Wir wissen bis dato nicht, wie eine zukünftige "Investment Holding" bei Steinhoff aussehen kann. Berkshire z.B. ist ebenfalls eine Investment Holding, d.h. das Prinzip dahinter muss nicht nachteilig sein.
Bezüglich einem IPO von Pepkor Europe hängt es von den konkreten Zahlen ab, wie ein solcher einzustufen ist. Ich würde mir ebenfalls wünschen, dass es eine 100% Tochter bleibt. Allerdings wäre ein IPO bei Weitem nicht so nachteilig zu sehen, wie es hier im Forum häufig dargestellt wird. Jeder Konzern macht solche IPOs, um frische Gelder und weitere Wachstumsimpulse zu gewinnen.
Ein kleines Rechenbeispiel zur Veranschaulichung (fiktive, aber aus meiner Sicht realistische Zahlen, Steinhoff lässt leider keinen Einblick auf separate Werte zu):
Angenommen Pepkor Europe besitzt einen Nettobuchwert (alle Assets abzgl. aller Schulden) von 2 Mrd. €. Aktuell gehört es zu 100% zu Steinhoff, als hebt diese Tochter den Gesamtbuchwert um 2 Mrd. € an.
Nun werden 25% verkauft. Da Pepkor Europe sehr stark wächst und gute Gewinne schreibt, wird ein fairer Marktwert von 4 Mrd. € bestimmt.
Was ist die Folge daraus?
- SNH nimmt direkt 1 Mrd. € Cash ein (was natürlich auch zum EK beiträgt bzw. die Nettoschulden verringern wird)
- Normalerweise würde nun die Tochter vollständig weiterkonsolidiert, wir gewinnen also 1 Mrd. € EK gesamt, für Shareholder aber nur 0,5 Mrd. € (3/4 * 2 Mrd. € + 1 Mrd. €), da wir nun einen weiteren 0,5 Mrd. € Minderheitenanteil haben
- Unter bestimmten Voraussetzungen, wie es bei einer Investment Holding sicher gegeben ist sowie einer Bilanzierung nach IFRS, ergibt sich die Möglichkeit, diese Wertpapiere (in diesem Fall an Pepkor EU) als "held-for-trading" einzustufen. Der Gesellschaftszweck der zukünftigen Steinhoff Holding wäre also primär nicht mehr das operative Geschäft, sondern das Handeln mit Unternehmensbeteiligungen.
- In diesem Fall können auch Wertzuwächse in Form von unrealisierten Kursgewinnen erfolgswirksam (Gewinnrechnung!) verbucht werden. Konkret bedeutet dies, dass SNH 1 Mrd. € Cash gewinnt, sowie 3/4 an einem Unternehmen mit einem fair value von 4 Mrd. €, d.h. eben eine restliche Beteiligung im Wert von 3 Mrd. €
- SNH hat damit effektiv das EK der Shareholder um ganze 2 Mrd. € erhöht
- Die Investment Holding profitiert anschließend nicht mehr direkt an den operativen Gewinnen von Pepkor EU, sehr wohl aber an Dividenzahlungen und Kursgewinnen (realisiert oder unrealisiert spielt für die Erfolgswirksamkeit keine Rolle). Langfristige Kursgewinne können gegenüber den zu erwartenden Zuwächsen bei den operativen Gewinnen überproportional, z.B. mit einem KGV-Faktor von 15 mitwachsen, sodass der anteilige Verkauf von Pekpor EU auch weiterhin überkompensiert werden kann.
Weitere Vor- und Nachteile kann sich jeder selbst überlegen. Ich bin mir jedenfalls sicher, dass das Management alle Bedingungen und Zahlen sorgfältig prüft und damit die bestmögliche Entscheidung trifft.
Ein IPO von Pepkor EU alleine beeinflusst nicht meine Investmententscheidung. Hierzu sind weitere Infos erforderlich.