stark in beide Richtungen mit unheimlicher Unwissenheit um sich geworfen. Die Optimisten (die meisten von ihnen vermutlich im Minus) reden sich die Sache hier schön, die Pessimisten (entweder Short, was ich bei den Meisten jedoch bezweifle, oder auf tiefere Kurse wartend) reden ein international agierendes Unternehmen jetzt schon tot (Insolvenz).
Wie wäre es, wenn Ihr Schreiberlinge euch einfach mal mit den Abschlüssen der letzten 3-5 Jahre auseinander setzen würdet? Das macht viel Arbeit, das gebe ich gerne zu, es hilft aber ungemein, die Situation nüchtern zu betrachten und die richtigen Schlüsse aus den derzeit irrationalen Kursbewegungen zu ziehen. Setzt natürlich voraus, dass man Bilanzen auch verständlich lesen kann (was eine Grundvoraussetzung ist, um Geld erfolgreich und eigenständig anlegen zu können).
- Cashflow vs. GuV: Der Cashflow kann in der Regel nicht jahrelang signifikant von der Gewinn- und Verlustrechnung abweichen. Denn dann hat das Unternehmen tatsächlich ein Problem oder es wird manipuliert. Eine Cashflow-Rechnung lässt sich nicht so einfach manipulieren, da sie am Ende immer zur Bank abstimmbar sein muss! Einfach mal die letzten Jahre vergleichen
- Bilanzmanipulation: Hier kann es durchaus zu Tricksereien im Bereich Goodwill, Intangible Assets oder den Rückstellungen kommen. Alles zunächst nicht cashrelevant und würde „nur“ das Eigenkapital schmälern; Bankvestände lassen sich zu Bankbestätigungen abstimmen, ebenso ist es bei den Big4 üblich, dass man sich Drittbestätigungen von Kreditoren, Debitoren und Anwälten zukommen lässt (sprich man sollte den Bestand und die Werthaltigkeit der Forderungen und der Verbindlichkeiten abdecken können, dazu bestehende Rechtstreitigkeiten)
-Kredite: Auch hier kann man über einen Vergleichszeitraum von 3-5 Jahren gut erkennen, wann welche Verbindlichkeiten fällig werden bzw. wie die Verbindlichkeiten strukturiert sind (Anleihen, Bankkredite, Hybridkapital etc.) Einfach mal hinsetzen und ein Fälligkeitsraster erstellen und man sieht sehr schnell, dass (oh, wen wundert es) nicht ALLE Verbindlichkeiten in den nächsten 14 Tagen fällig werden.
Bis zu einer Insolvenz ist also noch ein langer Weg, meine Damen und Herren. Ebenso steinig weite der Weg zu alten Hochs werden, weil sehr viel Vertrauen verloren gegangen ist. In der Regel ist der Mittelweg am Wahrscheinlichsten. Ja, es fallen wahrscheinlich Mrd. schwere Abschreibungen an und ja, durch die ganzen Berater, Klagen etc. müssen die Rückstellungen angepasst werden. Demgegenüber werden wahrscheinlich Randbeteiligungen veräußert und ein besonderes Auge in Zukunft auf das Working Capital gelegt.
In Summe wird es wahrscheinlich analog zu VW in 12-18 Monaten hier ganz anders aussehen und der Kurs steht wieder bei über 1€. Die Vola wird dennoch hoch bleiben und ein Totalausfall ist wie bei jeder anderen Spekulation immer möglich.
Ihr seht, es sind viele „Wahrscheinlich“ oder „vielleicht“ in den Sätzen verbaut. Keiner weiß etwas Genaues, aber man kann sich über das Zahlenwerk zumindest eine gute Meinung zum derzeitigen Verlauf machen.
Von meiner Seite war es das, ich warte mal aufs neue Jahr