Keine Nachteile für die Anleger
2009 war Petersen bei der Zweckgesellschaft eingestiegen, die Eigentümer des Grundstücks ist, und hatte deren Geschäftsführung von Solarhybrid-Chef Schröder übernommen. Schröder sagt, Petersen habe „die Finanzierung des Grundstücks auf eigenes Risiko vorgenommen“, noch bevor Baugenehmigung und Finanzierung gesichert waren. Aus der Vermietung des Geländes durch Aufsichtsratschef Petersen seien Anlegern keine Nachteile entstanden. „Hätte ich das Grundstück nicht finanziert, hätte Solarhybrid den Park nicht bauen können“, sagt Petersen.
Petersens Aufgaben bei Solarhybrid gehen auch sonst weit über die eines gewöhnlichen Aufsichtsratschefs hinaus. So gab er dem Unternehmen direkt und über von ihm gesteuerte Unternehmen insgesamt fast zwei Millionen Euro Kredite und kassierte dafür bis zu zehn Prozent Zinsen pro Jahr. Die Bayreuther Ispex AG, auf die Petersen laut Solarhybrid „maßgeblichen Einfluss“ ausübt, sollte früher sogar im operativen Geschäft tätig werden und für Solarhybrid „Solarstrom-, Solarhybrid- und Hybridanlagen“ für drei Prozent Provision vertreiben. Und an die von Straub und Petersen geführte H2M Energy zahlte Solarhybrid aus einem Beratungsvertrag zwischen 2008 und 2011 über 165.000 Euro an Honorar.
Kritik
Experten für gute Unternehmensführung (Corporate Governance) sehen es kritisch, wenn Aufsichtsräte ein Unternehmen nicht nur kontrollieren, sondern selbst die Unternehmensstrategie beeinflussen. Die Honorare oder Erlöse aus den übernommenen Aufgaben setzen den Aufsichtsrat weiteren Interessenkonflikten aus. Als Aufsichtsrat muss er an möglichst niedrigen Zahlungen interessiert sein, als direkter oder indirekter Empfänger an möglichst hohen. Petersen sieht da aber keine Probleme. Er halte sich „ganz streng an die gesetzlichen Vorgaben und die einer guten Corporate Governance“.
Andere Beratungsmandate bei Solarhybrid schanzte Petersen anscheinend ihm gut bekannten Anwälten zu. So berät die Kanzlei Krammer Jahn mit Büros in Bayreuth und München nach eigenen Angaben vom Mai 2011 Solarhybrid seit „2008 laufend in allen kapitalmarktrechtlichen Angelegenheiten“. Petersen gehörte bis 2007 dieser Kanzlei an, die damals Petersen Krammer Jahn hieß. Solarhybrid widerspricht der Darstellung der Kanzlei heute jedoch. Krammer Jahn werde nur „gelegentlich für normale Rechtsberatung“ herangezogen, in einem „minimalen Umfang“.
Türen öffnen und Kontakte knüpfen
Als Türöffner und Kontakteknüpfer scheint Petersen sich bei Solarhybrid bewährt zu haben. Auffällig oft arbeitet Solarhybrid mit Unternehmen der Gruppe Angermayer, Brumm und Lange (ABL), deren Aushängeschild der Finanzmanager Christian Angermayer ist. So hat die Silvia Quandt Bank, die wie alle anderen folgenden Unternehmen zur ABL-Gruppe gehört, 2011 eine Kapitalerhöhung über acht Millionen Euro betreut, der Vermögensverwalter Altira übernahm die Zwischenfinanzierung von Solarparks, die Investmentgesellschaft Ecolutions steuerte Eigenkapital bei, bevorzugte Anbieter für Solarfonds mit Kraftwerken von Solarhybrid waren ebenfalls Ecolutions und die Hamburger CH2 Contorhaus.
Petersen stellte den Kontakt her und hat Solarhybrid so „gutes Geschäft“ ermöglicht. Er kennt Angermayer gut. So ist Petersen zum Beispiel Aufsichtsratsvorsitzender bei Aragon, einem ABL-Unternehmen, und war auch bei anderen Unternehmen der Gruppe Aufsichtsrat. Petersens Kontakte kann Solarhybrid weiter gebrauchen. „In Zukunft wollen wir gerne mit Altira weiter zusammenarbeiten“, teilt Solarhybrid in seiner Stellungnahme bereits mit.
Der Terminkalender des Ex-SdK-Vorstands und Anwalts dürfte sich also nicht so schnell leeren, selbst nach dem Ende des Münchner Prozesses.
"Entweder wir brechen gemeinsam auf zum Erfolg, oder wir sterben in Schönheit."