So habe mir die Zahlen durchgesehen. Leider etwas schlechter als gehofft.
Umsatz 9,3 Mrd.
Nachhaltiges EBITDA 340 Mio. Marge von 3,6%. Bitte nicht wundern Guidance zwischen 4-5% war ja vor Holdingkosten. Ohne Holdingkosten ist die EBITDA Marge bei 4,2%. Wie befürchtet eher bei der unteren Bandbreite der Guidance als der oberen. Die Holdingkosten von 61 Mio. haben mich schon sehr überrascht. Das ist eine gewaltige Summe wo es aber sicherlich einiges an Einsparpotential gibt.
Nachhaltiger operativer Profit von 143 Mio. Ohne ERM Segment (Poco, Kika, Extreme Digital) 179 Mio. Super positiv ist Pepkor Europe. Der Bereich wächst sehr stark. Mit operativen Profit Anstieg von 72 auf 98 Mio. Es werden bis Jahresende auch viele neue Pepco Stores eröffnet. Hier ist zukünftig sehr wahrscheinlich mit einem weiteren Anstieg des operativen Profits zu rechnen was sehr gut ist. STAR läuft auch solide und in Afrika ist in Zukunft sicherlich auch mit Wachstum zu rechnen. Mattress ist leider das große Sorgenkind. Hier dürfte es aber Fortschritte geben. Umsätze sind im 2. Quartal im Vergleich zum 1. Quartal auch angezogen. Es gibt auch ein neues Management. Nach der Berichtsperiode gab es im April und Mai auch bereits weitere gute Entwicklungen mit Umsatzwachstum im Vergleich zum Vorjahr. Im 1. Halbjahr gab es ja noch Umsatzrückgänge.
Ich hätte zum möglichen operativen Profit 2020 mal folgende Rechnung aufgestellt:
operativen Profit 143
ERM Verkauf (Poco, Kika ..) 36
Pepkor Europe Wachstum 20
STAR Wachstum 20
Mattress Sanierung 25
Reduktion Holdingkosten 15
Margenverbesserung 0,5% ohne ERM Umsatz 40
Möglicher operativer Profit 2020 299
Zu den Finanzierungskosten gibt es leider kein Detail. Werden mit 224 Mio. angegeben. Leider kann ich schwer einschätzen wie nachhaltig dieser Wert ist. Bei 8 Mrd. Schulden und 3,5% Zinsen komme ich für das Halbjahr auf 140 Mio. und das ohne Star. Star hatte im 1. Halbjahr ca. 35 Mio. Zinsen. Die 224 Mio. an Zinsen als nachhaltiger Wert könnten daher etwas zu hoch sein.
Wenn ich sage im Halbjahr nachhaltige Zinsen von 200 Mio. würde ein Ergebnis vor Steuern von 99 Mio. übrig bleiben. Hier enthalten sind keine Erträge aus Beteiligungen. Diese wie KAP sollten am besten verkauft werden um die Schulden weiter zu reduzieren bzw. die Phase bis die Firma nachhaltig profitabel ist zu unterstützen. Weitere Schuldenreduktionen würden auch die Zinsen von 200 Mio. absichern.
Bei einem Ergebnis vor Steuern von 99 Mio. und einer Steuerqoute aufgrund der Verlustvorträge von 15% käme ich auf einen Gewinn von 84 Mio. was langfristig sicherlich darstellbar ist. Das wäre auf Basis eines KGV von 10 ein Kurs von 0,20 Euro. Man sieht das Potential in der Firma ist jetzt sicherlich vorhanden im Vergleich zum aktuellen Kurs von 0,07. Darüber hinaus gibt es sehr viel Klagen die auch den einen oder anderen negativen Effekt haben werden. Wenn ich eine Aktienanzahl von 5,23 Mrd. annehme. 1 Mrd. Aktien werden im einem Vergleich den Klägern zugesprochen gäbe es ein Kursziel von 0,16 Euro.
Schwierig ob man jetzt aus der Aktie austeigen sollte oder auf einen Turnaround zu hoffen wo der Kurs halt um 50, 70 oder 100% höher sein kann als derzeit, der aber auch mit vielen Unsicherheiten verbunden ist. Ich denke für mich ich werde einen kleinen Teil verkaufen und mit dem Rest drinnen bleiben.
Bitte nicht vergessen, das EK was den Aktionären zuzurechnen ist beträgt EUR 2,4 Mrd. Das restliche EK gehört z.B. den Minderheitsaktionären an STAR da ja STAR vollkonsolidiert wird. Man darf hier auch nicht vergessen, dass der STAR Teil viel profitabler ist als der Teil ohne STAR. Steinhoff auf STAR aber keinen direkten Zugriff hat. Das EK je Aktie beträgt EUR 0,58. Dieses wird aber bis die Restrukturierung abgeschlossen ist noch stark sinken. Also diesen Wert niemals als Potential der Aktie ansetzen. Das EK im Vorjahr war nur als Vergleich mehr als doppelt so hoch.
Steinhoff kann und wird meines Erachtens überleben. Man muss bitte nur realistisch bleiben. Kurse über 0,20 Euro in der Aktie sind ohne ein großes Weihnachtswunder nicht realistisch. Ein solches Weihnachtswunder könnte aber ein Turnaround bei Mattress Firm sein.
Bitte um kritische Würdigung.
LG Helmut