Danke für das reichliche Feedback. Erstmal möchte ich die EK Anpassung begründen, auf die anderen Punkte gehe ich später oder morgen noch ein. Dabei muss ich noch betonen, dass ich hier immer noch mit einem dicken Daumen bewertet habe (mangels verlässlicher Informationen ist dies aber nicht unbedingt ein Nachteil).
Es ist dringend davon auszugehen, dass ein wirklich gründliches Bereinigen der Bilanzen erfolgt. Es kommt alles auf den Tisch, sodass die testierten Bilanzen nicht mehr angreifbar sein werden.
Das neue Management wird die tiefroten Zahlen für 2017 natürlich den Vorgängern zulasten, dafür ist die Basis für neue und bessere Ergebnisse und Zahlen entsprechend besser! Im Grunde bedeutet dies, dass die bisher verzögerten Abschreibungen auf einen Schlag erledigt werden, wir dafür in Zukunft eher unterdurchschnittliche Aufwände für Abschreibungen verzeichnen dürfen.
Folgende Quellen kann ich in diesem Zusammenhang empfehlen:
Tricks für legale Bilanzmanipulation: https://diyinvestor.de/bilanzmanipulation/
Goodwill-Impairment: Auswirkungen des Impairment-only-Ansatzes: http://www.zora.uzh.ch/id/eprint/62160/1/Goodwill-Impairment.pdf
Ausgehend von diesen Quellen und den letzten Zukäufen gestehe ich also nicht mehr als 2 Mrd. € als Goodwill für das Konglomerat Steinhoff zu. Im Jahresabschluss 2016 sind da noch 9,2 Mrd. € verzeichnet. Im Halbjahresbericht 2017 wird der Goodwill leider nicht mehr getrennt aufgeschlüsselt, jedoch steigt die Summe aus Goodwill und intangible assets um weitere 1,2 Mrd. € an. In Summe gehe ich hier daher von einer Goodwill-Abschreibung von ca. 8 Mrd. € aus. Welchen Anteil z.B. Poco trägt, spielt bei den Summen dann keine wesentliche Rolle mehr und beeinflusst die Gesamtschätzung nur um einige %.
Des weiteren ist der Punkt im Viceroy-Report für mich plausibel, dass der Posten "trade and other receivables" zum Großteil abgeschrieben werden muss. Das bedeutet weitere 1,7 Mrd. € von 1,8 Mrd. € aus dem HJ2017-Bericht.
Die letzten 1,7 Mrd. € Abschreibung verteilen sich auf die weiteren beweglichen und unbeweglichen Asset-Posten, wobei ich hier noch die größte Differenz bei den "Inventories" ausmache, da ich schlichtweg davon ausgehe, dass die Waren nicht nach dem Niedrigstwertprinzip bewertet wurden. Einzelstücke, Ausläufer und Austellungsstücke sind nur mit einem Bruchteil des ursprünglichen EK zu bewerten. Bilanztechnisch können die Unternehmen aber z.T. den vollen VK ansetzen (hier im Thread wurde kürzlich ein interessantes Video zu diesem Thema verlinkt "Frisieren von Bilanzen").
Wie betont wird ein neues Management grundsätzlich niedrigere Einschätzungen unterstützen, wo diese nicht eindeutig bewertbar sind oder gewissen Schwankungen oder Ermessungspielräumen unterlegen. Vorausgesetzt sie bringen damit das Unternehmen nicht zu Fall...
Zudem ärgere ich mich über die große Intransparenz der Berichte von Steinhoff - selbst kleinere Unternehmen beherrschen dies wesentlich besser und machen keinen bunten Werbeprospekt aus den Jahresabschlussberichten. Dies ist ein zusätzlicher mentaler Grund für die Größenordnung meiner Abwertungen.
Sollten meine Abschätzungen zu pessimistisch sein, dann lag ich zwar falsch, freue mich aber verstärkt über meine Investition :-)