seine Gesundheit sorgt!) von Aufgaben trennen, und holt sich extra einen starken Charakter?
Bisher (siehe oben, auch Du) kritisierte man ihn, weil er zu wenig Bereiche abgab, nun will er Macht abgeben, und das ist auch falsch? Oops?
Keine Ahnung, warum Du sofort so Schwarz siehst. Warte es doch erst mal ab?
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F. Oh doch, es geht um exakt das: die festgefahrene Dino-Branche auf der einen Seite - Tesla und Silicon-Valley auf der anderen Seite. Letztere verstehen unter der Mobilität des 21. Jahrhunderts etwas komplett anderes, als es die Dinos sehen.
Die Dinos hätten gerne noch 20 Jahre das tote Diesel Pferd geritten. Tesla und Silikon-Valley sehen die Zeit gekommen für E-Mobilität, autonomes Fahren, weg vom Auto als Besitz und hin zu Auto als Service.
Witzigerweise hast Du selber Lutz als Quelle genannt, der eben diesen Widerspruch auch so sieht sieht: Tesla/Silicon-Valley vs. Dinos. Siehe Dein Zitat von Lutz weiter oben.
VW hingegen kämpft nur gegen sich und das Resultat jahrzehntelanger patriarchalischer Strukturen - die zwar in der alten Welt erfolgreich waren, aber den Konzern so auf 'Diesel' festgelegt haben, dass sie nun zehn (!) Jahre brauchen werden, um da halbwegs wieder herauszukommen. Und dann haben sie nur (!) E-Autos. Ob das genügt?
Sie müssen nun komplett am offenen Herzen operieren, und neue Produkte entwickeln, die Produktion umstellen, das Konzept überhaupt verinnerlichen, und dürfen sich dann mit den Zulieferern herumschlagen, mit weniger Umsatz durch Service und Ersatzteile, und durch einen anderen Typus von Wettbewerber.
Schwere Zeiten für VW, und sie ahnen bisher nur einen Bruchteil davon, weil VW-Müller noh immer hofft, irgendwie im Jetzt stehenbleiben zu können.
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G. Tesla hat fünf Jahre Vorsprung, und inwieweit sie einen technologischen Vorsprung haben, siehst Du daran, dass die anderen erst in einigen Jahren hoffen so weit sein zu können, wir Tesla vor zwei, drei Jahren.
Und Patente? Die vielen Diesel- und Benzinmotoren Patente werden in zehn Jahren 'ein wenig' an Wert verlieren. Und ja, Patente sind Detaillösungen, die man so oder anders lösen kann. Das war schon immer so. Man musste schon immer 'irgendwie' die Dinge umsetzen. Ich bin aber nicht sicher, warum das für Tesla ein Problem sein soll.
Es geht nicht darum, dass man mit Patenten reich werden will. Die dienten in der Automobilindustrie eher der Besitzstandswahrung, und dass man an Ersatzteilen ebenfalls verdient.
Immerhin müssen die deutschen Dinos erst noch beweisen, dass sie mehr können als hübsche Kopien von Tesla Autos an die Wand zu zeichnen. Sie müssen die auch umsetzen. Und bisher haben sie nix Vergleichbares. Nix.
Tesla muss 'nur' das Model 3 zum fliegen kriegen - VW hat da ein wenig mehr zu bewältigen. ;-)
By the way: GM/Opel ist da einige Jahre weiter. Und Renault ebenfalls. Die haben sogar ein komplettes Konzept.
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H. Ja, 370.000 unverbindliche Vorbestellungen, so viele, wie noch nie ein Automobilkonzern zuvor hatte. Und die Leute machen das nicht aus Jux und Dollerei, die haben sogar Tesla ein zinsloses Darlehen gewährt.
Mal sehen, wie das Ergebnis aussehen wird - so lange wird es ja nicht mehr dauern. Lassen wir uns überraschen. Ich denke, dass der Großteil auch bereit wäre, länger zu warten. Weil sie von der Strategie Teslas überzeugt sind. Und weil sie die E-Mobilität wollen.
Witzig ist deine Skepsis bezüglich Produktion - jetzt, wo doch der Audi Manager da ist? Was soll da noch schiefgehen? ;-)
Die meiste Arbeit wird darin bestehen die Maschinen zu programmieren.
Und, na ja: vielleicht gibt es bezüglich 'the machine that builds the machine' ja erste Resultate.
(Wer gesagt, erwarte ich nicht zu viel, insbesondere, da Musk nach dem Model X Flügeltüren Thema ein Mehr an Bodenhaftung' versprach. Daher denke ich, dass das für künftige Generationen interessant sein wird.)
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I. Man kann die Dinge also auch weniger dramatisch bezüglich Tesla, und deutlich dramatischer bezüglich Dinos sehen.
Wer am Ende Recht behält, werden wir in etwa drei bis fünf Jahren sehen.
Dann wird sich abzeichnen, ob Tesla endgültig Erfolg hat, oder auch nicht - aber auch, ob die deutschen Dinos die Kurve noch kriegen - oder eben nicht.
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