Ab in die Relegation! Wer steigt als Nächstes in den Dax auf?
27.05.2009 - 09:01
Der Dax kommt endlich zur Ruhe. Wobei sich dies diesmal nicht auf die Kursbewegungen bezieht, sondern auf die Zusammensetzung. Nachdem es in den vergangenen Monaten zu zahlreichen Wechselspielen in Deutschlands Eliteliga gekommen war, erwarten Analysten beim nächsten außerordentlichen Anpassungstermin im Juni keine weiteren Veränderungen. Das offizielle Ergebnis wird die Deutsche Börse auf Basis der Daten per Ende Mai zwar erst nach dem 4. Juni bekannt geben. Die Strategen der Nationalbank in Essen halten es aber für praktisch unmöglich, dass sich in den letzten Tagen des Wonnemonats noch potenzielle Wechselkandidaten herauskristallisieren. Entscheidend dafür sind die Marktkapitalisierung sowie die Börsenumsätze der Aktien
Langweilig wird es in Sachen Auf- und Abstieg aber trotzdem nicht. Zum einen stehen in den kommenden Tagen ja erst einmal die Relegationsspiele in den obersten deutschen Fußball-Ligen an, bei denen entschieden wird, in welcher Liga demnächst die Teams aus Cottbus, Nürnberg, Osnabrück und Paderborn spielen werden. Und auch beim Dax lässt die übernächste Entscheidung dann nicht mehr lange auf sich warten. Schon im September steht der nächste ordentliche Anpassungstermin an, bei dem die Kriterien für einen Wechsel deutlich weicher ausfallen als bei den außerordentlichen Terminen. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass sich dann tatsächlich wieder etwas tut. Nach aktuellen Daten ist zum Beispiel der Verbleib der gerade erst aufgestiegenen Aktie von Hannover Rück schon wieder akut gefährdet, weil trotz zuletzt anziehender Transaktionen das Kriterium ausreichender Börsenumsätze nicht (mehr) erfüllt wird. Demgegenüber stehen Infineon und Solarworld bereits in den Startlöchern für einen Aufstieg.
Ein direkter Rücktausch von Infineon und Hannover Rück schon nach wenigen Monaten würde der in früheren Zeiten angestrebten „Kontinuität“ in dem Leitindex natürlich zuwiderlaufen und nach den VW-Kapriolen wohl die nächsten Diskussionen über Sinn und Zweck der Indexmethodik aufkommen lassen. Aber vielleicht kommt es dazu ja gar nicht. Denn die Analysten werden bei dem Chiphersteller nach der jüngsten Kursverfünffachung (!) innerhalb weniger Wochen schon wieder vorsichtiger. Kepler Equities etwa rechnet im laufenden Quartal mit enttäuschenden Zahlen und hält eine Kapitalerhöhung für wahrscheinlich. Weil auch die Bewertung „nicht verlockend“ sei, wird die Aktie mit einem Kursziel von 1,20 Euro auf „Reduce“ gestuft. Das ist nur gut die Hälfte des aktuellen Kurses und würde alle Träume einer sofortigen Rückkehr in den Dax mit einem Schlag platzen lassen. Bessere Chancen hat über kurz oder lang deshalb wahrscheinlich TecDax-Kollege Solarworld. Obwohl die Meinungen der Experten bezüglich der Attraktivität der Aktie derzeit weit auseinander gehen. In den letzten drei Wochen war mit Blick auf die Bankenstudien von „Kaufen“ mit Kursziel 43 Euro bis „Verkaufen“ mit Ziel 11 Euro alles dabei.
Für die kurzfristigen Aussichten der Aktie könnte das aber sogar ein Vorteil sein. Sollte in den kommenden Wochen tatsächlich neue Dax-Aufstiegs-Fantasie aufkommen, besteht bei den Kurszielen so dann eben doch noch Luft nach oben, weil sich damit bislang wahrscheinlich die Wenigsten wirklich intensiv beschäftigt haben. Und in den meisten Fällen, profitieren die Aktien potenzieller Aufsteiger vor allem im Vorfeld der entsprechenden Entscheidungen (und eben nicht nach Vollzug des Aufstiegs). Wer darauf setzen will, findet bei Zertifikaten zahlreiche Alternativen zu einem Direktinvestment in die Aktie. Zumal sich mit diesen auch bei nicht ganz so stark steigenden Kursen noch attraktive Renditen erzielen lassen. Wie bei einem passenderweise bis September laufenden Sprinter der Commerzbank, bei dem am Laufzeitende jeder Cent zwischen 16 und 23 Euro verdoppelt wird, so dass bei Kursen von mindestens 23 Euro die maximale Auszahlung von 30 Euro erfolgt. Solarworld muss sich also lediglich auf dem aktuellen Niveau halten, um Anlegern in rund vier Monaten einen Gewinn von knapp 23 Prozent zu bescheren. Verluste drohen zudem erst bei einem Rückgang der Aktie um gut zehn Prozent (WKN:
CM2LRS).
Thomas Koch
Nichts ist trügerischer als eine offenkundige Tatsache.