Komponenten-Hersteller Balda wächst rapide
Höhenflug dank Handy-Boom
Bald nächste Kapitalerhöhung notwendig / SZ-Gespräch mit
Vorstandschef Gerhard Holdijk
München – Erstzeichner der Balda-Aktie haben wenig Grund zur
Klage: Die Firma wächst so rapide, dass der Vorstand bereits mit
einer Kapitalerhöhung liebäugelt, und soll 2000 eine Umsatzrendite
vor Steuern von 18 Prozent abwerfen. Der Aktienkurs hat sich in
einem guten halben Jahr mehr als verfünffacht.
Von Antonie Bauer
Das Unternehmen aus Bad Oeynhausen hat deshalb bereits seine
Aktie gesplittet. „Wir haben das Glück des Tüchtigen“, freut sich
Vorstandschef Gerhard Holdijk. Denn Balda profitiert kräftig vom
Handy-Boom. Es fertigt Komponenten für Mobiltelefone –
Schalenteile, Displayfenster und Knöpfe. 1999 machte der
Konzern noch 40 Prozent seines Umsatzes mit Spritzgussartikeln
für Medizintechnik und Automobilindustrie, 2000 werden es nur
mehr zehn Prozent sein. „Wir lassen die Bereiche weiterlaufen,
weil sie profitabel sind“, sagt Holdijk, doch stecke die Firma alle
verfügbaren Ressourcen in die Telekommunikation. Dort seien die
Margen hervorragend. 2000 werde Balda Komponenten für 50
bis 60 Millionen Handys liefern.
Der frühere Produzent von Kameragehäusen sieht sich in seiner
heutigen Marktnische weltweit auf Platz vier. Im vergangenen Jahr
steigerte er den Umsatz im Konzern bereits um 136 Prozent auf
117,4 Millionen DM, vor Steuern blieb trotz der Kosten für den
Börsengang ein Gewinn von 2,1 Millionen DM. Im ersten Quartal
2000 lag Balda mit einem Umsatz von 42,4 (Vorjahr 22,4)
Millionen DM und einem Vorsteuerergebnis von 4,6 (0,02)
Millionen DM deutlich über Plan. Das Unternehmen hat deshalb
seine Prognosen für das Gesamtjahr heraufgesetzt. Der Umsatz
soll nun auf 243 statt der ursprünglich geplanten 213 Millionen
DM klettern, der Überschuss auf 25,3 statt 22,5 Millionen DM.
Um dieses Wachstum zu bewältigen, kann Holdijk die Erlöse aus
dem Börsengang gut brauchen: „Der Markt gibt uns so viel
Umsatz, wie wir technisch vertragen können.“ Im vergangenen
Jahr hat Balda deshalb über 55 Millionen DM investiert, 2000
sollen 60 Millionen DM dazukommen. So entsteht gerade ein
riesiges neues Produktionsgelände, mit getrennten
Entwicklungsabteilungen und Fabriken für die einzelnen Kunden.
Holdijk ist stolz darauf, dass Balda vier der großen
Handy-Hersteller beliefert, für einen fünften (Alcatel) hat die Firma
bereits einen Entwicklungsauftrag. Mittlerweile habe auch die
Abhängigkeit von Nokia abgenommen, Ericsson sei für die
Deutschen genauso wichtig geworden.
Nur 3,5 Millionen DM kostet die kürzlich angekündigte
90-prozentige Beteiligung an der Lüdenscheid GmbH. Holdijk hält
sie dennoch für sehr wichtig, denn die neue Tochter bringt 50
erfahrene Werkzeugmacher mit. Und diese Experten seien einer
der schlimmsten Engpässe: „Je mehr Werkzeuge wir bauen
können, desto mehr Umsatz machen wir.“ Bis in fünf Jahren soll
Balda auf – „konservativ gerechnet“ – 850 Millionen DM Umsatz
kommen; „Akquisitionen könnten das aber noch beschleunigen“.
Holdijk denkt dabei vor allem an
Kunststoffverarbeitungskapazitäten. Um die Expansion zu
finanzieren, erwägt er bereits eine Kapitalerhöhung im nächsten
Jahr.
Holdijk glaubt nicht, dass der Handy-Boom ewig dauern wird; in
rund fünf Jahren könnte der Margendruck steigen. Dafür hat er
bereits eine Mittelfriststrategie parat: Künftig werde das Problem
elektromagnetischer Abstrahlung nicht nur bei Handys, sondern
auch etwa bei elektrischen Haushaltsgeräten eine viel größere
Rolle spielen. Balda sei da mit seinen Galvanik-Kenntnissen
prädestiniert, abschirmende Bauteile zu entwickeln.
