Das kam zumindest für mich überraschend: Am gestrigen Dienstag teilte Steinhoff International Holdings N.V. (kurz „Steinhoff“) mit, dass das Vorstandsmitglied Johan Geldenhuys zurückgetreten ist – und zwar bereits mit Wirkung zum 31. August 2020. Ich finde das recht ungewöhnlich, dass der Rücktritt eines Vorstandsmitglieds erst einen Tag später kommuniziert wird. Das spricht dafür, dass dieser Rücktritt recht überraschend kam.
Die entsprechende Mitteilung zwar auch denkbar knapp. Es hieß, dass man die Mitteilung aufgrund der Vorschriften der Börse Johannesburg mache, und man danke Johan Geldenhuys für seinen wertvollen Beitrag zum Unternehmen („valuable contribution“). Warum, wieso, weshalb der Rücktritt erfolgte – keine Angabe. Es stand noch nicht mal das sinngemäße „aus persönlichen Gründen“ da.
Anmerkung: „Vorstandsmitglied“ ist sinngemäß, er war Mitglied im „board of directors“ bzw. im „board of directors“, das derzeit aus zwei Personen besteht.
Vielleicht steht der Rücktritt auch im Zusammenhang mit der Klatsche, die es für den Steinhoff-Vorstand bei der vorigen Hauptversammlung (HV) des Unternehmens gab. Die HV fand vorigen Freitag (28. August 2020) und da gab es bei einigen Tagesordnungspunkten beachtliche Gegenstimmen. Hier gab es nicht das sonst durchaus übliche Bild, dass bei den Tagesordnungspunkten die Vorschläge der Verwaltung haushohe Mehrheiten erhielten.
Besonders auffällig war das bei der Abstimmung über die Zahlen für das Geschäftsjahr 2019 (das bei Steinhoff am 30.9.2019 endete). Hier gab es einen regelrechten Krimi im Hinblick auf die zwei Lager („dafür“ und „dagegen“). Die Abstimmung brachte laut Steinhoff dann dieses Ergebnis:48,13% Ja-Stimmen und 51,87% Nein-Stimmen
Und noch mehr Gegenwind gab es laut den Abstimmungsergebnissen beim Tagesordnungspunkt, in dem es um die Bezüge der Managing Directors ging. Ich hatte dieses Thema im Vorfeld bereits einige Male besprochen und bin froh, dass hier die Aktionäre die Pläne zur Vergütung des Managements nicht einfach durchgewunken haben. Im Gegenteil: Es gab da nur 13,51% Ja-Stimmen und 86,49% Nein-Stimmen.
Wie sich diese Ablehnungen nun auswirken werden, weiß ich nicht. Es ist aus meiner Sicht ein Zeichen dafür, dass ein bedeutender Teil der Aktionäre mit dem Management nicht zufrieden ist – und das finde ich im Sinne einer gelebten Aktionärsdemokratie eine feine Sache.
Gerne hätte ich einmal gewusst, was eine Fliege an der Wand über den Rücktritt des oben genannten Vorstandsmitglieds berichten könnte. Nun mal sehen, ob es einen Nachfolger/in für Johan Geldenhuys geben wird und ob Steinhoff vielleicht im Nachgang der HV diese kommentiert und mitteilt, was sich ändern soll.
Oder auch nicht, was auch bezeichnend wäre im Hinblick darauf, wie ernst die Interessen der Aktionäre = Eigentümer/innen des Unternehmens genommen werden!
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