Eigenproduktionen statt Filme
ProSieben trennt sich vom Sonntags-"Blockbuster"
Lange vorbei sind die Zeiten, in denen ProSieben auf Branchenveranstaltungen für US-Spielfilme
trommelte. Kein Wunder: Spitzen-Quoten sind damit nur noch in Ausnahmefällen drin - erst recht,
wenn, wie in diesem Jahr, fast ausschließlich Wiederholungen ausgestrahlt werden müssen, weil es
schlicht an Nachschub aus Hollywood mangelt. Und doch kommt diese Ankündigung überraschend:
"Wir trennen uns auf ProSieben vom Blockbuster am Sonntagabend", erklärt ProSieben-Chef Daniel
jetzt Rosemann im DWDL.de-Interview.
"ProSieben verzichtet nicht auf Hollywood. US-Lizenz wird immer einen wichtigen Anteil in unseren
Grids haben. Aber an einem weiteren Primetime-Abend der Woche müssen und wollen wir auf Spielfilme
verzichten", so Rosemann. "Die Anzahl großer Kinotitel aus Hollywood wird immer weniger, durch die
Pandemie sind zudem viele Projekte liegen geblieben. Da wir Filme meist etwa zwei bis drei Jahre nach
Kinostart fürs Free-TV bekommen, können wir aufgrund der Pandemie schon absehen: Es wird in der
nächsten Zeit keine für uns befriedigende Versorgung mit neuen Blockbustern geben."
Erst vor wenigen Wochen hatte DWDL.de über den gesunkenen Stellenwert von Hollywood im
deutschen Fernsehen berichtet - eine Entwicklung, die nicht nur ProSieben betrifft, sondern auch
RTL, wo inzwischen am Sonntagabend ebenfalls immer seltener US-Spielfilme ausgestrahlt werden.
In Unterföhring hofft man nun, die verbleibenden Film-Slots dadurch zu stärken, dass 52 Sonntage
im Jahr bei ProSieben künftig mit Eigenproduktionen statt US-Filmen bespielt werden. Wie genau
das aussehen wird, ist noch unklar. "Wir wollen mit neuen Programmen das Wochenendgefühl etwas
verlängern", so Rosemann gegenüber DWDL.de. "Es geht um Formate, die gerne ein Fenster zu Welt
sind und mit Spaß und Spiel den Wunsch nach Abenteuer und Eskapismus bedienen. Ein großes Erlebnis
mit reisenden Prominenten, die ich gemütlich von zu Hause miterleben kann." Erste Programme sollen
im Juni bei den Screenforce Days vorgestellt werden.
Gleichzeitig wird auch deutsche Fiction auf absehbare Zeit bei ProSieben und Sat.1 keine sonderlich
große Rolle mehr spielen, wie Daniel Rosemann, der seit einem Jahr auch Sat.1 verantwortet, im
DWDL.de-Interview erklärte. "Immer mal wieder eine einzelne Serie oder mal einen Film einzustreuen -
das ist keine Strategie. Wir müssen davon überzeugt sein, dass wir mit unterschiedlichen Stoffen eine
Fiction-Strecke im Programm bauen können. Davon sind wir im Moment ein Stück entfernt", so Rosemann.
"Vielleicht gibt es auch durch den Wettbewerb der Streamingdienste einfach Formen und Genres, die
sich fürs Free-TV nicht mehr lohnen."
www.dwdl.de/nachrichten/87856/...ich_vom_sonntagsblockbuster/
War klar gewesen, wenn schon ein Bond Film 2 Jahre braucht bis er ins Kino kommt,
wird aus Hollywood nicht viel kommen.
Das wird sich aber sehr stark auf die Streamingdienste auswirken.