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Höhenflug dank Handy-Boom
Bald nächste Kapitalerhöhung notwendig / SZ-Gespräch mit
Vorstandschef Gerhard Holdijk
München – Erstzeichner der Balda-Aktie haben wenig Grund zur
Klage: Die Firma wächst so rapide, dass der Vorstand bereits mit
einer Kapitalerhöhung liebäugelt, und soll 2000 eine Umsatzrendite
vor Steuern von 18 Prozent abwerfen. Der Aktienkurs hat sich in
einem guten halben Jahr mehr als verfünffacht.
Von Antonie Bauer
Das Unternehmen aus Bad Oeynhausen hat deshalb bereits seine
Aktie gesplittet. „Wir haben das Glück des Tüchtigen“, freut sich
Vorstandschef Gerhard Holdijk. Denn Balda profitiert kräftig vom
Handy-Boom. Es fertigt Komponenten für Mobiltelefone –
Schalenteile, Displayfenster und Knöpfe. 1999 machte der
Konzern noch 40 Prozent seines Umsatzes mit Spritzgussartikeln
für Medizintechnik und Automobilindustrie, 2000 werden es nur
mehr zehn Prozent sein. „Wir lassen die Bereiche weiterlaufen,
weil sie profitabel sind“, sagt Holdijk, doch stecke die Firma alle
verfügbaren Ressourcen in die Telekommunikation. Dort seien die
Margen hervorragend. 2000 werde Balda Komponenten für 50
bis 60 Millionen Handys liefern.
Der frühere Produzent von Kameragehäusen sieht sich in seiner
heutigen Marktnische weltweit auf Platz vier. Im vergangenen Jahr
steigerte er den Umsatz im Konzern bereits um 136 Prozent auf
117,4 Millionen DM, vor Steuern blieb trotz der Kosten für den
Börsengang ein Gewinn von 2,1 Millionen DM. Im ersten Quartal
2000 lag Balda mit einem Umsatz von 42,4 (Vorjahr 22,4)
Millionen DM und einem Vorsteuerergebnis von 4,6 (0,02)
Millionen DM deutlich über Plan. Das Unternehmen hat deshalb
seine Prognosen für das Gesamtjahr heraufgesetzt. Der Umsatz
soll nun auf 243 statt der ursprünglich geplanten 213 Millionen
DM klettern, der Überschuss auf 25,3 statt 22,5 Millionen DM.
Um dieses Wachstum zu bewältigen, kann Holdijk die Erlöse aus
dem Börsengang gut brauchen: „Der Markt gibt uns so viel
Umsatz, wie wir technisch vertragen können.“ Im vergangenen
Jahr hat Balda deshalb über 55 Millionen DM investiert, 2000
sollen 60 Millionen DM dazukommen. So entsteht gerade ein
riesiges neues Produktionsgelände, mit getrennten
Entwicklungsabteilungen und Fabriken für die einzelnen Kunden.
Holdijk ist stolz darauf, dass Balda vier der großen
Handy-Hersteller beliefert, für einen fünften (Alcatel) hat die Firma
bereits einen Entwicklungsauftrag. Mittlerweile habe auch die
Abhängigkeit von Nokia abgenommen, Ericsson sei für die
Deutschen genauso wichtig geworden.
Nur 3,5 Millionen DM kostet die kürzlich angekündigte
90-prozentige Beteiligung an der Lüdenscheid GmbH. Holdijk hält
sie dennoch für sehr wichtig, denn die neue Tochter bringt 50
erfahrene Werkzeugmacher mit. Und diese Experten seien einer
der schlimmsten Engpässe: „Je mehr Werkzeuge wir bauen
können, desto mehr Umsatz machen wir.“ Bis in fünf Jahren soll
Balda auf – „konservativ gerechnet“ – 850 Millionen DM Umsatz
kommen; „Akquisitionen könnten das aber noch beschleunigen“.
Holdijk denkt dabei vor allem an
Kunststoffverarbeitungskapazitäten. Um die Expansion zu
finanzieren, erwägt er bereits eine Kapitalerhöhung im nächsten
Jahr.
Holdijk glaubt nicht, dass der Handy-Boom ewig dauern wird; in
rund fünf Jahren könnte der Margendruck steigen. Dafür hat er
bereits eine Mittelfriststrategie parat: Künftig werde das Problem
elektromagnetischer Abstrahlung nicht nur bei Handys, sondern
auch etwa bei elektrischen Haushaltsgeräten eine viel größere
Rolle spielen. Balda sei da mit seinen Galvanik-Kenntnissen
prädestiniert, abschirmende Bauteile zu entwickeln.
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